Deutsche Tageszeitung - Nach Geiselrückkehr und Waffenruhe: Hamas bemüht sich um Kontrolle im Gazastreifen

Nach Geiselrückkehr und Waffenruhe: Hamas bemüht sich um Kontrolle im Gazastreifen


Nach Geiselrückkehr und Waffenruhe: Hamas bemüht sich um Kontrolle im Gazastreifen
Nach Geiselrückkehr und Waffenruhe: Hamas bemüht sich um Kontrolle im Gazastreifen / Foto: © AFP

Nach der Rückkehr der letzten Geiseln aus dem Gazastreifen nach Israel versucht die Hamas, mit ihren Kämpfern die Kontrolle über Teile des Palästinensergebiets wiederzuerlangen. Bewaffnete Mitglieder der islamistischen Miliz mit schwarzen Gesichtsmasken patrouillierten am Dienstag durch die Straßen der Stadt Gaza, wie AFP-Reporter berichteten. Unterdessen gab es bei der Übergabe der Leichen von insgesamt 28 verstorbenen Geiseln zur Empörung der Angehörigen keine weiteren Fortschritte.

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Nach Berichten von Augenzeugen ging eine Einheit der Hamas-Sicherheitskräfte militärisch gegen bewaffnete Clans und Gangs im Gazastreifen vor. Ein Augenzeuge namens Jahja berichtete AFP über anhaltende "intensive Gefechte", die das Ziel hätten, "Kollaborateure zu eliminieren".

Ein weiterer Bewohner namens Mohammed sprach von "stundenlangen heftigen Zusammenstößen zwischen den Sicherheitskräften der Hamas und Mitgliedern des Hilles-Clans" in einem Viertel von Gaza, das nahe an der sogenannten gelben Linie liegt, hinter die sich die israelische Armee im Zuge des Waffenruhe-Abkommens mit der Hamas zurückgezogen hatte.

Aus palästinensischen Sicherheitskreisen hieß es, die von der Hamas kürzlich eingerichtete "Abschreckungseinheit" sei "zur Gewährleistung von Sicherheit und Stabilität" im Einsatz. Ziel sei es, gegen "Gesetzlose oder diejenigen, die die Sicherheit der Bürger bedrohen", vorzugehen.

Bereits am Montag hatte die Hamas die Rückkehr der von Israel freigelassenen Häftlinge in den Gazastreifen für eine Machtdemonstration genutzt, als Kämpfer der Al-Kassam-Brigaden, ihres bewaffneten Arms, die Menschenmengen bei der Ankunft der Freigelassenen zurückhielten.

Der von US-Präsident Donald Trump vorangetriebene und von zahlreichen Staaten unterstützte 20-Punkte-Plan zur Beendigung des Gaza-Krieges sieht vor, dass die Hamas keinerlei Rolle in der künftigen Regierung des Gazastreifens übernimmt.

Die Hamas warf der israelischen Armee unterdessen einen Bruch der Waffenruhe vor. Die Armee erklärte ihrerseits, als sich nicht näher identifizierte Palästinenser der gelben Linie genähert hätten, hätten die Soldaten zunächst versucht, die Menschen fernzuhalten. Als diese sich weiter genähert hätten, hätten sie schließlich das Feuer eröffnet.

Die UNO und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) forderten unterdessen, alle Grenzübergänge in den Gazastreifen wieder in Betrieb zu nehmen. Ein Sprecher des UN-Büros für humanitäre Fragen (Ocha) erklärte, nicht alle Übergänge seien derzeit "funktionsfähig", mehrere seien "teilweise zerstört". Zudem sei es innerhalb des Gazastreifens nötig, die Straßen von Trümmern zu befreien und den Zugang von Lastwagen mit Lebensmitteln, Medikamenten, Treibstoff, Wasser und weiteren lebensnotwendigen Gütern zu ermöglichen.

Am Dienstag wurden zunächst keine weiteren sterblichen Überreste im Gazastreifen verstorbener Geiseln übergeben. "Wir werden nicht ruhen, bis alle 24 Geiseln nach Hause gebracht worden sind", erklärte das israelische Forum der Geisel-Angehörigen mit Blick auf die Menschen, deren Leichen sich weiterhin in dem Palästinensergebiet befanden.

Zuvor hatte die israelische Armee mitgeteilt, dass die ersten vier am Montag übergebenen Leichen nunmehr identifiziert worden seien. Insgesamt sollen im Zuge des Waffenruhe-Abkommens die Leichen von 27 beim Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 verschleppten Geiseln sowie die Leiche eines bereits 2014 getöteten israelischen Soldaten an Israel übergeben werden. Unter den Verstorbenen sind vermutlich auch drei Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft.

Am Montag waren die letzten 20 überlebenden Geiseln von der Hamas an das Rote Kreuz übergeben und nach Israel gebracht worden. Wenig später ließ Israel knapp 2000 palästinensische Häftlinge frei.

Zwei Jahre nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem Beginn des dadurch ausgelösten Krieges im Gazastreifen war am vergangenen Freitag eine Waffenruhe in Kraft getreten. Israel und die Hamas hatten zuvor der ersten Phase eines von US-Präsident Trump vorgelegten Friedensplans zugestimmt.

Nach israelischen Angaben wurden bei dem Hamas-Überfall mehr als 1200 Menschen getötet. 251 Menschen wurden in den Gazastreifen verschleppt. In den zwei sich anschließenden Kriegsjahren wurden nach nicht unabhängig überprüfbaren Angaben der Hamas-Behörden im Gazastreifen mehr als 67.100 Menschen getötet.

(S.A.Dudajev--DTZ)

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