Deutsche Tageszeitung - Mord an Parubij: Ukrainische Polizei verfolgt nach Festnahme "russische Spur"

Mord an Parubij: Ukrainische Polizei verfolgt nach Festnahme "russische Spur"


Mord an Parubij: Ukrainische Polizei verfolgt nach Festnahme "russische Spur"
Mord an Parubij: Ukrainische Polizei verfolgt nach Festnahme "russische Spur" / Foto: © AFP/Archiv

Zwei Tage nach den tödlichen Schüssen auf den ehemaligen ukrainischen Parlamentspräsidenten Andrij Parubij haben die Behörden einen Fahndungserfolg verkündet. Ein Verdächtiger sei gefasst worden und habe bereits "eine erste Aussage" gemacht, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Montagfrüh in Online-Netzwerken. Die Polizei verfolge eine "russische Spur", erklärte der Chef der ukrainischen Polizei Iwan Wygiwskyj in Onlinemedien, ohne Details zu nennen.

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Parubij, eine der Leitfiguren der pro-europäischen Bewegungen in der Ukraine, war am Samstag in der westukrainischen Stadt Lwiw auf offener Straße erschossen worden. "Wir wissen, dass dies kein zufälliges Verbrechen war", erklärte Wygiwskyj weiter. Der Täter habe acht Mal auf Parubij gezielt und sich vor seiner Flucht vergewissert, "dass das Opfer wirklich tot war".

Innenminister Ihor Klymenko erklärte im Onlinedienst Telegram, an dem Einsatz zur Festnahme des Verdächtigen seien Dutzende Polizisten und andere Sicherheitskräfte beteiligt gewesen. Der Zugriff gelang demnach in der westlichen Region Chmelnytsky.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne er "nicht viele Details" dazu nennen, führte Klymenko aus. "Ich werde nur sagen, dass das Verbrechen sorgfältig vorbereitet wurde: Der Zeitablauf der Bewegungen des Verstorbenen wurde erforscht, die Route wurde festgelegt und ein Fluchtplan wurde entworfen."

Selenskyj erklärte, Klymenko und Sicherheitsbehörden-Chef Wasyl Malijuk hätten ihn über den Fahndungserfolg informiert. Nach Angaben von Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko habe der Verdächtige "eine erste Aussage" gemacht. Der Präsident dankte den Strafverfolgungsbehörden "für ihre schnelle und abgestimmte Arbeit" und führte aus, dass die Ermittlungen in dem Fall andauerten. "Derzeit laufen dringende Ermittlungsmaßnahmen, um alle Umstände dieses Mordes zu klären", erklärte Selenskyj.

Parubij war in Lwiw auf offener Straße erschossen worden. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft teilte dazu am Samstag mit, ein Mann habe "mehrere Schüsse" auf den 54-Jährigen abgefeuert und ihn "auf der Stelle" getötet. Die Behörde leitete eine Untersuchung wegen "vorsätzlichen Mordes" ein.

Bilder des mutmaßlichen Tatorts, die in ukrainischen Medien veröffentlicht worden waren, zeigten einen am Boden liegenden Mann mit blutüberströmtem Gesicht. Der Verdächtige sei als Lieferant gekleidet gewesen und habe ein Elektrofahrrad gefahren, meldete der ukrainische Sender Suspilne.

Bereits in einigen Würdigungen ukrainischer Politiker wurde der Verdacht geäußert, dass Russland an dem Mordanschlag beteiligt gewesen sei. Seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 haben beide Länder einander mehrfach die Ermordung von Politikern und ranghohen Militärvertretern vorgeworfen. Russische Staatsmedien berichteten, dass Parubij seit 2023 auf einer Fahndungsliste der Behörden in Russland stand.

Parubij war von 2016 bis 2019 Parlamentspräsident der Ukraine und diente zuvor einige Monate als Vorsitzender des Sicherheitsrats. Schon zu Sowjetzeiten hatte sich der studierte Historiker für die Unabhängigkeit der Ukraine eingesetzt. Er galt als eine der Leitfiguren bei den großen pro-europäischen Bewegungen der jüngeren ukrainischen Geschichte: der Maidan-Revolution von 2014 sowie der Orangefarbenen Revolution im Jahr 2004.

Parubij befehligte Verteidigungsgruppen während der Maidan-Proteste, die blutig niedergeschlagen wurden. Die pro-europäischen Proteste stürzten 2014 den vom Kreml unterstützten damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Im Jahr 2014 überlebte Parubij einen versuchten Mordanschlag mit einer Kampfgranate.

(O.Tatarinov--DTZ)

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