Deutsche Tageszeitung - Migrationsdebatte: EuGH grenzt Festlegung sicherer Herkunftsstaaten ein

Migrationsdebatte: EuGH grenzt Festlegung sicherer Herkunftsstaaten ein


Migrationsdebatte: EuGH grenzt Festlegung sicherer Herkunftsstaaten ein
Migrationsdebatte: EuGH grenzt Festlegung sicherer Herkunftsstaaten ein / Foto: © AFP/Archiv

In der Debatte über sichere Herkunftsstaaten hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg Beschränkungen für die EU-Mitgliedstaaten aufgestellt. Diese können demnach zwar per Gesetz bestimmen, welche Länder als sichere Herkunftsstaaten gelten - Voraussetzung ist dem Urteil vom Freitag zufolge aber, dass dort alle Menschen sicher sind. Die EU-Staaten müssen außerdem offenlegen, auf welchen Informationen ihre Entscheidung beruht, sodass sie von Gerichten überprüft werden kann. (Az. C-758/24 und C-759/24)

Textgröße ändern:

Sichere Herkunftsstaaten sind Länder, in denen davon ausgegangen werden kann, dass dort keine Verfolgung zu befürchten ist. Asylanträge von Menschen aus diesen Ländern werden normalerweise abgelehnt, ihre Asylverfahren können beschleunigt an der Grenze geprüft werden.

Auch in Deutschland gibt es seit langem eine Debatte über sichere Herkunftsländer. So plant die Bundesregierung, die Liste künftig per Rechtsverordnung - also ohne Beteiligung von Bundestag und Bundesrat - auszuweiten. Darüber ist aber noch nicht entschieden. Außerdem sollen weitere Länder auf die Liste kommen.

Vor dem EuGH ging es nun um Fragen aus Italien und das sogenannte Albanien-Modell. Die italienische Regierung will Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsstaaten in Aufnahmelager auf albanischem Boden schicken, wo sie bleiben sollen, während ihre Asylanträge bearbeitet werden. Im Oktober 2024 wurden dabei eine Reihe von Staaten als sichere Herkunftsländer festgelegt, darunter Bangladesch.

Nun klagten zwei Männer aus Bangladesch. Die beiden waren im Mittelmeer aufgegriffen und nach Albanien gebracht worden. Ihre Asylanträge in Italien wurden abgelehnt. Das zuständige italienische Gericht fragte den EuGH nach den Pflichten von EU-Staaten bei der Bestimmung sicherer Herkunftsländer.

Dieser betonte nun, dass die Festlegung von sicheren Herkunftsstaaten gerichtlich überprüfbar sein muss. Die Informationsquellen müssten also zugänglich sein. Ein Land dürfe nicht auf die Liste sicherer Herkunftsstaaten gesetzt werden, wenn es nicht seiner gesamten Bevölkerung ausreichenden Schutz biete. Das gilt jedenfalls bis Juni 2026. Dann tritt im Rahmen der Reform des europäischen Asylsystems eine Verordnung in Kraft, die Ausnahmen zulässt.

(W.Budayev--DTZ)

Empfohlen

Buenos Aires: Flávio Bolsonaro von Brasilien über Argentinien nach Ecuador gereist

Der bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien unterlegene Kandidat Flávio Bolsonaro ist nach Angaben der argentinischen Regierung nach seiner Flucht aus Brasilien über Argentinien nach Ecuador gereist. Bolsonaro sei am Dienstagabend nach Argentinien eingereist, ehe er einen Flug nach Ecuador angetreten habe, erklärte die argentinische Einwanderungsbehörde am Mittwoch im Onlinedienst X. Bolsonaro hatte am Sonntag die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva verloren. US-Medien hatten berichtet, Bolsonaro sei in den USA eingetroffen.

Israels Wahlbehörde: Nach Auszählung von 50 Prozent der Stimmen führt Netanjahus Block

Bei der Parlamentswahl in Israel liegt nach Auszählung der Hälfte aller Stimmzettel offiziellen Angaben zufolge der Block von Regierungschef Benjamin Netanjahu vor dem Block der Opposition. Nach Angaben der israelischen Wahlkommission vom Mittwoch kommen Netanjahus Likud-Partei und ihre Verbündeten nach Auszählung von 50.1 Prozent der Stimmzettel auf 56 der 120 Sitze im Parlament. Das Oppositionsbündnis unter Gadi Eisenkot kommt demnach auf 49 Sitze, die Listen der arabischen Israelis auf 15.

Trump kündigt "sehr bald" Treffen mit Putin und Selenskyj an

US-Präsident Donald Trump hat ein baldiges Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj angekündigt. "Es wird sehr bald ein Treffen geben", sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten. "Ich glaube, dass dabei große Fortschritte erzielt werden könnten", fügte er mit Blick auf die diplomatischen Bemühungen hinzu, den seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden Krieg zu beenden.

Nach knappem Wahlausgang in Israel beanspruchen beide Blöcke die Regierungsbildung

Nach dem knappen Ausgang der Parlamentswahl in Israel haben beide Blöcke die Regierungsbildung für sich beansprucht. Sowohl Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch der wichtigste Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot kündigten am Mittwoch an, eine neue Regierung bilden zu wollen. Allerdings verfehlten beide Blöcke die dafür erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen. Prognosen zufolge lagen sie gleichauf. Deutliche Zugewinne verzeichneten dagegen die beiden Listen der arabischen Staatsbürger - sie könnten nun zum Königsmacher werden.

Textgröße ändern: