Deutsche Tageszeitung - Internationale Kritik nach israelischem Luftangriff auf Hamas-Anführer in Katar

Internationale Kritik nach israelischem Luftangriff auf Hamas-Anführer in Katar


Internationale Kritik nach israelischem Luftangriff auf Hamas-Anführer in Katar
Internationale Kritik nach israelischem Luftangriff auf Hamas-Anführer in Katar / Foto: © AFP

Israels Angriff auf Hamas-Anführer in Katar hat bei Gegnern und Verbündeten für Kritik gesorgt. Zwar sei die Auslöschung der Hamas ein "lohnendes Ziel", ein Luftangriff in der katarischen Hauptstadt Doha fördere jedoch "weder die Ziele Israels noch Amerikas", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, am Dienstag vor Journalisten. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) nannte Israels Angriff "inakzeptabel".

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Die israelische Armee hatte am Dienstag "einen präzisen Schlag gegen die Führungsspitze der Terrororganisation Hamas" in Doha gemeldet. Das katarische Außenministerium verurteilte daraufhin israelische Angriffe auf Wohngebäude von Mitgliedern des Hamas-Politbüros in Doha.

Der Hamas zufolge wurden bei dem Angriff insgesamt sechs Menschen getötet. Die Führungsebene der islamistischen Palästinenserorganisation habe den "feigen Mordversuch" Israels jedoch überlebt, sagte ein Hamas-Vertreter dem katarischen Fernsehsender Al-Dschasira.

Es war der erste israelische Angriff in dem Golfstaat. Laut dem Büro von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu handelte es sich bei dem Angriff um einen "völlig unabhängigen" Einsatz der israelischen Armee.

US-Präsident Donald Trump sehe Katar "als starken Verbündeten und Freund der Vereinigten Staaten" und sei "äußerst betrübt über den Ort des Angriffs", sagte Leavitt. Trump habe nach dem Vorfall mit dem Emir von Katar sowie dem Regierungschef des Golfstaats telefoniert. "Er hat ihnen versichert, dass sich so etwas auf ihrem Boden nicht noch einmal wiederholt", betonte die Sprecherin.

Sie sagte zudem, der Präsident habe seinen Sondergesandten Steve Witkoff angewiesen, Katar über den israelischen Angriff zu informieren, als dieser noch bevorstand, was Witkoff getan habe. Doha bestritt dies. "Der Anruf eines amerikanischen Regierungsvertreters kam, als die Explosionen der israelischen Attacke in Doha bereits zu hören waren", schrieb der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madsched al-Ansari, im Onlinedienst X.

Al-Ansari hatte zuvor von einem "feigen israelischen Angriff" gesprochen und das Vorgehen "aufs Schärfste" verurteilt. Das katarische Innenministerium meldete einen Toten und mehrere Verletzte aus den Reihen der katarischen Sicherheitskräfte.

Weitere arabische Staaten, darunter Saudi-Arabien, Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emiraten hatten den Angriff als Völkerrechtsverletzung und Angriff auf die Souveränität Katars kritisiert und ihre Solidarität mit Doha erklärt. Auch UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einer "eklatanten Verletzung" der Souveränität Katars.

Aus Europa kam ebenfalls scharfe Kritik. "Der Angriff Israels in Doha verletzt nicht nur die territoriale Souveränität Katars, sondern gefährdet auch unser aller Bemühungen zur Freilassung der Geiseln", erklärte Wadephul am Dienstagabend in Berlin. Bei einem Telefonat mit seinem israelischen Amtskollegen Gideon Saar habe er gesagt, er sei "in größter Sorge über das Leben und die Sicherheit der Geiseln in den Händen der Hamas, darunter auch deutsche Staatsangehörige". Wadephul rief nach eigenen Angaben auch den katarischen Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani an.

Die EU-Kommission erklärte, der Angriff verstoße gegen das Völkerrecht. "Jede Eskalation des Gaza-Krieges muss verhindert werden, da niemand ein Interesse daran hat", sagte ein Sprecher.

Die Angriffe vom Dienstag seien "inakzeptabel, unabhängig vom Grund", schrieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Onlinedienst X. "Der Krieg darf sich in keinem Fall in der Region ausbreiten", betonte er.

Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte den Angriff ebenfalls. "Priorität müssen ein sofortiger Waffenstillstand, die Freilassung der Geiseln und eine massive Aufstockung der Hilfsleistungen für den Gazastreifen sein", forderte er bei X.

Netanjahu sagte daraufhin in einer Rede in der US-Botschaft in Jerusalem: "Ein Großteil der Welt, darunter auch ein Großteil der demokratischen Welt, oder zumindest die Regierungen, haben den 7. Oktober auf schändliche Weise vergessen."

Zuvor hatte er in einer gemeinsamen Erklärung mit Verteidigungsminister Israel Katz erklärt, der Angriff in Doha sei eine direkte Antwort auf das vom bewaffneten Arm der Hamas beanspruchte Attentat mit sechs Toten an einer Bushaltestelle in Jerusalem vom Vortag.

Zum weiteren Verlauf des Kriegs im Gazastreifen sagte Netanjahu, dieser könne "sofort" beendet werden, wenn die Hamas dem US-Vorschlag für eine Waffenruhe zustimme. Er forderte erneut die "sofortige Freilassung" aller im Gazastreifen verbliebenen israelischen Geiseln.

Das Forum der Geiselfamilien in Israel erklärte, die Angehörigen der noch im Gazastreifen verbliebenen Geiseln seien angesichts der Angriffe in Doha "sehr besorgt". Sie fürchteten, dass die Gefangenen den Preis für den Einsatz zahlen müssten.

Die Hamas und mit ihr verbündete Gruppen hatten den Gaza-Krieg mit ihrem brutalen Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst. Israel greift seither massiv militärisch im Gazastreifen an.

(V.Korablyov--DTZ)

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