Deutsche Tageszeitung - Mindestens 63 Tote bei Dschihadisten-Angriff in Nigeria

Mindestens 63 Tote bei Dschihadisten-Angriff in Nigeria


Mindestens 63 Tote bei Dschihadisten-Angriff in Nigeria
Mindestens 63 Tote bei Dschihadisten-Angriff in Nigeria / Foto: © AFP/Archiv

Bei einem Angriff von Dschihadisten im Nordosten Nigerias sind nach Angaben des Gouverneurs des betroffenen Bundesstaates Borno mindestens 63 Menschen getötet worden. Unter den Toten seien auch fünf Soldaten, erklärte Gouverneur Babagana Zulum am Samstag vor Journalisten am Schauplatz des Angriffs. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen war die Dschihadistenmiliz Boko Haram für den Angriff am Freitagabend verantwortlich.

Textgröße ändern:

Wie Einwohner der Nachrichtenagentur AFP sagten, drangen die Angreifer am Freitag gegen 20.30 Uhr Ortszeit (21.30 Uhr MESZ) mit Motorrädern in die Stadt Darul Jamal ein, die an der Grenze zu Kamerun liegt und in der sich ein Militärstützpunkt befindet. Viele Menschen waren erst kürzlich in die Stadt zurückgekehrt, nachdem die Behörden ein Lager für Vertriebene geschlossen hatten.

Die Angreifer hätten mit Sturmgewehren wahllos auf Menschen geschossen und Häuser in Brand gesteckt, sagte der Einwohner Malam Bukar, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern aus der Stadt flüchtete, AFP. "Als wir im Morgengrauen zurückkamen, lagen überall Leichen." Die Regierung habe ihnen gesagt, dass sie hier sicher seien, beklagte Hajja Fati, eine Mutter von fünf Kindern, die ihren Bruder in dem Angriff verlor. "Jetzt begraben wir hier wieder unsere Angehörigen."

Erste Angaben über die Anzahl von Todesopfern hatten zwischen 55 und 64 gelegen. Die Armee gab zunächst keine offizielle Stellungnahme ab.

Für den Angriff wurde die Dschihadistenmiliz Boko Haram verantwortlich gemacht. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde der Angriff von dem Boko-Haram-Kommandeur Ali Ngulde angeführt, unter dessen Kontrolle das Gebiet im Bundesstaat Borno steht.

Die nigerianische Luftwaffe verkündete, sie habe 30 "Terroristen" getötet, die sich mit Soldaten in der Stadt Darul Jamal zuvor einen Schusswechsel geliefert hatten, wie örtliche Medien berichteten. Auf eine AFP-Anfrage reagierte die Luftwaffe zunächst nicht.

Der Angriff wirft Fragen auf über die Bestrebungen der nigerianischen Regierung in den vergangenen Jahren, Lager für Binnenflüchtlinge zu schließen und deren Bewohner in die ländlichen Gebiete zurückzuschicken. Bornos Gouverneur Zulum beklagte die Unterlegenheit der nigerianischen Streitkräfte in der Region: "Die zahlenmäßige Stärke der nigerianischen Armee reicht nicht aus, um die Lage unter Kontrolle zu bringen." Eine neu gegründete Truppe namens Forest Guards werde die Sicherheitskräfte in der Region unterstützen.

Boko Haram hatte ab 2009 zunächst in Nigeria Anschläge verübt und sich in den folgenden Jahren auch auf die Nachbarländer Kamerun, Niger und den Tschad ausgebreitet. 2016 spaltete sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat - Provinz Westafrika (Iswap) von Boko Haram ab. Beide Gruppierungen liefern sich seither einen blutigen Machtkampf und attackieren dabei auch Zivilisten.

Durch den Konflikt sind im Nordosten Nigerias nach Angaben der UNO seit 2009 schon mehr als 40.000 Menschen getötet und rund zwei Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

EVP-Chef Weber stellt Vetorecht in der EU infrage

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber hat das Einstimmigkeitsprinzip in der EU infrage gestellt. "In diesen geopolitisch turbulenten Zeiten brauchen wir zwingend ein handlungsfähiges Europa", sagte der Partei- und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). "Ein Europa, in dem die Langsamsten das Tempo bestimmen oder einzelne Staaten mit ihrem Veto alles blockieren können, wird zum Spielball von Trump, Putin und Xi Jinping."

Drei Vermisste und vier Verletzte nach Einschlag von iranischer Rakete in Haifa

Nach einem iranischen Raketeneinschlag in ein Wohnhaus in Israel werden mindestens drei Menschen vermisst. Das siebenstöckige Gebäude in der Stadt Haifa sei teilweise eingestürzt, Feuerwehrleute suchten in den Trümmern nach drei Vermissten, teilte die Feuerwehr am Sonntagabend mit. Zuvor waren vier Verletzte geborgen worden.

Elf Tote bei israelischen Angriffen auf mehrere Regionen des Libanon

Bei erneuten israelischen Angriffen auf die Region der libanesischen Hauptstadt Beirut und den Südlibanon sind libanesischen Angaben zufolge mindestens elf Menschen getötet worden. Ein Luftangriff habe das südliche Beiruter Viertel Dschnah getroffen, dabei seien vier Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden, meldete das Gesundheitsministerium am Sonntag. Zuvor waren bei Angriffen im Süden des Landes nach Angaben des Zivilschutzes bereits sieben Menschen getötet worden. Der israelische Armeechef Ejal Samir besuchte derweil Truppen im Südlibanon.

Trump verlängert Ultimatum für den Iran mutmaßlich bis Dienstag

US-Präsident Donald Trump hat sein dem Iran gesetztes Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus mutmaßlich um einen Tag verlängert. In seinem Onlinedienst Truth Social veröffentlichte Trump am Sonntag den schlichten Hinweis "Dienstag, 20.00 Uhr" (Ortszeit, Mittwoch 2.00 Uhr MESZ). Zuvor hatte Trump Teheran Montag als Frist genannt, bis zu der eine Einigung erzielt werden müsse. Andernfalls drohe eine massive Zerstörungswelle von Kraftwerken und Brücken im Iran.

Textgröße ändern: