Deutsche Tageszeitung - Mindestens 18 Tote durch Autobombe und Drohnenangriff in Kolumbien

Mindestens 18 Tote durch Autobombe und Drohnenangriff in Kolumbien


Mindestens 18 Tote durch Autobombe und Drohnenangriff in Kolumbien
Mindestens 18 Tote durch Autobombe und Drohnenangriff in Kolumbien / Foto: © AFP

In Kolumbien sind am Donnerstag bei zwei Angriffen in verschiedenen Teilen des Landes Behördenangaben zufolge mindestens 18 Menschen getötet worden. Zwölf Polizisten wurden demnach in der nördlichen Region Antioquia getötet, als ein Polizeihubschrauber von einer Drohne abgeschossen wurde. Sechs weitere Menschen wurden durch eine Autobombe in der Stadt Cali südwestlich von Bogotá getötet. Die Regierung machte Splittergruppen der ehemaligen Farc-Guerilla für die Vorfälle verantwortlich.

Textgröße ändern:

Angreifer hätten in der Region Antioquia eine Gruppe "bedrängt", die mit der Vernichtung von Kokapflanzen beauftragt gewesen sei, teilte ein Polizeibeamter der Nachrichtenagentur AFP mit. Mit Gewehren und einer Drohne hätten sie einen Hubschrauber der Einsatzkräfte angegriffen, welcher daraufhin abstürzte. In Onlinediensten verbreitete Aufnahmen zeigten einen Hubschrauber im Anflug auf eine Gebiet. Es folgen eine Explosion und der Absturz des Hubschraubers. Zwölf Polizisten wurden dabei getötet und drei weitere verletzt, wie der Gouverneur von Antioquia, Andrés Julián Rendón, auf einer Pressekonferenz sagte.

Die Polizei, das Verteidigungsministerium sowie Kolumbiens Präsident Gustavo Petro machten zunächst das Kartell Clan del Golfo für die Angriffe verantwortlich. Verteidigungsminister Pedro Sánchez dementierte dies jedoch später und erklärte im Onlinedienst X, dass nach jüngsten Informationen der Polizei eine Splittergruppen der Guerillaorganisation EMC unter Führung eines Kommandeurs mit dem Decknamen "Calarca" hinter dem Vorfall stehe.

Die EMC spaltete sich von der Farc ab, nachdem diese 2016 in einem Friedensabkommen mit der Regierung ihre Waffen niedergelegt hatte. Die EMC lehnt das Friedensabkommen ab.

Zuvor war bereits in der Stadt Cali im Südwesten Kolumbiens eine Autobombe explodiert. Dabei wurden den Behörden zufolge mindestens sechs Menschen getötet und mehr als 60 weitere Menschen verletzt. Ziel der Anschlags war offenbar ein Luftwaffenstützpunkt.

Nach Angaben der Polizei wurde der Sprengkörper nahe einer Militärflugschule gezündet. In den Onlinenetzwerken verbreitete Aufnahmen zeigen einen brennenden Lastwagen, mehrere beschädigte Fahrzeuge und zahlreiche zerbrochene Fensterscheiben sowie mehrere am Boden liegende Menschen, die von Rettungskräften versorgt werden. Auch brennende Fahrzeuge und in Panik davonrennende Menschen sind zu sehen. Mehrere Gebäude und eine Schule wurden evakuiert. Zeugenaussagen zufolge waren unter den Toten zivile Opfer.

"Es gab einen ohrenbetäubenden Knall, als etwas in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts explodierte", sagte ein 65-jähriger Augenzeuge AFP. "Es gab so viele Verletzte", fügte er hinzu.

Der Bürgermeister von Cali, Alejandro Eder, verbannte nach dem Vorfall große Lastwagen aus der Stadt, um weitere Explosionen von Autobomben zu verhindern, und setzte eine Belohnung von 10.000 Dollar (rund 8565 Euro) für Hinweise zur Tat aus. Verteidigungsminister Sánchez machte EMC für den Angriff verantwortlich.

Zuletzt hatte der Tod des Präsidentschaftskandidaten Miguel Uribe in Kolumbien für Entsetzen gesorgt. Der konservative Senator war vor zwei Monaten bei einem Wahlkampfauftritt in der Hauptstadt Bogotá angeschossen worden und später an den Folgen des Attentats gestorben. Der kolumbianische Geheimdienst macht die Segunda Marquetalia, eine Splittergruppe der ehemaligen Farc-Guerilla, für die Ermordung Uribes verantwortlich.

Das Attentat lösten Befürchtungen bei vielen Menschen in dem südamerikanischen Land aus, dass es zu einer Gewaltspirale wie in den 1980er und 1990er Jahren kommen könnte, als bewaffnete Angriffe der Drogenkartelle und Morde an Politikern zum Alltag gehörten.

Viele der bewaffneten Gruppen Kolumbiens, die einst auf linken oder rechten Ideologien basierten, sind heute Drogenkartelle, die sich durch den lukrativen Kokainhandel finanzieren. Kolumbien ist der größte Kokainproduzent der Welt und verzeichnete 2023 eine Rekordfläche von 253.000 Hektar Kokapflanzen. Die Regierung von Petro treibt einen Plan zur freiwilligen Vernichtung der Pflanzen durch die Bauern voran, der ihnen wirtschaftlichen Anreize bietet.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

EVP-Chef Weber stellt Vetorecht in der EU infrage

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber hat das Einstimmigkeitsprinzip in der EU infrage gestellt. "In diesen geopolitisch turbulenten Zeiten brauchen wir zwingend ein handlungsfähiges Europa", sagte der Partei- und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). "Ein Europa, in dem die Langsamsten das Tempo bestimmen oder einzelne Staaten mit ihrem Veto alles blockieren können, wird zum Spielball von Trump, Putin und Xi Jinping."

Drei Vermisste und vier Verletzte nach Einschlag von iranischer Rakete in Haifa

Nach einem iranischen Raketeneinschlag in ein Wohnhaus in Israel werden mindestens drei Menschen vermisst. Das siebenstöckige Gebäude in der Stadt Haifa sei teilweise eingestürzt, Feuerwehrleute suchten in den Trümmern nach drei Vermissten, teilte die Feuerwehr am Sonntagabend mit. Zuvor waren vier Verletzte geborgen worden.

Elf Tote bei israelischen Angriffen auf mehrere Regionen des Libanon

Bei erneuten israelischen Angriffen auf die Region der libanesischen Hauptstadt Beirut und den Südlibanon sind libanesischen Angaben zufolge mindestens elf Menschen getötet worden. Ein Luftangriff habe das südliche Beiruter Viertel Dschnah getroffen, dabei seien vier Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden, meldete das Gesundheitsministerium am Sonntag. Zuvor waren bei Angriffen im Süden des Landes nach Angaben des Zivilschutzes bereits sieben Menschen getötet worden. Der israelische Armeechef Ejal Samir besuchte derweil Truppen im Südlibanon.

Trump verlängert Ultimatum für den Iran mutmaßlich bis Dienstag

US-Präsident Donald Trump hat sein dem Iran gesetztes Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus mutmaßlich um einen Tag verlängert. In seinem Onlinedienst Truth Social veröffentlichte Trump am Sonntag den schlichten Hinweis "Dienstag, 20.00 Uhr" (Ortszeit, Mittwoch 2.00 Uhr MESZ). Zuvor hatte Trump Teheran Montag als Frist genannt, bis zu der eine Einigung erzielt werden müsse. Andernfalls drohe eine massive Zerstörungswelle von Kraftwerken und Brücken im Iran.

Textgröße ändern: