Deutsche Tageszeitung - Israelische Armee: Bewohner von Gaza sollen in "humanitäre Zone" im Süden gehen

Israelische Armee: Bewohner von Gaza sollen in "humanitäre Zone" im Süden gehen


Israelische Armee: Bewohner von Gaza sollen in "humanitäre Zone" im Süden gehen
Israelische Armee: Bewohner von Gaza sollen in "humanitäre Zone" im Süden gehen / Foto: © AFP

Im Vorfeld eines erwarteten Bodenangriffs auf die Stadt Gaza hat die israelische Armee die Bewohner am Samstag aufgerufen, sich in ein zur "humanitären Zone" erklärtes Gebiet im Süden des Gazastreifens zu begeben. "Ab sofort und mit dem Ziel, das Weggehen der Stadtbewohner zu erleichtern, erklären wir das Gebiet Al-Mawasi zur humanitären Zone", hieß es in einer in Onlinediensten veröffentlichten arabischsprachigen Nachricht "an die Bewohner der Stadt Gaza und alle, die sich dort aufhalten".

Textgröße ändern:

"Nutzen Sie die Möglichkeit, sich unverzüglich in die humanitäre Zone zu begeben und sich den tausenden Menschen anzuschließen, die schon dorthin gegangen sind", hieß es weiter. Nach Schätzungen der UNO halten sich in Gaza und Umgebung rund eine Million Menschen auf. Die Vereinten Nationen warnten vor einer "Katastrophe", sollte der Militäreinsatz auf die Stadt Gaza ausgeweitet werden.

Die islamistische Hamas hatte im August einem Vorschlag für eine befristete Waffenruhe zugestimmt, der eine schrittweise Freilassung einiger Geiseln vorsieht. Er war von den Vermittlern Ägypten, USA und Katar vorgelegt worden. Die israelische Regierung fordert aber unter anderem, dass die islamistische Palästinenserorganisation Hamas alle Geiseln freilässt, die Waffen niederlegt und die Kontrolle über die Sicherheit im Gazastreifen an Israel abgibt.

In einer weiteren, englischsprachigen Mitteilung erklärte die israelische Armee, dass das mit Blick auf eine "Ausweitung der Bodenoffensive auf Gaza zur humanitären Zone" erklärte Gebiet "grundlegende humanitäre Infrastruktur" umfasse. Dazu gehörten "Feldlazarette, Wasserleitungen und Entsalzungsanlagen sowie die kontinuierliche Versorgung mit Nahrungsmitteln, Zelten, Medikamenten und medizinischer Ausrüstung".

Der humanitäre Einsatz in der Zone werde zusammen mit der UNO und internationalen Organisationen "permanent fortgesetzt", parallel zur Ausweitung des Militäreinsatzes am Boden, hieß es.

Israel hatte Al-Mawasi zu Beginn des Krieges, der durch den Großangriff der Hamas auf Israel ausgelöst worden war, zur sicheren Zone erklärt. Ungeachtet dessen führte die Armee seitdem zahlreiche Luftangriffe in dem Gebiet aus mit der Begründung, sie ziele auf Hamas-Kämpfer, die sich zwischen den Zivilisten versteckten.

Dutzende Palästinenser, die AFP in den vergangenen Wochen in der Stadt Gaza interviewte, sagten, es gebe im Gazastreifen "keinen sicheren Platz". Viele erklärten, sie würden lieber sterben, als ein weiteres Mal vertrieben zu werden.

Die Hamas und ihre Verbündeten hatten am 7. Oktober 2023 mit ihrem Überfall auf Israel den Krieg ausgelöst. Bei dem Großangriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet. 251 Menschen wurden als Geiseln in den Küstenstreifen verschleppt. Noch immer werden 47 Menschen von der Hamas in dem Küstenstreifen festgehalten, mutmaßlich 25 davon sind nach israelischen Angaben tot.

Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden, die nicht unabhängig überprüft werden können, bislang mehr als 64.300 Menschen getötet.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Neue Proteste in Frankreich: Mehr als 130 Festnahmen und Einsatz von Tränengas

Eine Woche nach den gewaltsamen Ausschreitungen haben in Frankreich die ersten neuen Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten begonnen. Die Sicherheitskräfte nahmen bis zum frühen Samstagnachmittag mehr als 130 Menschen vorübergehend fest. Im südfranzösischen Lyon setzte die Polizei Tränengas ein, um etwa 150 Demonstranten auseinanderzutreiben, die trotz eines Verbots eine Straße blockieren wollten. Landesweit waren rund 70.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um befürchtete neue Gewalttaten und Plünderungen zu verhindern.

Tschechiens Parlament stimmt in erster Lesung für Abschaffung von Rundfunkgebühren

Ungeachtet von Protesten und Kritik der Opposition wegen Einschränkung der Pressefreiheit hat das tschechische Abgeordnetenhaus für die Einführung eines neuen Finanzierungssystems für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gestimmt. Der Gesetzentwurf, der von der rechtsgerichteten Koalition von Regierungschef Andrej Babis unterstützt wird, wurde am frühen Samstagmorgen im Schnellverfahren in erster Lesung abgesegnet.

Nach tödlichem Angriff: Israelische Armee startet Großoffensive in Hebron

Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Israel ist die israelische Armee am Samstag auf Anweisung von Regierungschef Benjamin Netanjahu in die Stadt Hebron im besetzten Westjordanland vorgedrungen. Es fänden "präzise, gezielte und gründliche Durchsuchungen" statt, teilte die israelische Armee mit. Die "Anti-Terror-Einsätze" würden "voraussichtlich mehrere Tage andauern". Palästinensische Behörden erklärten, rund 250 Familien seien vertrieben worden. Nach dem Tod von zwei Soldaten bei einem Angriff bewaffneter Palästinenser hatte Netanjahu eine "vollständige Abriegelung" des Palästinensergebiets angeordnet.

CSU-Parteitag: Merz äußert sich nicht zu Steinmeier-Nachfolge

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lässt die zunehmend offensive Debatte um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ohne eigene Festlegung laufen: Trotz demonstrativen Jubels des CSU-Parteitags für Ilse Aigner verzichtete Merz am Samstag in München auf deren Unterstützung. Der Kanzler beschwor vor den Christsozialen die Geschlossenheit von CDU und CSU innerhalb der Bundesregierung - und forderte, die geplanten Reformen schnell umzusetzen.

Textgröße ändern: