Deutsche Tageszeitung - Zwei Monate nach Wahlschlappe: Japans Regierungschef Ishiba kündigt Rücktritt an

Zwei Monate nach Wahlschlappe: Japans Regierungschef Ishiba kündigt Rücktritt an


Zwei Monate nach Wahlschlappe: Japans Regierungschef Ishiba kündigt Rücktritt an
Zwei Monate nach Wahlschlappe: Japans Regierungschef Ishiba kündigt Rücktritt an / Foto: © AFP/Archiv

Nach nur knapp einem Jahr im Amt hat Japans Regierungschef Shigeru Ishiba seinen Rücktritt angekündigt. Er habe entschieden, als Vorsitzender der konservativen Liberaldemokratischen Partei (LDP) zurückzutreten, sagte Ishiba am Sonntag in Tokio. Da der Chef der Regierungspartei in Japan traditionell auch Ministerpräsident ist, machte er damit auch den Weg für einen neuen Regierungschef frei. Ishiba hatte seit der Niederlage der LDP bei der Oberhaus-Wahl im Juli massiv unter Druck gestanden.

Textgröße ändern:

Der 68-jährige Ishiba hatte das Amt des Regierungschefs erst im September vergangenen Jahres übernommen. Spekulationen über seinen möglichen Rücktritt gab es schon seit Wochen. Seine LDP hatte im Juli ihre Mehrheit im Oberhaus verloren. Im Unterhaus hat sie bereits seit dem vergangenen Oktober keine eigene Mehrheit mehr.

Gegner Ishibas hatten den Partei- und Regierungschef seit Wochen aufgefordert, die Verantwortung für das Debakel bei der Oberhaus-Wahl zu übernehmen. Nach Abschluss der Zollverhandlungen mit den USA sei nun der "richtige Zeitpunkt" für seinen Rücktritt gekommen, sagte Ishiba am Sonntag. "Ich habe beschlossen zurückzutreten und für die nächste Generation Platz zu machen."

US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag eine Verordnung zur Senkung der Zölle auf japanische Autos unterzeichnet und damit ein schon im Juli ausgehandeltes Handelsabkommen mit Japan umgesetzt. Japanische Autos werden bei der Einfuhr in die USA nun mit einem Zollsatz von 15 Prozent belegt - deutlich weniger als die zuvor angedrohten 27,5 Prozent. Für die japanische Autoindustrie mit Schwergewichten wie Toyota und Honda sind die Aufschläge trotzdem schmerzhaft.

Die LDP, die Japan seit 1955 fast ununterbrochen regiert, ist bereits durch einen Korruptionsskandal geschwächt, der Ishibas Vorgänger Fumio Kishida im vergangenen Jahr zum Rücktritt zwang. Zuletzt bekam sie auch zunehmend den Unmut in der Bevölkerung über die gestiegenen Lebenshaltungskosten etwa durch massive Preiserhöhungen beim Grundnahrungsmittel Reis zu spüren. Profitieren konnte davon vor allem die rechtspopulistische Partei Sanseito. Sie legte bei der Oberhaus-Wahl stark zu.

Abgeordnete der LDP und Regionalpolitiker aus ganz Japan machen sich seit der Wahlniederlage im Juli für eine Neuwahl der Parteispitze stark. Am Dienstag hatte etwa die LDP-Politikerin Sanae Takaichi, die als nationalistische Hardlinerin bekannt ist, eine Kampfkandidatur gegen Ishiba in Aussicht gestellt.

Japans Landwirtschaftsminister und ein ehemaliger Regierungschef sollen sich daraufhin am Samstagabend mit Ishiba getroffen haben, um ihn zu einem freiwilligen Rückzug zu bewegen. Vergangene Woche hatten bereits vier hochrangige Mitglieder der LDP, darunter Generalsekretär Hiroshi Moriyama, ihren Rücktritt angeboten.

(G.Khurtin--DTZ)

Empfohlen

EVP-Chef Weber stellt Vetorecht in der EU infrage

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber hat das Einstimmigkeitsprinzip in der EU infrage gestellt. "In diesen geopolitisch turbulenten Zeiten brauchen wir zwingend ein handlungsfähiges Europa", sagte der Partei- und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). "Ein Europa, in dem die Langsamsten das Tempo bestimmen oder einzelne Staaten mit ihrem Veto alles blockieren können, wird zum Spielball von Trump, Putin und Xi Jinping."

Drei Vermisste und vier Verletzte nach Einschlag von iranischer Rakete in Haifa

Nach einem iranischen Raketeneinschlag in ein Wohnhaus in Israel werden mindestens drei Menschen vermisst. Das siebenstöckige Gebäude in der Stadt Haifa sei teilweise eingestürzt, Feuerwehrleute suchten in den Trümmern nach drei Vermissten, teilte die Feuerwehr am Sonntagabend mit. Zuvor waren vier Verletzte geborgen worden.

Elf Tote bei israelischen Angriffen auf mehrere Regionen des Libanon

Bei erneuten israelischen Angriffen auf die Region der libanesischen Hauptstadt Beirut und den Südlibanon sind libanesischen Angaben zufolge mindestens elf Menschen getötet worden. Ein Luftangriff habe das südliche Beiruter Viertel Dschnah getroffen, dabei seien vier Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden, meldete das Gesundheitsministerium am Sonntag. Zuvor waren bei Angriffen im Süden des Landes nach Angaben des Zivilschutzes bereits sieben Menschen getötet worden. Der israelische Armeechef Ejal Samir besuchte derweil Truppen im Südlibanon.

Trump verlängert Ultimatum für den Iran mutmaßlich bis Dienstag

US-Präsident Donald Trump hat sein dem Iran gesetztes Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus mutmaßlich um einen Tag verlängert. In seinem Onlinedienst Truth Social veröffentlichte Trump am Sonntag den schlichten Hinweis "Dienstag, 20.00 Uhr" (Ortszeit, Mittwoch 2.00 Uhr MESZ). Zuvor hatte Trump Teheran Montag als Frist genannt, bis zu der eine Einigung erzielt werden müsse. Andernfalls drohe eine massive Zerstörungswelle von Kraftwerken und Brücken im Iran.

Textgröße ändern: