Deutsche Tageszeitung - Klingbeil erhält Kritik für Aussage zu Steuererhöhungen

Klingbeil erhält Kritik für Aussage zu Steuererhöhungen


Klingbeil erhält Kritik für Aussage zu Steuererhöhungen
Klingbeil erhält Kritik für Aussage zu Steuererhöhungen / Foto: © AFP/Archiv

Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) hat für eine Aussage zu möglichen Steuererhöhungen für besonders wohlhabende Menschen Kritik geerntet. "Dass der Finanzminister sich Gedanken um die Haushaltskonsolidierung macht, ist nachvollziehbar und richtig. Steuererhöhungen sind dafür aber der falsche Weg", sagte Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) der "Rheinischen Post" vom Montag. Auch Wirtschaftsverbände äußerten Bedenken, aus der eigenen Partei erhielt der SPD-Chef aber Zuspruch.

Textgröße ändern:

Klingbeil hatte am Sonntag im ZDF-"Sommerinterview" auf Nachfrage Steuererhöhungen für Reiche zur Schließung der Finanzierungslücke im Haushalt nicht ausgeschlossen. "Da wird keine Option vom Tisch genommen", sagte er. "Ich finde, es ist etwas, wo sich gerade Menschen mit hohen Einkommen, hohen Vermögen auch fragen müssen, welchen Teil tragen wir dazu bei, dass dieses Land gerechter wird", fügte er hinzu.

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums betonte am Montag, dass die Aufstellung des Bundeshaushaltes eine "Gesamtanstrengung der Bundesregierung" sei. Die Finanzlücke müsse von allen Ministerien gemeinsam geschlossen werden. Besonders für die Jahre ab 2027 gebe es "enorme Handlungsbedarfe". Klingbeil rechnet für die Jahre 2027 bis 2029 mit einer Haushaltslücke von 172 Milliarden Euro.

"Wir brauchen mehr Entlastung statt noch mehr Belastung. Sonst kommt unsere Wirtschaft nicht wieder auf die Beine", sagte der CDU-Politiker Bilger nun. Zudem gebe es Einsparpotential "zum Beispiel im Sozialbereich, vor allem beim Bürgergeld, aber auch bei der Migration". Die Koalition habe schon mit Sparmaßnahmen begonnen und müsse "diesen Weg jetzt konsequent weitergehen."

Klingbeils Parteigenosse, der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, sprang seinem Parteichef hingegen zur Seite. "Es geht um die Entlastung von kleinen und mittleren Einkommen, die wir im Koalitionsvertrag verabredet haben, die entsprechend gegenfinanziert sein muss", sagte er der "Rheinischen Post".

Es gebe viele Menschen, die hart arbeiten und dennoch kämpfen müssten, "um mit ihrem Gehalt bis zum Ende des Monats zu kommen", sagte Wiese weiter. "Hier wollen wir Sozialdemokraten ansetzen und in der Breite entlasten. Wenn das bedeutet, sehr hohe Einkommen stärker in die Pflicht zu nehmen, dann ist das für mich vertretbar."

AfD-Chefin Alice Weidel kritisierte den Finanzminister für dessen Aussage und attestiert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Schwäche gegenüber dem Koalitionspartner. "Während die Sozialdemokraten immer neue Belastungen fordern und diese zynisch mit 'Gerechtigkeit' rechtfertigen, schweigt der Kanzler und flüchtet sich in außenpolitische Nebenschauplätze", erklärte Weidel. "Für die arbeitende Mitte, der er im Wahlkampf Entlastungen versprochen hat, ist das ein doppelter Wortbruch."

FDP-Chef Christian Dürr erklärte, Deutschland brauche nun "Wachstum, Innovation und Entlastung, nicht zusätzliche Belastungen für die Leistungsträger unseres Landes". Klingbeils Vorschläge würden "in Wahrheit vor allem mittelständische Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler treffen".

Skeptisch äußerte sich ebenfalls der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). "Bevor (...) Debatten über Steuererhöhungen vom Zaun gebrochen werden, sollten die Bundesregierung und ihre Ministerien ernsthaft Einsparpotenziale identifizieren", erklärte ZDH-Präsident Jörg Dittrich.

Deutschland nehme schon jetzt international bei der Steuer- und Abgabenlast eine Spitzenposition ein, erklärte die Präsidentin der Familienunternehmer, Marie-Christin Ostermann. "Mit der Andeutung des Finanzministers, möglicherweise fiskal auf das Betriebsvermögen von Familienunternehmern zugreifen zu wollen, verunsichert, verärgert und vertreibt er im Extremfall gerade die, auf deren Wirtschaftskraft ein Großteil seiner Haushaltsplanung auf der Einnahmenseite beruht."

Der Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer, Thomas Hoppe, warf Klingbeil vor, die Realität zu ignorieren. "Bereits heute tragen die obersten zehn Prozent der Einkommensbeziehenden einen überproportional hohen Teil der Steuerlast: sie zahlen über 40 Prozent des gesamten Steueraufkommens", erklärte Hoppe.

(V.Varonivska--DTZ)

Empfohlen

Eindringen von Drohne in Nordkorea: Seoul bestätigt Beteiligung von Regierungsbeamten

Nach dem Eindringen einer Drohne in Nordkorea Anfang des Jahres hat Südkoreas Präsident Lee Jae Myung die Beteiligung von Regierungsbeamten an dem Vorfall bestätigt. "Es wurde bestätigt, dass ein Beamter des Nationalen Nachrichtendienstes und ein aktiver Soldat beteiligt waren", sagte Lee am Montag in einer Kabinettssitzung. Bislang hatte Seoul betont, es habe sich um eine Tat von Zivilisten gehandelt.

EVP-Chef Weber stellt Vetorecht in der EU infrage

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber hat das Einstimmigkeitsprinzip in der EU infrage gestellt. "In diesen geopolitisch turbulenten Zeiten brauchen wir zwingend ein handlungsfähiges Europa", sagte der Partei- und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). "Ein Europa, in dem die Langsamsten das Tempo bestimmen oder einzelne Staaten mit ihrem Veto alles blockieren können, wird zum Spielball von Trump, Putin und Xi Jinping."

Drei Vermisste und vier Verletzte nach Einschlag von iranischer Rakete in Haifa

Nach einem iranischen Raketeneinschlag in ein Wohnhaus in Israel werden mindestens drei Menschen vermisst. Das siebenstöckige Gebäude in der Stadt Haifa sei teilweise eingestürzt, Feuerwehrleute suchten in den Trümmern nach drei Vermissten, teilte die Feuerwehr am Sonntagabend mit. Zuvor waren vier Verletzte geborgen worden.

Elf Tote bei israelischen Angriffen auf mehrere Regionen des Libanon

Bei erneuten israelischen Angriffen auf die Region der libanesischen Hauptstadt Beirut und den Südlibanon sind libanesischen Angaben zufolge mindestens elf Menschen getötet worden. Ein Luftangriff habe das südliche Beiruter Viertel Dschnah getroffen, dabei seien vier Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden, meldete das Gesundheitsministerium am Sonntag. Zuvor waren bei Angriffen im Süden des Landes nach Angaben des Zivilschutzes bereits sieben Menschen getötet worden. Der israelische Armeechef Ejal Samir besuchte derweil Truppen im Südlibanon.

Textgröße ändern: