Deutsche Tageszeitung - US-Regierung: Alle 55 Millionen Visa für Ausländer auf dem Prüfstand

US-Regierung: Alle 55 Millionen Visa für Ausländer auf dem Prüfstand


US-Regierung: Alle 55 Millionen Visa für Ausländer auf dem Prüfstand
US-Regierung: Alle 55 Millionen Visa für Ausländer auf dem Prüfstand / Foto: © AFP

Die US-Regierung hat angekündigt, die Visa von Ausländerinnen und Ausländern im Land kontinuierlich zu überprüfen. Alle 55 Millionen Menschen, die derzeit gültige US-Visa hätten, seien davon betroffen, erklärte ein Mitarbeiter des Außenministeriums am Donnerstag (Ortszeit). Bereits bei jedem "Anzeichen einer potenziellen Untauglichkeit" werde das Außenministerium der betroffenen Person das Visum entziehen, hieß es weiter.

Textgröße ändern:

Das schließe Dinge wie Hinweise auf Aufenthalte, die die genehmigte Dauer überschreiten, kriminelle Aktivitäten, Bedrohungen der öffentlichen Sicherheit sowie "Beteiligung an jeglicher Form von terroristischen Aktivitäten oder Unterstützung einer terroristischen Organisation" ein.

Bei der Überprüfung würden "alle verfügbaren Informationen" herangezogen, darunter sowohl Angaben von Polizei und Einwanderungsbehörden sowie "jede andere Information, die nach der Ausstellung des Visums ans Licht kommt", teilte das Außenministerium weiter mit.

Vor allem Studenten-Visa würden verstärkt überprüft, hieß es weiter. Das Außenministerium hatte am Montag mitgeteilt, dass es seit dem Amtsantritt von Minister Marco Rubio im Januar 6000 Studenten-Visa entzogen habe. Damit habe sich die Zahl der entzogenen Studenten-Visa im Vergleich zum Vorjahreszeitraum vervierfacht.

Rubio hatte zuvor ein hartes Vorgehen gegen Studierende aus China angekündigt. Er wendet sich zudem gegen Menschen, die gegen die israelische Regierung sowie deren Vorgehen im Gazastreifen protestieren und wirft ihnen Antisemitismus vor. In zwei aufsehenerregenden Fällen erlitt die US-Regierung allerdings Rückschläge vor Gericht. Im Juni sprach ein Richter den Studenten Mahmoud Khalil frei, der pro-palästinensische Proteste organisiert hatte. Im Mai war die türkische Studentin Rümeysa Öztürk vorläufig freigesprochen worden, die für eine Studierendenzeitung einen Israel-kritischen Beitrag geschrieben hatte.

Außenminister Rubio argumentiert, die US-Regierung könne Visa ohne jede gerichtliche Kontrolle entziehen. Er hat außerdem erklärt, Nicht-US-Bürgerinnen und -Bürgern stünde das in der Verfassung verankerte Recht auf freie Meinungsäußerung nicht zu.

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Venezuela: Oppositionspolitikerin Machado nach fast einem Jahr Exil heimgekehrt

Nach knapp einem Jahr im Exil ist die führende venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado überraschend in ihr Heimatland zurückgekehrt. Am Sonntag (Ortszeit) traf Machado unter dem Jubel ihrer Anhänger in der Hauptstadt Caracas ein, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Zuvor hatte sie im Onlinedienst X geschrieben: "Ich bin hier. Bei euch." Machados Rückkehr dürfte eine Herausforderung für die von den USA unterstützte Übergangsregierung von Delcy Rodríguez sein.

Merz bricht zu mehrtägiger Asienreise auf

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bricht am Montag zu einer mehrtägigen Asienreise auf. Bis Ende der Woche wird der Kanzler Singapur, Japan und Südkorea besuchen. Merz wird dabei von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Die Reise dient nach Regierungsangaben insbesondere der Vertiefung der sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den asiatischen Staaten. Am Dienstag wird Merz in Singapur unter anderem Premierminister Lawrence Wong treffen. Im Rahmen der sogenannten Singapore Lecture wird er in dem Stadtstaat eine Rede halten.

Lula gewinnt Präsidentenwahl in Brasilien - Bolsonaro will Ergebnis anfechten

Wahlkrimi in Brasilien: Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien hat sich der Linkspolitiker Luiz Inácio Lula da Silva knapp gegen seinen Herausforderer Flávio Bolsonaro durchgesetzt. Die Brasilianer hätten dafür gestimmt, "die Demokratie zu sichern", sagte Lula am Sonntag nach Bekanntgabe des offiziellen Wahlergebnisses. Während Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum Lula zu seinem Sieg gratulierte, kündigte Bolsonaro an, das Ergebnis juristisch anzufechten.

Parlamentswahl in Serbien: Studentenliste verdrängt langjährigen Staatschef Vucic

Serbiens Langzeit-Präsident Aleksandar Vucic steht nach 14 Jahren im Amt vor dem Aus: Nach der vorgezogenen Parlamentswahl in dem südosteuropäischen Land hat sich die aus einer studentischen Protestbewegung hervorgegangene Studentska Lista am Sonntag zur Siegerin über Vucics Serbische Fortschrittspartei (SNS) erklärt. "Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass die Studierenden in fast allen Wahllokalen überzeugend in Führung liegen", sagte Studentska Lista-Kandidat Radomir Saicic. Vucic hatte zuvor seine Niederlage eingeräumt. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Ungarns Regierungschef Peter Magyar gratulierten der Studentska Lista zu ihrem Sieg.

Textgröße ändern: