Deutsche Tageszeitung - Gespräche in Ankara sollen Ukraine-Friedensgespräche wieder in Gang bringen

Gespräche in Ankara sollen Ukraine-Friedensgespräche wieder in Gang bringen


Gespräche in Ankara sollen Ukraine-Friedensgespräche wieder in Gang bringen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will am Mittwoch den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und den US-Sondergesandten Steve Witkoff treffen und damit die stockenden Verhandlungen mit Russland wiederbeleben. Bei den in Ankara geplanten Gesprächen gehe es vor allem darum, die Regierung in Washington wieder in die Friedensbemühungen einzubinden, hieß es am Dienstag aus ukrainischen Regierungskreisen. Russland nimmt an den Gesprächen nicht teil.

Textgröße ändern:

Kiew hoffe darauf, dass die USA unter anderem durch die Verschärfung ihrer Sanktionen Moskau zur Rückkehr an den Verhandlungstisch bringen können, sagte ein ukrainischer Regierungsvertreter. Selenskyj erklärte in Onlinenetzwerken, die Ukraine bemühe sich darum, "die Verhandlungen wiederzubeleben, und wir haben Lösungen entwickelt, die wir unseren Partnern vorschlagen werden". Ein weiteres Ziel sei es, den Austausch von Kriegsgefangenen mit Russland wieder aufzunehmen.

Die diplomatischen Bemühungen um eine Friedenslösung, die auch von US-Präsident Donald Trump zwishenzeitlich vorangetrieben worden waren, blieben bislang erfolglos. Im US-Senat wird derzeit über einen Gesetzentwurf diskutiert, der hohe Strafzölle gegen alle Länder vorsieht, die russisches Öl und Gas kaufen. Trump erklärte, er sei einverstanden mit dem Vorhaben. Seine Regierung hatte im Oktober bereits Sanktionen gegen Russlands größte Ölkonzerne Rosneft und Lukoil verhängt.

"Die Amerikaner diskutieren jetzt über eine neue Welle des Drucks, also ist es logisch, über diplomatischen Druck zu verhandeln", sagte der ukrainische Regierungsvertreter mit Blick auf die Gespräche in Ankara. Die Türkei hat sich seit Beginn des Ukraine-Krieges als Vermittler zwischen Kiew und Moskau angeboten. Delegationen aus Russland und der Ukraine trafen sich seit Mai zu drei Verhandlungsrunden in Istanbul, bei denen der Austausch von Gefangenen und die Rückgabe getöteter Soldaten vereinbart wurde.

Fortschritte in Richtung einer Waffenruhe gab es bei den Treffen aber nicht. Moskau lehnte eine Feuerpause ab. Die russische Armee setzte vielmehr ihre Angriffe auf ukrainische Städte mit unverminderter Härte fort und verzeichnete seitdem insbesondere im Osten des Landes weitere Geländegewinne.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte in der vergangenen Woche gesagt, Russland sei "offen für Verhandlungsprozesse" zur Beendigung des Kriegs. Er machte die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten für den Stillstand in den Gesprächen verantwortlich. Nach Ansicht der Ukraine gibt es hingegen keine Anzeichen, dass Moskau bereit sei, seine Invasion zu stoppen. Kiew wirft Russland vor, weiterhin inakzeptable Forderungen zu stellen, etwa mit Blick auf die Abtretung ukrainischer Gebiete an Moskau.

Selenskyj wirbt derzeit bei einer Reise durch mehrere europäische Länder um weitere Unterstützung für die ukrainische Armee und die angeschlagene Energieinfrastruktur des Landes. Am Montag hatte er in Paris eine Absichtserklärung zum Kauf von bis zu hundert Rafale-Kampfjets und weiteren Rüstungsgütern unterzeichnet.

Diese Vereinbarung traf am Dienstag auf scharfe Kritik Moskaus. "Paris trägt nicht zum Frieden bei, sondern schürt militaristische und kriegsfördernde Gefühle", sagte Kreml-Sprecher Peskow. "Egal, welche Flugzeuge an das Kiewer Regime verkauft werden, dies wird die Situation an der Front nicht ändern und die Dynamik nicht beeinflussen", fügte er hinzu.

Die Lage an der Front ist für die Ukraine derzeit äußerst schwierig. Die strategisch wichtige Stadt Pokrowsk in der östlichen Industrieregion Donezk steht womöglich kurz vor dem Fall. Auch in anderen Regionen des Landes rücken die russischen Truppen weiter vor.

Sorge bereitet der Regierung in Kiew auch der bevorstehende Winter. Russland hatte im Oktober die massivsten Angriffe auf ukrainische Gasanlagen seit Beginn der Invasion im Februar 2022 ausgeführt und damit 60 Prozent der Gasproduktion lahmgelegt. Als Reaktion auf die Angriffe attackiert Ukraine ihrerseits regelmäßig Raffinerien und Treibstofflager in Russland.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Energiepreise: Kritik an Merz aus der SPD - AWO: Geringverdiener entlasten

Mit seiner Absage an schnelle weitere Entlastungen für Bürger und Unternehmen sorgt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für Kritik auch in den Reihen des Koalitionspartners SPD. "Ich verstehe nicht, worauf der Bundeskanzler noch warten will", erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Donnerstagabend auf der Plattform X. "Die Bürger und die Wirtschaft sind schon jetzt am Limit. Wir brauchen jetzt eine schnelle Entlastung."

Wahl in Ungarn: Orban wirft Gegnern Kooperation mit ausländischen Geheimdiensten vor

Zwei Tage vor der Parlamentswahl in Ungarn hat Ministerpräsident Viktor Orban seinen politischen Gegnern ein Komplott gegen die Wahl sowie Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten vorgeworfen. Die Opposition konspiriere und versuche, "Chaos, Druck und eine internationale Dämonisierung zu nutzen, um die Entscheidung des ungarischen Volkes infrage zu stellen", erklärte der rechtsnationalistische Regierungschef am Freitag im Onlinedienst Facebook.

Selenskyj fordert Wiederherstellung der Ölsanktionen gegen Russland

Angesichts der zwischen den USA und dem Iran vereinbarten Waffenruhe hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine vollständige Wiedereinsetzung der gegen Russland verhängten Ölsanktionen gefordert. "Jetzt beginnt ein Waffenstillstand im Nahen Osten und am Golf. Und ich erwarte, dass die Sanktionen gegen russisches Öl wieder vollständig eingeführt werden, so wie sie zuvor waren", erklärte Selenskyj am Freitag.

Myanmar: Ex-Junta-Chef Min Aung Hlaing legt Amtseid als Präsident ab

In Myanmar hat der Ex-Chef der Militärjunta, Min Aung Hlaing, am Freitag seinen Eid als Präsident des südostasiatischen Landes abgelegt. Bei einer Zeremonie im Parlament in der Hauptstadt Naypyidaw sprach er den Amtseid und gelobte, sich um Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit in seinem Land zu bemühen. "Ich werde mich dem Dienst an der Republik der Union von Myanmar widmen", sagte der 69-Jährige.

Textgröße ändern: