Deutsche Tageszeitung - Sieben Tote bei russischen Angriffen in Kiew - Gespräche über Ukraine-Plan in Abu Dhabi

Sieben Tote bei russischen Angriffen in Kiew - Gespräche über Ukraine-Plan in Abu Dhabi


Sieben Tote bei russischen Angriffen in Kiew - Gespräche über Ukraine-Plan in Abu Dhabi
Sieben Tote bei russischen Angriffen in Kiew - Gespräche über Ukraine-Plan in Abu Dhabi / Foto: © AFP

Trotz der internationalen Bemühungen um einen Plan zur Beendigung des Ukraine-Krieges hat Russland erneut schwere Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ausgeführt. Sieben Menschen wurden nach Behördenangaben bei den nächtlichen Attacken getötet. Nach den Ukraine-Verhandlungen zwischen den USA, Kiew und mehreren europäischen Staaten in Genf finden in Abu Dhabi nun offenbar Gespräche zwischen US-Vertretern und einer russischen Delegation statt.

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Russland griff Kiew in der Nacht mit Raketen und Drohnen an. Die Stadt wurde heftigen Explosionen erschüttert. Unter anderem wurden mehrstöckige Wohngebäude getroffen, in denen Feuer ausbrachen. Einwohner suchten Schutz in U-Bahn-Stationen, wie AFP-Reporter berichteten. Nach Angaben von Polizei und Rettungskräften wurden sieben Menschen getötet und 19 weitere verletzt. Das ukrainische Energieministerium erklärte, es habe einen "massiven" Angriff auf die Energie-Infrastruktur gegeben.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha verurteilte die Angriffe und wertete diese als einen Beleg für die fehlende Bereitschaft Moskaus, den Krieg zu beenden. Kreml-Chef Wladimir Putin habe eine "terroristische Antwort auf die Friedensvorschläge der Vereinigten Staaten und von Präsident Trump" gegeben, erklärte Sybiha im Onlinedienst X. Insgesamt griff Russland die Ukraine in der Nacht nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe mit mehr als 460 Drohnen und 22 Raketen an.

Russland meldete seinerseits massive Luftangriffe der Ukraine. In der Nacht seien fast 250 ukrainische Drohnen abgefangen worden, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. In der russischen Region Rostow wurden nach Angaben des örtlichen Gouverneurs mindestens drei Menschen getötet. Der Gouverneur der benachbarten Region Krasnodar sprach von einem der schwersten ukrainischen Angriffe seit Kriegsbeginn.

Die jüngsten Angriffe erfolgten inmitten von diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine. In Abu Dhabi seien am Montag neue Gespräche in Gang gesetzt worden, diesmal auch mit russischer Beteiligung, berichteten der US-Sender ABC News und die "Financial Times". Demnach traf sich der Pentagon-Staatssekretär Dan Driscoll dort mit einer russischen Delegation. Nach Informationen der "Financial Times" ist auch der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, nach Abu Dhabi gereist.

Der Kreml wollte die Gespräche weder bestätigen noch dementieren. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sagte in Berlin, er begrüße das Engagement der USA. Es sei "ein gutes Zeichen, dass man gemeinsam dort spricht". Ob es nun zu einer Waffenruhe komme, liege "zuallererst am Aggressor Russland", betonte Wadephul. Bislang habe Russland keinerlei Bereitschaft erkennen lassen, "den lange eingeforderten Waffenstillstand endlich beginnen zu lassen".

Delegationen der USA, der Ukraine und mehrerer europäischer Staaten, darunter Deutschland, hatten am Sonntag in Genf Verhandlungen über den von den USA vorgelegten 28-Punkte-Plan zur Beendigung des Ukraine-Kriegs geführt. Dabei verständigten sie sich auf eine Änderung des Plans.

Der ursprüngliche Entwurf des Plans verlangte von der Ukraine erhebliche Zugeständnisse wie die Abtretung großer, teils nicht von Russland eroberter Gebiete in der Ostukraine an Moskau, eine Begrenzung der Truppenstärke und den Verzicht auf einen Nato-Beitritt.

Der Ursprungsplan kam damit Moskau in zentralen Forderungen weit entgegen. Dies brachte Trump den Vorwurf ein, er sei parteiisch zugunsten Russlands. Seine Sprecherin Karoline Leavitt wies dies am Montag als einen "vollständigen und totalen Irrtum" zurück.

Nach den Gesprächen in der Schweiz sprachen Kiew und seine europäischen Partner von Fortschritten, sie sahen aber noch viel Arbeit vor sich. "Wir begrüßen die Bereitschaft der USA, den Vorschlag weiterzuentwickeln", sagte Wadephul am Dienstag in Berlin. "Das bringt uns näher an einen Friedensvorschlag, der gerecht, belastbar und vor allem dauerhaft ist."

Putin hatte den ursprünglichen US-Vorschlag begrüßt, die von den Europäern geforderten Änderungen wies der Kreml hingegen als "nicht konstruktiv" zurück. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Dienstag, er warte darauf, dass die USA Moskau den überarbeiteten Ukraine-Plan übermitteln.

Für Dienstag war ein virtuelles Treffen der sogenannten Koalition der Willigen geplant, der westlichen Unterstützergruppe der Ukraine. Das virtuelle Treffen solle ermöglichen, eine Bilanz der am Sonntag stattgefundenen Gespräche in Genf zu ziehen, hieß es aus dem Elysée-Palast in Paris.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will noch in dieser Woche mit Trump persönlich über den Ukraine-Plan der USA verhandeln. Der Chef des ukrainischen Sicherheitsrats, Rustem Umerow, schrieb im Onlinedienst Telegram, es werde an einem US-Besuch Selenskyjs "zum frühestmöglichen Termin im November" gearbeitet.

(V.Sørensen--DTZ)

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