Deutsche Tageszeitung - Anklage gegen Erdogan-Rivalen: Imamoglu droht Haftrafe von über 2400 Jahren

Anklage gegen Erdogan-Rivalen: Imamoglu droht Haftrafe von über 2400 Jahren


Anklage gegen Erdogan-Rivalen: Imamoglu droht Haftrafe von über 2400 Jahren
Anklage gegen Erdogan-Rivalen: Imamoglu droht Haftrafe von über 2400 Jahren / Foto: © AFP/Archiv

Dem größten innenpolitischen Rivalen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan droht eine Haftstrafe von mehr als 2400 Jahren: Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den inhaftierten Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu in 142 Punkten erhoben. Ihm wird unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Anklageschrift hervorgeht. Imamoglus Partei CHP sieht darin ein politisches Manöver, um den populären Politiker an der Präsidentschaftskandidatur zu hindern.

Textgröße ändern:

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu summieren sich die 142 Anklagepunkte gegen Imamoglu auf eine potenzielle Haftstrafe von bis zu 2430 Jahren. Zur Last gelegt werden dem 54-Jährigen in der fast 4000 Seiten umfassenden Anklageschrift unter anderem auch Erpressung und verschiedene Korruptionsdelikte wie Bestechlichkeit, Veruntreuung, Geldwäsche und Ausschreibungsbetrug.

Bei der Anklage handle es sich um einen "eklatanten Fall der Einmischung der Justiz in die Politik", erklärte CHP-Chef Özgür Özel im Onlinedienst X. "Dieser Fall ist nicht juristisch, er ist vollkommen politisch." Der Vorsitzende der linksnationalistischen CHP hatte kurz vor der Veröffentlichung der Anklageschrift bekräftigt, dass die Partei an Imamoglu als ihrem Präsidentschaftskandidaten für die Wahl 2028 festhalte.

Die Staatsanwaltschaft reichte die Anklageschrift am Dienstag bei einem Gericht in Istanbul ein. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest. Laut Staatsanwaltschaft soll Imamoglu eine kriminelle Vereinigung mit dem Ziel gegründet haben, "die Kontrolle über die CHP zu übernehmen" und Finanzquellen für seine Präsidentschaftskandidatur zu erschließen. Über dieses weitverzweigte Netzwerk habe Imamoglu "wie ein Krake" seinen Einfluss ausgeübt.

Insgesamt werden 402 Verdächtige in der Anklageschrift genannt, darunter eine Reihe von Vertrauten des Istanbuler Bürgermeisters. Gegen Imamoglu laufen zudem Ermittlungen in anderen Fällen: Vorgeworfen wird ihm auch Spionage und Urkundenfälschung - dabei geht es um seinen Universitätsabschluss, ohne den er nicht türkischer Präsident werden kann.

Imamoglu ist der wichtigste innenpolitische Kontrahent Erdogans. Seine Festnahme im März hatte in der Türkei die größte Protestwelle seit den sogenannten Gezi-Protesten von 2013 ausgelöst. Bei den Protesten wurden fast 2000 Menschen festgenommen.

Die CHP war im vergangenen Jahr als klare Siegerin aus den Kommunalwahlen hervorgegangen und steht seitdem landesweit unter massivem Druck der Justizbehörden. Dutzende CHP-Politiker wurden festgenommen, darunter 16 Bürgermeister.

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

US-Medien: USA fangen erneut Öltanker vor Küste Venezuelas ab

Die USA haben US-Medienberichten zufolge erneut einen Öltanker vor der Küste Venezuelas abgefangen. Mehrere US-Medien berichteten unter Berufung auf Quellen, die anonym bleiben wollten, die Küstenwache und US-Soldaten hätten einen Tanker gestoppt und seien an Bord gegangen. Der "New York Times" zufolge hatte das Schiff venezolanisches Öl geladen, war in internationalen Gewässern unterwegs und fuhr unter panamaischer Flagge.

Ukraine und Russland sollen erstmals seit halbem Jahr wieder direkt miteinander verhandeln

Erstmals seit einem halben Jahr soll es wieder direkte Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland über eine mögliche Waffenruhe im russischen Angriffskrieg geben. Vier Tage nach den Ukraine-Gesprächen in Berlin starteten am Freitag im US-Bundesstaat Florida zwar zunächst erneute Beratungen ohne russische Beteiligung zwischen Vertretern der USA, der Ukraine und Europas. Ein Kreml-Entsandter sollte jedoch später hinzukommen.

Reaktion auf tödlichen Angriff: USA greifen mehr als 70 IS-Ziele in Syrien an

Eine Woche nach einem tödlichen Angriff auf US-Soldaten in Syrien hat die US-Armee mehr als 70 Ziele der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in dem Land angegriffen. US-Präsident Donald Trump bezeichnete das militärische Vorgehen in der Nacht zu Samstag als "sehr schwere Vergeltungsmaßnahme" für den Anschlag. Aktivisten zufolge wurden bei den US-Luftangriffen, an denen sich auch Syriens Nachbarland Jordanien beteiligte, mindestens fünf IS-Mitglieder getötet.

Beerdigung in Bangladesch: Zehntausende trauern um getöteten Studentenführer

In Bangladesch haben zehntausende Menschen an der Beerdigung des getöteten Studentenanführers Sharif Osman Hadi teilgenommen. Menschenmassen begleiteten am Samstag in der Hauptstadt Dhaka den Trauerzug für Hadi, der als Schlüsselfigur der Demokratiebewegung in Bangladesch galt.

Textgröße ändern: