Deutsche Tageszeitung - Schüsse in Washington: Zwei Nationalgardisten laut FBI schwer verletzt

Schüsse in Washington: Zwei Nationalgardisten laut FBI schwer verletzt


Schüsse in Washington: Zwei Nationalgardisten laut FBI schwer verletzt
Schüsse in Washington: Zwei Nationalgardisten laut FBI schwer verletzt / Foto: © AFP

Ein neuer Fall von Schusswaffengewalt erschüttert die USA: Ein Bewaffneter verletzte am Mittwoch im Zentrum der Hauptstadt Washington zwei Soldaten der Nationalgarde schwer. Nach Angaben der Bundespolizei FBI befanden sich die beiden in einem "kritischen Zustand". Die Polizei nahm einen Verdächtigen fest. US-Präsident Donald Trump erklärte, der mutmaßliche Schütze sei ebenfalls schwer verletzt und werde einen "sehr hohen Preis" für seine Tat zahlen.

Textgröße ändern:

Vizepräsident JD Vance rief alle US-Bürger auf, für die beiden Soldaten zu beten. Der Vorfall ereignete sich laut Polizei zwei Straßenblocks nordwestlich des Weißen Hauses nahe einer Metrostation. Trump hielt sich währenddessen für das Familienfest Thanksgiving am Donnerstag in Florida auf, er war mit seiner Frau Melania in sein Anwesen Mar-a-Lago zurückgereist.

Über die Identität des festgenommenen Verdächtigen wurde zunächst nichts bekannt. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Die Bürgermeisterin von Washington, Muriel Bowser, sprach von einem "gezielten" Angriff auf die Nationalgarde, ohne weiter auf das mögliche Motiv einzugehen. Trump bezeichnete den Schützen in seinem Onlinedienst Truth Social als "Tier".

FBI-Chef Kash Patel sprach vor Journalisten von einem "schrecklichen Gewaltakt" und sagte, die beiden angeschossenen Soldaten seien in einem "kritischen Zustand". Der Gouverneur von West Virginia, Patrick Morrisey, hatte in einer ersten Stellungnahme mitgeteilt, die beiden Soldaten aus seinem Bundesstaat seien "ihren Verletzungen erlegen". Später erklärte er jedoch, ihr Tod sei nicht bestätigt, es gebe dazu "widersprüchliche Angaben".

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte nach dem Vorfall an, die Zahl der Nationalgardisten in der Hauptstadt um 500 auf mehr als 2500 aufzustocken. Der Gewaltakt stärke den Entschluss der Regierung, Washington wieder "sicher und schön" zu machen, betonte er am Rande eines Besuchs in der Dominikanischen Republik.

Augenzeugen berichteten nach den Schüssen von Chaos und Panik im belebten Zentrum von Washington. Die Polizei riegelte das Gebiet um die Metrostation Farragut West ab. Beamte mit Gewehren standen hinter gelbem Absperrband Wache, ein Helikopter kreiste über dem Stadtzentrum. Ein AFP-Reporter sah Einsatzkräfte mit einer fahrbaren Trage in Richtung Metro laufen und kurz darauf mit einem Verletzten in Tarnkleidung herauskommen, den sie in einen Krankenwagen luden.

Trump hatte die Soldaten ab August in der Hauptstadt stationiert. Sie sollten dort für mehr Sicherheit sorgen. Der Präsident behauptete, Washington habe eine "höhere Verbrechensrate als einige der gefährlichsten Orte der Welt". Polizeistatistiken belegen dies allerdings nicht.

Eine US-Bundesrichterin hatte den Einsatz der Nationalgarde in der US-Hauptstadt erst vergangene Woche für gesetzwidrig erklärt. Die Richterin Jia Cobb gewährte der Regierung aber einen Aufschub bis zum 11. Dezember, um dagegen Rechtsmittel einzulegen.

Trump hatte die Nationalgarde ausschließlich in Städte wie Washington, Los Angeles und Memphis entsandt, die von den oppositionellen Demokraten regiert werden. Der Rechtspopulist begründete dies mit angeblich ausufernder Gewaltkriminalität und mit den Protesten gegen die harte Abschiebepolitik seiner Regierung. Gegen die Einsätze gibt es zahlreiche Klagen vor Gericht.

In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Schießereien mit Toten in den USA gegeben, das politische Klima gilt zudem als stark aufgeheizt. Im September war der ultrarechte Influencer und Trump-Unterstützer Charlie Kirk bei einer Diskussionsveranstaltung in Utah erschossen worden. Im Juni wurden die Demokratin Melissa Hortman, Mitglied des Abgeordnetenhauses im Bundesstaat Minnesota, und deren Ehemann in ihrem Haus getötet.

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

"Todernst": Warschau alarmiert über Hinweise auf "Attentatsversuch" gegen Tusk

Hinweise auf einen "möglichen Attentatsversuch" gegen Ministerpräsident Donald Tusk und Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz haben in Polen höchste Sorge ausgelöst. Für Sonntag wurde nach Angaben des Innenministeriums eine Dringlichkeitssitzung im Terror-Abwehrzentrum des Inlandsgeheimdienstes einberufen. "Wir nehmen diese Angelegenheit todernst", sagte ein Sprecher des für die Koordination der Geheimdienste zuständigen Ministers.

Indien: "Kakerlaken"-Bewegung will Proteste trotz Festnahmen fortsetzen

Mit massiven Mitteln sind die indischen Behörden am Wochenende gegen die Proteste der sogenannten Kakerlakenbewegung (CJP) vorgegangen und haben eine geplante Massen-Demonstration verhindert. Die Sicherheitskräfte nahmen tausende Menschen fest, darunter auch den CJP-Gründer Abhijeet Dipke. Dipke kam am Sonntag wieder frei, erhielt aber die Auflage, "die öffentliche Ordnung nicht mehr zu stören". Er und weitere CJP-Anführer riefen dennoch zur Fortsetzung der Proteste auf.

CDU will bei Klausurtagung zurück "zu alter Stärke"

Vertrauen zurückgewinnen und die Volkspartei wiederbeleben: Bei ihrer zweitägigen Klausurtagung in Berlin will die CDU-Spitze die jüngsten Wahlschlappen aufarbeiten und den Weg für die anstehenden Reformen abstecken. Das Treffen wurde am Sonntag von neuen Störfeuern aus der Union begleitet: Ex-CSU-Chef Horst Seehofer bescheinigte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen "massiven Glaubwürdigkeitsverlust". Ein weiteres heißes Eisen ist der Umgang der CDU mit der AfD.

Bartsch weist Kritik an Antisemitismus-Einigung der Berliner Linken zurück

Der Linken-Politiker Dietmar Bartsch hat die massive Kritik aus Teilen seiner Partei an der von der Berliner Linken, den Grünen und der SPD vorgestellten Einigung zum Umgang mit Antisemitismus zurückgewiesen. "Es ist kein Zufall, dass es vor allen Dingen Menschen sind, die nie Koalitionsverhandlungen geführt haben, in keinem Landtag vertreten sind und nahezu durchgängig aus dem Westen kommen", sagte der ehemalige Chef der Linken-Bundestagsfraktion dem "Tagesspiegel" laut Mitteilung vom Sonntag.

Textgröße ändern: