Deutsche Tageszeitung - Erste Kritik aus SPD an Teilstopp von Waffenlieferungen an Israel

Erste Kritik aus SPD an Teilstopp von Waffenlieferungen an Israel


Erste Kritik aus SPD an Teilstopp von Waffenlieferungen an Israel
Erste Kritik aus SPD an Teilstopp von Waffenlieferungen an Israel / Foto: © AFP/Archiv

Aus der SPD kommt erste Kritik an dem von Kanzler Friedrich Merz (CDU) angekündigten Teilstopp von Waffenlieferungen an Israel. Eine Schwächung der Verteidigungsfähigkeit Israels sei inakzeptabel und "in vielerlei Hinsicht politisch naiv", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Töns der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. "Bei aller berechtigten Kritik an Netanjahu und der humanitären Lage in Gaza wird bei dem Beschluss der Bundesregierung die Ursache des Konflikts ausgeblendet."

Textgröße ändern:

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu sei zwar "in keiner Weise vertrauenswürdig, aber wir sollten viel mehr die kritischen Stimmen in Israel stärken". Töns kritisierte zudem seine Partei, die hinter dem teilweisen Waffenstopp steht: "Wie erkläre ich meinen jüdischen Freunden die Haltung der SPD?", fragte er in der "Bild".

Merz hatte am Freitag angekündigt, es würden "bis auf Weiteres keine Ausfuhren von Rüstungsgütern" mehr an Israel genehmigt, "die im Gazastreifen zum Einsatz kommen können". Damit reagierte der Kanzler auf einen vom israelischen Sicherheitskabinett gebilligten Plan, den Militäreinsatz im Gazastreifen auszuweiten und dabei die Kontrolle über die Stadt Gaza zu übernehmen.

An der Entscheidung hatte es innerhalb der Union Kritik gegeben und auch den Vorwurf, Merz habe seinen Schritt nicht vorab mit Partei und Fraktion besprochen. Aus der SPD erhielt der Bundeskanzler allerdings Rückendeckung: Von "einer richtigen Entscheidung" sprach beispielsweise Vize-Kanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil. Öffentliche Kritik am neuen Israel-Kurs der Koalition war aus der 120 Abgeordneten starken SPD-Bundestagsfraktion bislang nicht zu hören.

Unterstützung erhielt Merz derweil auch von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (CDU). "Innerhalb Europas ist die Bundesregierung, insbesondere Friedrich Merz, der treueste Israel-Freund von allen", sagte Weimer den Funke-Zeitungen vom Dienstag. Merz habe "diesen Kurs der Loyalität gehalten". Der Staatsminister betonte: "Dass es nun in einem Detail der Rüstungsexporte diese Entscheidung gegeben hat, halte ich für legitim."

"Längst überfällig" nannte den Schritt am Dienstag Linken-Chefin Ines Schwerdtner. Dieser reiche jedoch "bei weitem nicht aus", sagte sie den Sendern RTL und ntv. Notwendig seien "ein richtiger Waffenstopp, keine weiteren Waffen in dieses Kriegsgebiet", eine Anerkennung Palästinas als Staat und Sanktionen gegen Minister aus dem Kabinett Netanjahu.

"Wenn israelische Minister sagen, sie wollen ein Land und die Menschen auslöschen und aushungern, dann ist das ein Kriegsverbrechen und dann müssen wir diese Minister auch sanktionieren", ergänzte Schwerdter.

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

CDU im Saarland wählt Landeschef Toscani als Spitzenkandidat für Landtagswahl

Die CDU im Saarland hat ihren Landesvorsitzenden Stephan Toscani zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im kommenden April gewählt. Bei einer Landesvertreterversammlung in Eppelborn bekam der 59-Jährige nach Parteiangaben am Freitagabend 91,3 Prozent der Stimmen. Toscani ist seit 2022 CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzender im Saarland. Er ist damit Oppositionsführer im Landtag.

US-Gesandte Kushner und Witkoff am Wochenende mit Ukraine-Vorschlag in Moskau und Kiew

US-Präsident Donald Trump hat einen neuen diplomatischen Vorstoß zur Beendigung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine angekündigt. Seine Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff würden mit einem Vorschlag "zur Beendigung des Kriegs" am Wochenende Moskau und Kiew besuchen, teilte Trump am Freitag mit. Der US-Präsident zeigte sich zudem sicher, dass Russland nach deutschen Vorwürfen wegen des versuchten Drohnen-Anschlags am Flughafen Leipzig/Halle die Nato nicht angreifen werde.

Trump: Putin will Nato nicht angreifen - Gesandte mit Ukraine-Plan unterwegs

US-Präsident Donald Trump hält nach den deutschen Vorwürfen gegen Russland wegen des versuchten Drohnen-Anschlags am Flughafen Leipzig an seiner Einschätzung fest, dass Kreml-Chef Wladimir Putin keinen Angriff auf Nato-Gebiet plant. "Ich spreche mit ihm. Ich kenne ihn sehr gut. Putin will kein Nato-Gebiet angreifen", sagte Trump am Freitag im Weißen Haus auf die Frage eines AFP-Reporters.

Vor Abschied bei der UNO: Baerbock fordert erneut UN-Generalsekretärin

Die frühere Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat sich wenige Tage vor ihrem Ausscheiden als Präsidentin der UN-Generalversammlung noch einmal für eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen stark gemacht. Dies sei ein "Testfall für die Glaubwürdigkeit der Organisation", erklärte Baerbock am Freitag in New York. Bislang waren ausschließlich Männer UN-Generalsekretär.

Textgröße ändern: