Deutsche Tageszeitung - Erste Frau an der Spitze der japanischen Regierung: Takaichi zur Ministerpräsidentin ernannt

Erste Frau an der Spitze der japanischen Regierung: Takaichi zur Ministerpräsidentin ernannt


Erste Frau an der Spitze der japanischen Regierung: Takaichi zur Ministerpräsidentin ernannt
Erste Frau an der Spitze der japanischen Regierung: Takaichi zur Ministerpräsidentin ernannt / Foto: © AFP

Erstmals steht eine Frau an der Spitze der japanischen Regierung: Das Unterhaus des japanischen Parlaments hat die Parteichefin der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP), Sanae Takaichi, am Dienstag zur ersten Ministerpräsidentin des Landes ernannt. Die 64-jährige Politikerin erhielt bereits in der ersten Wahlrunde die Mehrheit der Stimmen. Nach einem Treffen mit dem japanischen Kaiser Naruhito im Laufe des Tages wird sie ihr Amt offiziell antreten.

Textgröße ändern:

Nach der erfolgreichen Wahl im Unterhaus verbeugte sich Takaichi mehrmals mit ernster Miene vor den Abgeordneten. Das Oberhaus stimmte in einer Stichwahl ebenfalls für die Politikerin.

Takaichi und der Vorsitzende der rechtsgerichteten Oppositionspartei JIP, Hirofumi Yoshimura, hatten am Montag einen Koalitionsvertrag unterzeichnet und machten damit den Weg frei für ihre Wahl zur Regierungschefin durch das Parlament. Takaichi wird die erste Frau an der Spitze der Regierung in der Geschichte Japans sein.

Als fünfte Ministerpräsidentin innerhalb von fünf Jahren wird Takaichi eine Minderheitsregierung führen. Die LDP ist zwar nach wie vor stärkste Kraft im japanischen Parlament, sie regiert Japan seit Jahrzehnten fast ununterbrochen. Allerdings verliert die Partei zunehmend an Rückhalt - zur Bildung einer Regierungsmehrheit ist sie daher auf andere Parteien angewiesen.

Die als nationalistische Hardlinerin geltende Takaichi war Anfang des Monats zur Parteivorsitzenden der regierenden LDP gewählt worden. Ihr Vorhaben, Regierungschefin zu werden, war jedoch zunächst am Zusammenbruch der bis dahin amtierenden Regierungskoalition gescheitert. Die Komeito-Partei hatte nach 26 Jahren die Koalition mit der LPD verlassen und damit eine innenpolitische Krise ausgelöst. Durch das Bündnis mit der JIP konnte Takaichi nun diese Krise überwinden.

Als neue Regierungschefin stehen Takaichi an der Spitze einer Minderheitsregierung einige Herausforderungen bevor, nicht zuletzt ein für kommende Woche geplanter Besuch von US-Präsident Donald Trump. Sie werde die japanische Wirtschaft stärken und "Japan zu einem Land umgestalten, das Verantwortung für künftige Generationen übernehmen kann", erklärte Takaichi am Vortag der Wahl.

Die ehemalige Ministerin für wirtschaftliche Sicherheit trat wiederholt als lautstarke Kritikerin Chinas und dessen militärischer Aufrüstung im asiatisch-pazifischen Raum auf und priorisierte Themen wie Wirtschaft und Verteidigung. Takaichi vertritt eine harte Haltung gegenüber Einwanderung und ausländischen Touristen – beides Themen, die im Wahlkampf um den Vorsitz der LDP eine zentrale Rolle spielten.

Zudem versprach die Politikerin eine Erhöhung des Frauenanteils im Kabinett auf "nordisches Niveau". Unter ihrem Vorgänger, dem scheidenden Ministerpräsident Shigeru Ishiba, saßen lediglich zwei Frauen im Kabinett.

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

Chamenei kündigt Rache für Tötung seines Vaters an - Trump droht Iran mit Vernichtung

Trotz weiter geplanter Gespräche rücken Washington und Teheran nicht von ihrem Konfrontationskurs ab. Irans oberster Führer Modschtaba Chamenei kündigte am Samstag "Rache" an für die Tötung seines Vaters Ali Chamenei bei den US-israelischen Angriffen Ende Februar. US-Präsident Donald Trump drohte seinerseits dem Iran für den Fall eines auf ihn verübten Mordanschlags mit der "vollständigen" Vernichtung. Washington setzte Teheran zudem laut Berichten ein Ultimatum für die Öffnung der Straße von Hormus.

Verletzte bei russischen Angriffen auf Kiew - Selenskyj fordert rasche Patriot-Lizenz

Russland hat seine Raketen- und Drohnenangriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew fortgesetzt - dabei wurden nach offiziellen Angaben am Samstag mindestens elf Menschen verletzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Armee habe "die meisten" Flugkörper abgeschossen, "aber nicht die ballistischen". Er appellierte an die USA, die zugesagte Lizenz zur Herstellung von Patriot-Luftabwehrsystemen rasch zu erteilen. In den USA zeichnen sich derweil verschärfte Russland-Sanktionen ab.

Irans oberster Führer droht mit Rache für Tötung seines Vaters

Irans oberster Führer Modschtaba Chamenei hat Vergeltung angekündigt für die Tötung seines Vaters Ali Chamenei bei den US-israelischen Angriffen Ende Februar. "Diese Rache ist der Wille unserer Nation und muss unweigerlich vollzogen werden", schrieb er in einem am Samstag veröffentlichten Brief.

Grüne pochen auf Festhalten an Treibhausgasneutralität bis 2045

Die Grünen pochen darauf, an dem gesetzlich festgelegten Ziel festzuhalten, bis 2045 Treibhausgasneutralität in Deutschland zu erreichen. "Das verbindliche Klimaziel 2045 gibt Planungs- und Zukunftssicherheit", sagte Bundestags-Fraktionsvize Julia Verlinden am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Hintergrund sind Forderungen von Wirtschaftsvertretern sowie der Gewerkschaft IGBCE, die Klimaschutzvorgabe aufzuschieben.

Textgröße ändern: