Deutsche Tageszeitung - Ukrainische Rettungskräfte: 15 Tote bei russischen Angriffen auf Hauptstadt Kiew

Ukrainische Rettungskräfte: 15 Tote bei russischen Angriffen auf Hauptstadt Kiew


Ukrainische Rettungskräfte: 15 Tote bei russischen Angriffen auf Hauptstadt Kiew
Ukrainische Rettungskräfte: 15 Tote bei russischen Angriffen auf Hauptstadt Kiew / Foto: © AFP

Bei russischen Angriffen auf Kiew sind in der Nacht zum Donnerstag nach Angaben von Rettungskräften mindestens 15 Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern war mindestens ein Kind, erklärte der Chef der Militärverwaltung der ukrainischen Hauptstadt, Tymur Tkatschenko. In der Ostukraine meldete Moskau die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Tschassiw Jar, was jedoch von Kiew umgehend dementiert wurde. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenksyj forderte Bemühungen zu einem "Regimewechsel" in Russland.

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Russland habe seit Mittwochabend insgesamt 309 Drohnen und acht Marschflugkörper auf die Ukraine abgefeuert, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. 288 Drohnen und drei Marschflugkörper konnten demnach abgewehrt werden.

Das Hauptziel der Angriffe war laut der Luftwaffe die ukrainische Hauptstadt. Durch einen der Raketenangriffe in Kiew wurde den Behörden zufolge die Fassade eines neunstöckigen Wohnhauses herausgerissen. Rettungskräfte suchten inmitten von Trümmerhaufen nach Überlebenden, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten.

Nach Angaben der Rettungskräfte wurden bei diesem und weiteren Angriffen mindestens 15 Menschen getötet und 145 weitere verletzt. Ein sechsjähriger Junge starb auf dem Weg ins Krankenhaus in einem Rettungswagen, wie Militärverwaltungschef Tkatschenko mitteilte. Unter den Verletzten waren den Behördenangaben zufolge 14 Kinder.

"Es ist ein schrecklicher Morgen in Kiew. Die brutalen russischen Angriffe haben ganze Wohnhäuser zerstört und Schulen und Krankenhäuser beschädigt", erklärte Außenminister Andrij Sybiha im Onlinedienst X. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko rief für Freitag einen Trauertag aus.

Selenskyj beschuldigte Moskau, das Töten gezielt zur Schau zu stellen. "Heute hat die Welt erneut die Antwort Russlands auf unseren Wunsch nach Frieden gesehen, den wir mit Amerika und Europa teilen", erklärte er in Onlinenetzwerken. Frieden ohne Stärke sei unmöglich.

Selenskyj rief die Welt auf, auf einen "Regimewechsel" in Russland zu dringen. Andernfalls werde Kreml-Chef Wladimir Putin weiterhin versuchen, Nachbarländer zu destabilisieren, sagte der ukrainische Präsident in einer Onlinerede bei einer Konferenz zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte von Helsinki, eines bedeutenden Dokuments der Entspannungspolitik während der Zeit des Kalten Krieges.

Selenskyj forderte zudem eine vollständige Blockade von "Russlands Kriegsmaschinerie". "Alle eingefrorenen russischen Vermögenswerte, einschließlich der durch Korruption gestohlenen Reichtümer", müssten zur Verteidigung "gegen die russische Aggression" genutzt werden.

Erst am Dienstag hatte US-Präsident Donald Trump Moskau eine Frist von zehn Tagen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs gesetzt und andernfalls mit Sanktionen gedroht. Der Kreml zeigte sich davon unbeeindruckt.

Das Verteidigungsministerium in Moskau verkündete am Donnerstag, die russischen Truppen hätten die Stadt Tschassiw Jar in der ostukrainischen Region Donezk erobert. Die ukrainische Armee bestritt dies. Die Angaben aus Moskau seien eine "komplette Lüge", sagte ein ukrainischer Militärsprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Die russischen Streitkräfte haben seit mehr als einem Jahr versucht, die Kontrolle über die strategisch wichtige Stadt zu erlangen. Sollten sie Tschassiw Jar nun erobert haben, würde es den russischen Truppen den Weg ebnen, um auf die verbliebenen zivilen Hochburgen in Donezk vorzustoßen - darunter Kramatorsk und Slowjansk. Dabei handelt es sich um wichtige Logistikstützpunkte für das ukrainische Militär. Zudem sind sie Heimat vieler Zivilisten, die bislang nicht vor den Kämpfen geflohen sind.

Donezk ist eine von vier ukrainischen Regionen, die Moskau im September 2022 für annektiert erklärt hatte. In den bisher erfolglosen Gesprächen über eine Waffenruhe und das Ende des Krieges fordert Moskau, dass die Ukraine Donezk und die drei weiteren teilweise russisch besetzten Regionen vollständig an Russland abtritt. Die Ukraine lehnt dies als vollkommen inakzeptabel ab.

Der ukrainische Außenminister Sybiha forderte am Donnerstag mehr Druck auf Russland. Trump "war bisher sehr großzügig und geduldig mit Putin", wenn es darum gegangen sei, eine Lösung zu finden, schrieb Sybiha bei X. Putin habe jedoch kein Interesse daran, "das Töten zu beenden", warnte Sybiha. "Es ist Zeit für maximalen Druck auf Moskau."

(B.Izyumov--DTZ)

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