Deutsche Tageszeitung - Israelische Offensive in Gaza: Neue Fluchtroute für zwei Tage geöffnet

Israelische Offensive in Gaza: Neue Fluchtroute für zwei Tage geöffnet


Israelische Offensive in Gaza: Neue Fluchtroute für zwei Tage geöffnet
Israelische Offensive in Gaza: Neue Fluchtroute für zwei Tage geöffnet / Foto: © AFP

Nach dem Beginn ihrer Großoffensive in der Stadt Gaza hat die israelische Armee am Mittwoch für zwei Tage eine neue Evakuierungsroute für Flüchtende geöffnet. Die Fluchtroute "entlang der Straße Salah al-Din und südlich vom Wadi Gaza" war ab Mittag offen, wie Armeesprecher Avichay Adraee im Onlinedienst X mitteilte. Sie werde aber "nur für 48 Stunden" offen bleiben und am Freitag um 12.00 Uhr (Ortszeit, 11.00 Uhr MESZ) wieder geschlossen. Nach Armeeangaben flohen seit Beginn der Offensive in der Nacht zum Dienstag bereits "mehr als 350.000 Menschen" aus der Stadt, die laut UN-Schätzungen im August noch rund eine Million Einwohner zählte.

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Die als Fluchtroute freigegebene Straße Salah al-Din verläuft von Norden nach Süden durch das Zentrum des Gazastreifens. Zuvor waren die Bewohner von Gaza von der israelischen Armee aufgefordert worden, das Stadtgebiet über die Küstenstraße nach Süden in Richtung einer "humanitären Zone" zu verlassen.

Seit Beginn der Großoffensive wurden laut Armee "mehr als 150 terroristische Ziele" in Gaza durch die Luftwaffe und durch Artillerieeinheiten getroffen. Armeesprecher Effie Defrin sagte, die Offensive werde so lange fortgesetzt, "bis die Kriegsziele erreicht" seien. Es werde mutmaßlich "mehrere Monate dauern, bis wir die Kontrolle über die Stadt übernommen haben". Danach werde es "weitere Monate dauern, bis wir die Stadt gesäubert haben", sagte Defrin.

Die israelische Armee hatte die Offensive und den Einsatz von Bodentruppen in Gaza in der Nacht zum Dienstag begonnen. Armeechef Ejal Samir hatte gesagt, es komme eine Kombination aus "Bodentruppen, Präzisionsschlägen und hochwertigen Geheimdienstinformationen" zum Einsatz. Ziel sei es, die Angriffe auf die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas zu verstärken, "bis sie endgültig besiegt ist". Die Armee gehe davon aus, dass "2000 bis 3000" Hamas-Kämpfer in dem Gebiet aktiv sind.

Die Hamas bezeichnete die Offensive als "systematische ethnische Säuberung, die auf unser Volk in Gaza zielt". Der von ihr kontrollierte Zivilschutz meldete, durch israelische Luftangriffe seien allein in der Nacht zum Mittwoch mindestens zwölf weitere Menschen getötet. Am Vortag hatte der Zivilschutz bereits 46 Tote durch israelischen Beschuss gemeldet.

Der Beginn der israelischen Offensive löste international scharfe Kritik aus, auch von der Bundesregierung. Der Militäreinsatz Israels führe "lediglich zu mehr Toten, Verletzten und Vertriebenen", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. Ein "sofortiger Waffenstillstand" sei nötig, auch die humanitäre Hilfe für die Menschen im Gazastreifen müsse deutlich erhöht werden.

Papst Leo XIV. bekundete seine "tiefe Solidarität mit dem palästinensischen Volk in Gaza". Die Menschen müssten "weiterhin in Angst und unter unzumutbaren Bedingungen überleben", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Der Papst rief zu einer umgehenden Waffenruhe auf und forderte zugleich von der Hamas die Freilassung der verbliebenen israelischen Geiseln.

Angesichts der katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen stellte die EU-Kommission am Mittwoch einen Sanktionskatalog vor, um den Druck auf die israelische Regierung zu erhöhen. Das Sanktionspaket beinhaltet eine Teil-Aussetzung des Assoziierungsabkommen der EU mit Israel sowie Sanktionen gegen zwei rechtsextreme israelische Minister, extremistische israelische Siedler sowie gegen Mitglieder der Hamas. Allerdings dürfte der Vorstoß die dafür nötige Mehrheit unter den EU-Staaten verfehlen.

Die Hamas und ihre Verbündeten hatten Israel am 7. Oktober 2023 überfallen und damit den Gaza-Krieg ausgelöst. Bei dem Großangriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet, 251 weitere wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 47 Menschen von der Hamas festgehalten, 25 von ihnen sind nach israelischen Angaben bereits tot. Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 64.960 Menschen getötet.

(V.Sørensen--DTZ)

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