Deutsche Tageszeitung - "Ich verneige mich vor den Opfern": Steinmeier gedenkt der Opfer von Guernica

"Ich verneige mich vor den Opfern": Steinmeier gedenkt der Opfer von Guernica


"Ich verneige mich vor den Opfern": Steinmeier gedenkt der Opfer von Guernica
"Ich verneige mich vor den Opfern": Steinmeier gedenkt der Opfer von Guernica / Foto: © AFP

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich beim ersten Besuch eines deutschen Staatsoberhaupts in der bei einem NS-Bombenangriff zerstörten baskischen Stadt Guernica zur Verantwortung Deutschlands bekannt. "Ich verneige mich vor den Opfern", sagte Steinmeier am Freitag nach einer Gedenkzeremonie in der Stadt im Norden Spaniens. "Deutschland weiß um seine historische Verantwortung, wir bekennen uns dazu, und wir fühlen die Verpflichtung, heute für Frieden, Demokratie und gegen Gewalt einzutreten."

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Der Luftangriff des deutschen Luftwaffenverbandes "Legion Condor" am 26. April 1937 während des Spanischen Bürgerkriegs sei ein "brutales Verbrechen" gewesen, sagte Steinmeier am letzten Tag seines Staatsbesuchs in Spanien. "Das einzige Ziel war die Zivilbevölkerung. Frauen, Männer, Kinder sind ermordet worden."

"Wenn ich heute hier durch Guernica gehe, dann gehe ich mit Demut", sagte der Bundespräsident. Er wollte aber nicht direkt eine Entschuldigung aussprechen oder die Menschen in Guernica um Verzeihung bitten - auch nicht auf mehrfache konkrete Nachfrage von örtlichen Journalistinnen.

Steinmeier war als erstes deutsches Staatsoberhaupt der Geschichte nach Guernica gereist. Er gedachte gemeinsam mit dem spanischen König Felipe VI. auf dem Friedhof von Guernica der hunderten Todesopfer der nationalsozialistischen Bombardierung.

Steinmeier traf zunächst zwei Überlebende des Bombardements, Crucita Etxabe und María Carmen Aguirre, die bei dem Luftangriff sechs Jahre alt waren und heute Mitte 90 sind. Anschließend ertönte fünf Mal die Glocke der bei dem Luftangriff während des Spanischen Bürgerkriegs zerstörten Kirche San Juan.

Vor dem Mausoleum, in dem die sterblichen Überreste von Opfern des NS-Luftangriffs ruhen, wurde ein Kranz aus weißen Nelken abgelegt. Außerdem hielten Steinmeier und der König eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer ab. Steinmeier verneigte sich zum Ende der Zeremonie kurz.

Im Anschluss an die Zeremonie besuchten Steinmeier und Felipe VI. das Friedensmuseum von Guernica. Vor dem Museum gab es Proteste baskischer Nationalisten, die dem spanischen König kritisch gegenüberstehen.

Die "Legion Condor" hatte die 5000-Einwohner-Stadt Guernica am 26. April 1937 in Schutt und Asche gelegt. Dabei wurden je nach Schätzung zwischen 200 und 1700 Menschen getötet. Der Angriff auf Guernica (baskisch: Gernika) sorgte international für Entsetzen und wurde zum Symbol für eine grausame und gegen die Zivilbevölkerung gerichtete Kriegsführung. Der Maler Pablo Picasso hielt das Grauen in seinem ikonischen Gemälde "Guernica" für die Ewigkeit fest.

Adolf Hitler hatte die Jagdflugzeuge und Bomber der "Legion Condor" zur Unterstützung des Putsch-Generals und späteren faschistischen Diktators Francisco Franco in den Spanischen Bürgerkrieg geschickt. Francos Sieg über die Einheiten der Linksregierung der Zweiten Spanischen Republik am 1. April 1939 war der Beginn einer Diktatur in Spanien, die erst vor 50 Jahren nach Francos Tod am 20. November 1975 endete.

"Guernica ist einer jener Orte, an denen sich das Grauen des Krieges und die Verletzlichkeit von unschuldigen Menschen unauslöschbar in unser europäisches Gedächtnis eingegraben hat", sagte Steinmeier am Freitag. Guernica müsse eine "Mahnung" sein, "dass wir jedem Nationalismus, Hass und Gewalt entgegentreten müssen, aber auch die Mahnung, dass wir Frieden, Freiheit und Demokratie verteidigen müssen".

Das Gedenken zu Guernica war ein zentrales Element bei Steinmeiers dreitägigem Staatsbesuch in Spanien. Am Mittwoch hatte der Bundespräsident bei einem Staatsbankett im Königspalast gesagt, Deutsche hätten in Guernica "schwere Schuld auf sich geladen" und ein "Verbrechen" begangen.

Die Aufarbeitung von Guernica war spät erfolgt. Erst zum 60. Jahrestag der Bombardierung bekannte sich 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog in einer Erklärung zu einer "schuldhaften Verstrickung deutscher Flieger" und bat die Bewohner von Guernica um "Versöhnung". Auch Herzog verwendete damals nicht das Wort Vergebung.

José Manuel Meaza, ein Bewohner von Guernica, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Freitag, dass Steinmeier in die Stadt genommen sei, sei ein "sehr starkes" Signal. "Er ist gekommen, um anzuerkennen, was Deutschland damals Schlechtes getan hat. Diese Haltung verdient Dank."

(L.Møller--DTZ)

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