Deutsche Tageszeitung - Präsident: Lage nach Putschversuch in Benin "unter Kontrolle"

Präsident: Lage nach Putschversuch in Benin "unter Kontrolle"


Präsident: Lage nach Putschversuch in Benin "unter Kontrolle"
Präsident: Lage nach Putschversuch in Benin "unter Kontrolle" / Foto: © AFP/Archiv

Nach dem gescheiterten Putschversuch im westafrikanischen Benin hat sich die Situation in dem Land nach Behördenangaben beruhigt. "Ich möchte Ihnen versichern, dass die Lage vollständig unter Kontrolle ist", sagte Präsident Patrice Talon am Sonntagabend im Staatsfernsehen. Eine Gruppe von Militärs hatte am frühen Morgen die Absetzung Talons verkündet. Der Putschversuch wurde mit Unterstützung der nigerianischen Armee vereitelt. Rund ein Dutzend Soldaten seien verhaftet worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Militär- und Sicherheitskreisen.

Textgröße ändern:

Eine Gruppe von Militärangehörigen hatte am frühen Sonntagmorgen im Staatsfernsehen erklärt, dass Talon "seines Amtes als Präsident der Republik enthoben" werde. Die Soldaten bezeichneten sich als "Militärkomitee für die Neugründung (CMR)" und begründeten ihre vermeintliche Machtübernahme mit der "fortschreitenden Verschlechterung der Sicherheitslage im Norden Benins".

AFP-Korrespondenten hörten am Morgen Schüsse in den Straßen der Wirtschaftsmetropole Cotonou. Soldaten blockierten die Zugänge zum Präsidentenpalast und zum Sitz des Staatsfernsehens.

Aus Kreisen des Präsidialamts hieß es, bei den rebellierenden Militärs handele es sich "um eine kleine Gruppe von Menschen, die nur Zugang zum Fernsehen haben". Die regulären Streitkräfte seien dabei, die "Kontrolle zurückzugewinnen". Weiter hieß es: "Die Stadt und das Land sind vollkommen sicher. Auch der Präsident und seine Familie sind sicher."

Innenminister Alassane Seidou sagte später im staatlichen Fernsehen, der Putsch sei vereitelt worden. Auch aus Militärkreisen hieß es, die Lage sei "unter Kontrolle". Den Putschisten sei es nicht gelungen, Talons Residenz oder das Präsidialamt einzunehmen. AFP-Reporter konnten die Angaben zunächst nicht überprüfen, da der Zugang zu diesen Gebäuden und anderen Teilen der Stadt gesperrt war.

Die beninischen Streitkräfte wurden bei ihrem Einsatz gegen die Putschisten von der Armee des Nachbarlandes Nigeria unterstützt. Das nigerianische Präsidialamt erklärte, auf Ersuchen Benins hätten Kampfflugzeuge Angriffe in Cotonou ausgeführt. Auch Bodentruppen seien im Benin in Einsatz.

Die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (Ecowas) erklärte, es würden auch Soldaten aus Ghana, der Elfenbeinküste und Sierra Leone nach Benin entsandt, um der Regierung bei der "Aufrechterhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung" zu helfen.

Der 67-jährige ehemalige Geschäftsmann Talon wird auch als "Baumwollkönig von Cotonou" bezeichnet. Nach zehn Jahren im Präsidentschaftsamt muss er laut Verfassung im April 2026 die Macht abgeben. Seine Amtszeit war von solidem Wirtschaftswachstum geprägt, jedoch auch von einer Zunahme islamistischer Gewalttaten.

Nach der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich 1960 war die Geschichte des westafrikanischen Landes zunächst von Putschversuchen dominiert. Später galt das Land lange als gut funktionierende Mehrparteien-Demokratie. Seit dem Amtsantritt von Präsident Talon im Jahr 2016 wächst jedoch die Kritik, dieser führe sein Land zunehmend autoritär. Zahlreiche Oppositionsführer wurden inhaftiert oder gingen ins Exil.

(O.Tatarinov--DTZ)

Empfohlen

Trump ernennt Katie Zacharia zu seiner neuen Sprecherin

US-Präsident Donald Trump hat die konservative Kommentatorin Katie Zacharia zu seiner neuen Sprecherin ernannt. Er lobte sie am Freitag in seinem Onlinenetzwerk Truth Social als treue Anhängerin seiner Maga-Bewegung (Make America Great Again, Macht Amerika wieder großartig). Zacharia wird damit die Nachfolge von Karoline Leavitt antreten, die im August zurückgetreten war. Leavitt hatte dies damit begründet, dass sie sich nach der Geburt ihres zweiten Kindes mehr auf die Familie konzentrieren wolle.

Trump: Mit Putin russische Diesel-Lieferung für USA und Weltmarkt vereinbart

Russland will nach Angaben von US-Präsident Donald Trump große Mengen Diesel an die USA und den Weltmarkt liefern. Trump erklärte am Freitag in seinem Onlinedienst Truth Social, dies habe er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vereinbart, um die Preise zu senken. Russland werde "sofort mehr als 300.000 Tonnen Dieselkraftstoff" für die USA und den Weltmarkt liefern und weitere 500.000 Tonnen im November, schrieb Trump.

Ermittler: Copilot von Flydubai-Maschine plante Selbstmordanschlag auf Flughafen Tel Aviv

Der Copilot der in Saudi-Arabien notgelandeten Flydubai-Maschine plante nach Angaben der emiratischen Ermittler einen Selbstmordanschlag auf den Flughafen im israelischen Tel Aviv. Der Mann aus dem Oman habe sich dabei die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA zum Vorbild genommen, erklärte Generalstaatsanwalt Hamad Saif al-Schamsi am Freitag. Sein Ziel sei gewesen, so viele Menschen wie möglich zu töten.

Steinmeier und Macron besuchen französische Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen

Zum Abschluss seines zweitägigen Staatsbesuchs in Frankreich hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Themen Raumfahrt und nukleare Abschreckung in den Mittelpunkt gestellt. Gemeinsam mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron besuchte er am Freitag mehrere darauf spezialisierte Unternehmen. Ein ursprünglich geplantes Mittagessen im Rathaus von Bordeaux wurde an einen anderen Ort verlegt. In der Stadt war es im Zuge der Schülerproteste in den vergangenen Tagen zu Ausschreitungen gekommen.

Textgröße ändern: