Deutsche Tageszeitung - Studie: Europa könnte in Kriegsfall Schwierigkeiten bei Mobilisierung haben

Studie: Europa könnte in Kriegsfall Schwierigkeiten bei Mobilisierung haben


Studie: Europa könnte in Kriegsfall Schwierigkeiten bei Mobilisierung haben
Studie: Europa könnte in Kriegsfall Schwierigkeiten bei Mobilisierung haben / Foto: © AFP

Im Falle eines Krieges mit Russland könnte Europa einem Bericht des Französischen Instituts für Internationale Beziehungen (Ifri) zufolge derzeit Schwierigkeiten bei der Mobilisierung von Truppen und der Produktion von Waffen haben. Zur Begründung hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Papier unter anderem, derzeit verfügten 20 von 30 europäischen EU- oder Nato-Mitgliedstaaten über eine professionelle Armee mit weniger als 15.000 Soldaten. Europa habe aber das "Potenzial", bis 2030 militärisch zu Russland aufzuschließen.

Textgröße ändern:

Zur derzeitigen Lage hieß es in dem Bericht mit dem Titel "Europa-Russland: Beurteilung des Kräfteverhältnisses" weiter: "Abgesehen von einigen Frontstaaten, die Reservisten und Nationalgarden auf ihrem Territorium mobilisieren könnten, wären die anderen nicht in der Lage, mehr als ein paar Bataillone bereitzustellen." "Vielleicht sechs Länder", darunter Frankreich, Großbritannien und Deutschland, müssten nach derzeitigem Stand die Bereitstellung großer militärischer Formationen schultern.

Es gebe Gründe, an der "politischen, strategischen und einsatzfähigen Verfügbarkeit einer Anzahl von europäischen Truppen" im Kriegsfall zu zweifeln.

Europa müsse angesichts dieser Lage politischen Willen und "eine einheitliche Verteidigungswirtschaftsstrategie" an den Tag legen, um sich innerhalb der kommenden fünf Jahre auf eine mögliche Konfrontation mit Russland vorzubereiten. Ein möglicher Krieg mit Russland sei für Europa eine "langfristige Bedrohung", schrieben die Ifri-Studienautoren weiter.

Zudem sei es den europäischen Staaten bislang nicht gelungen, erhöhte Verteidigungsausgaben in einen "spürbaren industriellen Aufschwung" umzumünzen, erklärte das Ifri. So seien etwa die Herstellungszahlen von Lenkflugkörpern "weitaus geringer als das, was eine militärische Konfrontation mit Russland erfordern würde."

Der Leiter des Ifri, Thomas Gomart, betonte die Notwendigkeit, "unsere Stärken und Schwächen zu identifizieren". Europa verfüge über "entscheidende militärische Lücken", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die europäischen Länder hätten jedoch das notwendige Potenzial, "sprich die wirtschaftlichen Ressourcen, die militärischen Fähigkeiten und das technologische Know-how", um sich im Jahr 2030 Russland entgegenzustellen, sofern sie "politischen Willen beweisen", sagte Gomart.

Europas Sicherheit fußt dem Ifri-Bericht zufolge derzeit auf zwei Grundpfeilern: Das militärische Engagement der USA innerhalb der Nato und der Erfolg der Ukraine auf dem Schlachtfeld. Sollte einer der beiden Faktoren nicht mehr gelten, würde die Wahrscheinlichkeit einer direkten militärischen Konfrontation mit Russland "erheblich steigen", hieß es in dem Bericht. Europas Sicherheit hänge mittlerweile genauso stark von der Ukraine ab wie umgekehrt.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Mehrheit der US-Bürger spricht sich gegen Liveübertragung einer Hinrichtung aus

Eine Mehrheit der US-Bürger lehnt die geplante Liveübertragung der Hinrichtung des verurteilten Attentäters Nidal Hasan ab. Das Vorhaben stößt bei 91 Prozent der befragten Anhänger der Demokratischen Partei und 64 Prozent der Anhänger der Republikaner auf Ablehnung, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Ipsos-Umfrage für die "Washington Post" und den Sender ABC News hervorgeht. Lediglich unter den männlichen Anhängern des Maga-Lagers von US-Präsident Donald Trump sprach sich mehr als die Hälfte (57 Prozent) für die Übertragung aus.

Parlament in Schweden verweigert Wahlsiegerin Andersson Amt der Regierungschefin

Der politische Stillstand in Schweden dauert auch einen Monat nach der Parlamentswahl weiter an: Die Abgeordneten verweigerten der sozialdemokratischen Wahlsiegerin Magdalena Andersson am Donnerstag das Amt der Regierungschefin. Für Andersson stimmten lediglich 99 Parlamentarier, gegen sie 248. Das Votum gegen die 59-Jährige war erwartet worden, weil sie am Dienstag eingestanden hatte, dass Verhandlungen mit den anderen Parteien ihres angestrebten Mitte-Links-Blocks über eine Regierungsbildung gescheitert waren.

Putin-Gegner Chodorkowski: Kein rasches Ende des Ukraine-Kriegs in Sicht

Ein rasches Ende des russischen Angriffskrieges in der Ukraine ist nach Ansicht des Kreml-Gegners Michail Chodorkowski nicht in Sicht. Die Unterstützung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin im eigenen Land sei vorerst noch "groß genug", sagte der 63-jährige Chodorkowski am Donnerstag vor Journalisten in Berlin. Umso wichtiger sei es, dass die Unterstützer der Ukraine mehr als viereinhalb Jahre nach Kriegsbeginn andere Strategien entwickelten.

SPD-Bundesparteitag zur Neuwahl der Spitze findet am 16. und 17. Januar statt

Nach dem Rücktritt von SPD-Ko-Chefin Bärbel Bas soll der Parteivorstand Mitte Januar neu gewählt werden. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Parteikreisen erfuhr, soll dafür am 16. und 17. Januar ein ordentlicher Bundesparteitag in Bremen stattfinden. Dort würden "der gesamte Parteivorstand neu gewählt und auch alle weiteren Wahlen durchgeführt", hieß es. Zuerst hatte das RND darüber berichtet.

Textgröße ändern: