Deutsche Tageszeitung - Gesundheitsministerin Warken verteidigt Anpassungen bei Krankenhausreform

Gesundheitsministerin Warken verteidigt Anpassungen bei Krankenhausreform


Gesundheitsministerin Warken verteidigt Anpassungen bei Krankenhausreform
Gesundheitsministerin Warken verteidigt Anpassungen bei Krankenhausreform / Foto: © AFP/Archiv

Die Bundesregierung will die Krankenhausreform anpassen - und dabei vor allem den Ländern entgegenkommen. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verteidigte am Montag die geplanten Änderungen: Diese machten es möglich, "dass die Reform tatsächlich umgesetzt werden kann vor Ort", sagte sie in der ARD. Mit einem Gesetzentwurf dazu soll sich das Kabinett am Mittwoch befassen. Kritik an den Änderungen kam bereits von den Grünen und den gesetzlichen Krankenkassen.

Textgröße ändern:

Die von Warkens Amtsvorgänger Karl Lauterbach (SPD) angestoßene Reform war vergangenes Jahr beschlossen worden, um die deutsche Krankenhauslandschaft finanziell zukunftsfest zu machen. Sie sieht unter anderem eine stärkere Spezialisierung der Kliniken und in Teilen eine Abkehr von der Finanzierung über Fallpauschalen vor. Mit der Reform sollen die Behandlungsqualität verbessert und ein unkontrolliertes Kliniksterben wegen finanzieller Probleme verhindert werden.

Warken hatte bereits bei Amtsübernahme im Mai betont, die Reform "verbessern" zu wollen - auch mithilfe der Bundesländer. Denn diese hatten bei Ausarbeitung der Reform bemängelt, nicht genug eingebunden zu sein.

Die Reform sei in der bisherigen Form "nicht praxistauglich" gewesen, sagte die Ministerin dazu am Montag. Auch mit den geplanten Änderungen werde allerdings auf eine Verbesserung der Qualität und eine Bündelung von Leistungen gesetzt. Spezialisierte Eingriffe solle es in speziell vorgesehenen Kliniken geben. "Für schwierigere Eingriffe kann man auch ein paar Kilometer mehr fahren", ergänzte die Ministerin. Die Grund- und Regelversorgung vor Ort solle allerdings sichergestellt werden.

Über den Gesetzentwurf zur Anpassung der Krankenhausreform soll laut Warken am Mittwoch das Bundeskabinett befinden. Der Anfang August vorgelegte Entwurf sieht eine Reihe von Änderungen vor. So soll es unter anderem für die Länder mehr Zeit bei der Umsetzung der Reform und insbesondere für Kliniken auf dem Land mehr Ausnahmemöglichkeiten geben.

"Die einen sagen, die Reform wird verwässert, den anderen geht's nicht weit genug", sagte Warken zu den Änderungen. Die Länder erhielten dadurch jedoch mehr Zeit für die Umsetzung, betonte sie.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen kritisierte die Pläne der Ministerin scharf. "Dieses Gesetz ist letztlich der Abrissbagger der Krankenhausreform und kein Fortschritt, sondern Rückschritt", sagte Dahmen ebenfalls in der ARD. Die Situation kleiner Grund- und Notfallkrankenhäuser auf dem Land werde sich durch das Gesetz weiter verschlechtern.

Warkens Vorhaben sehe vor, "dass durch sehr umfangreiche Ausnahmeregelungen in Deutschland ein Flickenteppich entstehen wird", bemängelte Dahmen. Der Gesundheitspolitiker befürchtet deshalb weiter steigende Kosten für die Krankenhausausgaben und eine gleichzeitig sinkende Qualität: "Wir bekommen schlechtere Qualität zu höheren Kosten."

Kritik äußerte auch der GKV-Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. "Wir fordern die Politik auf, zum ursprünglichen Ziel der Reform zurückzukehren und die verbindlichen Qualitätsstandards zu stärken, um die Patientensicherheit in ganz Deutschland zu gewährleisten", sagte die stellvertretende Vorsitzende des Verbands, Stefanie Stoff-Ahnis, der Nachrichtenagentur AFP. So müsse die Spezialisierung von Krankenhäusern gefördert und zugleich eine gute Grundversorgung flächendeckend gesichert werden.

Stoff-Ahnis äußerte zugleich Kritik an den Bundesländern. Diese "berufen sich auf ihre Planungskompetenz, zahlen aber seit über 50 Jahren nicht einmal ihre gesetzlich vorgesehenen Investitionen für ihre Krankenhäuser", bemängelte sie.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Eindringen von Drohne in Nordkorea: Seoul bestätigt Beteiligung von Regierungsbeamten

Nach dem Eindringen einer Drohne in Nordkorea Anfang des Jahres hat Südkoreas Präsident Lee Jae Myung die Beteiligung von Regierungsbeamten an dem Vorfall bestätigt. "Es wurde bestätigt, dass ein Beamter des Nationalen Nachrichtendienstes und ein aktiver Soldat beteiligt waren", sagte Lee am Montag in einer Kabinettssitzung. Bislang hatte Seoul betont, es habe sich um eine Tat von Zivilisten gehandelt.

EVP-Chef Weber stellt Vetorecht in der EU infrage

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber hat das Einstimmigkeitsprinzip in der EU infrage gestellt. "In diesen geopolitisch turbulenten Zeiten brauchen wir zwingend ein handlungsfähiges Europa", sagte der Partei- und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgaben). "Ein Europa, in dem die Langsamsten das Tempo bestimmen oder einzelne Staaten mit ihrem Veto alles blockieren können, wird zum Spielball von Trump, Putin und Xi Jinping."

Drei Vermisste und vier Verletzte nach Einschlag von iranischer Rakete in Haifa

Nach einem iranischen Raketeneinschlag in ein Wohnhaus in Israel werden mindestens drei Menschen vermisst. Das siebenstöckige Gebäude in der Stadt Haifa sei teilweise eingestürzt, Feuerwehrleute suchten in den Trümmern nach drei Vermissten, teilte die Feuerwehr am Sonntagabend mit. Zuvor waren vier Verletzte geborgen worden.

Elf Tote bei israelischen Angriffen auf mehrere Regionen des Libanon

Bei erneuten israelischen Angriffen auf die Region der libanesischen Hauptstadt Beirut und den Südlibanon sind libanesischen Angaben zufolge mindestens elf Menschen getötet worden. Ein Luftangriff habe das südliche Beiruter Viertel Dschnah getroffen, dabei seien vier Menschen getötet und 39 weitere verletzt worden, meldete das Gesundheitsministerium am Sonntag. Zuvor waren bei Angriffen im Süden des Landes nach Angaben des Zivilschutzes bereits sieben Menschen getötet worden. Der israelische Armeechef Ejal Samir besuchte derweil Truppen im Südlibanon.

Textgröße ändern: