Deutsche Tageszeitung - Designierter tschechischer Regierungschef Babis stellt Kabinettsliste vor

Designierter tschechischer Regierungschef Babis stellt Kabinettsliste vor


Designierter tschechischer Regierungschef Babis stellt Kabinettsliste vor
Designierter tschechischer Regierungschef Babis stellt Kabinettsliste vor / Foto: © AFP

Knapp zwei Monate nach seinem Sieg bei der Parlamentswahl in Tschechien hat der designierte Regierungschef Andrej Babis seine Kabinettsliste vorgestellt. Darunter ist auch der wegen des Vorwurfs der sexuellen Gewalt kritisierte Politiker Filip Turek von der rechtsgerichteten Autofahrerpartei. Turek soll nach Babis' Wunsch Umweltminister werden.

Textgröße ändern:

Babis sagte nach einem Treffen mit Staatspräsident Petr Pavel, dieser habe "eine Reihe von Einwänden" gegen Turek geäußert. "Er denkt, Herr Turek sollte nicht Minister werden", sagte Babis und fügte an: "Ich denke, er sollte die Gelegenheit bekommen, respektiere aber die Ansicht des Präsidenten."

Turek werden von einer früheren Partnerin Vergewaltigung und häusliche Gewalt vorgeworfen, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn. Zuvor war gegen ihn zudem wegen des Vorwurfs ermittelt worden, Nazi-Devotionalien besessen und einen Hitlergruß gezeigt zu haben. Das Verfahren wurde jedoch später eingestellt.

Babis hob hervor, dass Turek bereits einen Kompromiss eingegangen sei, indem er auf den von ihm ursprünglich angestrebten Posten als Außenminister verzichtet habe. Als Chefdiplomat wurde stattdessen Petr Macinka nominiert, Chef der Autofahrerpartei.

Das neue Kabinett soll nach Babis' Plänen aus neun Ministern seiner Partei Ano bestehen, die Autofahrerpartei soll vier Kabinettsposten besetzen. Auf den dritten Koalitionspartner, die rechtsextreme SPD, sollen drei Ministerposten entfallen.

Präsident Pavel kann von Babis ernannte Minister ablehnen. Der 2023 per Direktwahl gewählte Pavel ist überzeugter Pro-Europäer. Wie das Büro des Präsidenten am Mittwoch mitteilte, wird Pavel ab Freitag Gespräche mit allen designierten Ministern führen, diese würden voraussichtlich bis 10. Dezember dauern. Babis selbst hatte die Hoffnung geäußert, bis zum EU-Gipfel am 18. Dezember als Ministerpräsident vereidigt worden zu sein.

Auch Babis selbst, der Tschechien bereits von 2017 bis 2021 regiert hatte, steht wegen eines mutmaßlichen Interessenkonflikts in der Kritik: Gegen den Großunternehmer und Multimilliardär läuft ein Gerichtsverfahren wegen mutmaßlichen Betrugs mit EU-Subventionen. Nach seinem Gespräch mit Staatschef Pavel sagte Babis, der Präsident habe ihm auferlegt zu klären, wie er das Risiko eines Interessenkonflikts verhindern wolle. Er werde dies auch tun, sagte Babis.

Babis war Anfang Oktober als Sieger aus der Parlamentswahl hervorgegangen. Anfang November schmiedete er dann eine EU-skeptische Koalition seiner Ano-Partei mit der Autofahrerpartei und der SPD.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Stadt Dortmund darf nach Abschleppen keine Extragebühr für Kostenbescheid verlangen

Wenn in Dortmund ein falsch parkendes Auto abgeschleppt wird, darf die Stadt dafür vom Halter die Zahlung der Kosten verlangen - aber keine Extragebühr für die Erstellung des Kostenbescheids. Das widerspricht dem nordrhein-westfälischen Gebührengesetz, wie das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen am Dienstag entschied. Die Klage des Falschparkers hatte damit teilweise Erfolg.

Betrug mit Coronatests in Millionenhöhe: Fast dreieinhalb Jahre Haft in Hannover

In einem Prozess um Abrechnungsbetrug mit Coronatests in Millionenhöhe ist ein 27-Jähriger vom Amtsgericht Hannover zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der Angeklagte wurde wegen siebenfachen Betrugs zu drei Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt, wie ein Gerichtssprecher am Dienstag in der niedersächsischen Landeshauptstadt mitteilte. Zudem ordnete das Gericht die Einziehung des erbeuteten Betrags in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro an.

Arcelormittal bestätigt Plan für Bau von elektrischem Hochofen in Dünkirchen

Nach Verzögerungen hat der Stahlkonzern Arcelormittal seine Pläne für den Bau eines elektrischen Stahlofens für eine klimafreundliche Stahlproduktion im französischen Dünkirchen bekräftigt. Der Bau des sogenannten Elektrolichtbogenofens solle etwa 1,3 Milliarden Euro kosten, teilte das Unternehmen anlässlich eines Werksbesuchs von Präsident Emmanuel Macron am Dienstag in Dünkirchen mit. Der neue Hochofen solle 2029 in Betrieb genommen werden und jährlich bis zu zwei Millionen Tonnen Stahl produzieren.

EU-Parlament beschließt Klimaziel für 2040

Das Europaparlament hat die Klimaziele der EU für die kommenden Jahre beschlossen. Die Abgeordneten stimmten am Dienstag in Straßburg dafür, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2040 grundsätzlich um 90 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, das Gesetz räumt den 27 EU-Ländern aber einigen Spielraum ein. Zugleich läuft eine Debatte um das CO2-Preissystem der EU, das die Klimaziele sichern soll.

Textgröße ändern: