Deutsche Tageszeitung - Anschlag in Sydney: Neue Ermittlungsergebnisse zu "akribischen" Vorbereitungen der Täter

Anschlag in Sydney: Neue Ermittlungsergebnisse zu "akribischen" Vorbereitungen der Täter


Anschlag in Sydney: Neue Ermittlungsergebnisse zu "akribischen" Vorbereitungen der Täter
Anschlag in Sydney: Neue Ermittlungsergebnisse zu "akribischen" Vorbereitungen der Täter / Foto: © AFP

Acht Tage nach dem antisemitischen Anschlag vom Bondi Beach im australischen Sydney mit 15 Toten haben die Ermittler neue Erkenntnisse über "akribische" Vorbereitungen der mutmaßlichen Attentäter bekannt gegeben. Wie aus am Montag veröffentlichen Gerichtsunterlagen hervorgeht, kundschafteten die beiden Tatverdächtigen die Örtlichkeiten wenige Tage vor dem Angriff aus und setzten bei dem Anschlag auch Sprengsätze ein. Der australische Bundesstaat New South Wales, wo Sydney liegt, kündigte unterdessen verschärfte Waffengesetze an.

Textgröße ändern:

Den Ermittlungsergebnissen zufolge warfen die mutmaßlichen Attentäter Sajid und Naveed Akram während des Angriffs am 14. Dezember Sprengsätze in die Menschenmenge am Bondi Beach. Diese waren jedoch nicht explodiert. Die beiden Männer bereiteten sich demnach "akribisch" und "viele Monate lang" auf den Angriff vor. Sie hielten "Schusswaffen-Trainings" in ländlichem Gebiet ab, vermutlich in New South Wales.

Auf Bildern waren die beiden beim Abfeuern von Schrotflinten zu sehen. Dabei bewegten sie sich Behörden zufolge auf eine "taktische" Weise. Wenige Tage vor dem Attentat unternahmen die beiden Männer demnach eine nächtliche Erkundungstour an den berühmten Strand.

Nach Erkenntnissen der Polizei nahmen die Tatverdächtigen zudem vor dem Anschlag ein Video auf, in dem sie gegen "Zionisten" wetterten. Auf dem Mobiltelefon eines der beiden sei eine Aufnahme gefunden worden, auf der sie vor einer Fahne der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) stehend einen Auszug aus dem Koran zitieren und Angaben zu "ihren Motiven" machten.

Die beiden mutmaßlichen Angreifer sind Vater und Sohn. Der 50-jährige Sajid Akram wurde nach dem Attentat auf eine Chanukka-Feier von der Polizei erschossen, der 24-jährige Naveed überlebte schwer verletzt. Am Montag wurde er nach Polizeiangaben aus dem Krankenhaus in ein Gefängnis überstellt. Gegen ihn wird wegen Terrorismus und 15-fachen Mordes ermittelt.

Das Parlament des Bundesstaats New South Wales kam unterdessen zusammen, um die "strengste Waffengesetzreform des Landes" einzuführen, erklärte der Regierungschef des Bundesstaats, Chris Minns. Dabei soll die Zahl der maximal pro Person zugelassenen Schusswaffen auf vier begrenzt werden. Ausgenommen seien Personengruppen wie etwa Landwirte, die bis zu zehn Waffen besitzen dürfen. Offiziellen Angaben zufolge sind derzeit in New South Wales mehr als 1,1 Millionen Schusswaffen zugelassen.

Das neue Gesetz würde zudem "terroristischen Symbole" verbieten, darunter die IS-Flagge. Nach einem Terroranschlag könnten die Behörden außerdem im Rahmen des Gesetzes für bis zu drei Monate Demonstrationen verbieten.

"Wir können nicht so tun, als sei die Welt nach dem Terroranschlag am Sonntag noch dieselbe wie zuvor", sagte Minns vor Journalisten. Nun müssten Maßnahmen ergriffen werden, "damit so etwas nie wieder passiert".

Am Bondi Beach kehrte unterdessen allmählich wieder Normalität ein. An einer Gedenkstätte für die Opfer des Anschlags verbrachten einige Strandbesucher Zeit in stiller Andacht, einige legten Blumen nieder, während ein Polizeihubschrauber am Himmel kreiste.

Der australische Premier Anthony Albanese bat die jüdische Gemeinschaft in Australien um Verzeihung. Seine Regierung werde sich "jeden Tag dafür einsetzen, die jüdischen Australier zu schützen, ihr Grundrecht als Australier zu schützen". Zudem kündigte Albanese härtere Gesetze gegen Volksverhetzung und Extremismus an. Er forderte parteiübergreifende Unterstützung für die Einführung eines "verschärften Straftatbestands für Hasspredigten" und weitere Gesetzesvorhaben.

Am Freitag hatte Albanese bereits eine Aktion zum Rückkauf von Waffen angekündigt. Australien werde Waffenbesitzer dafür bezahlen, dass sie "überschüssige, verbotene und illegale Schusswaffen" abgeben, sagte der Premierminister.

Schusswaffenangriffe sind in Australien relativ selten. Automatische und halbautomatische Waffen sind dort verboten, seit ein Bewaffneter 1996 in Port Arthur auf der Insel Tasmanien 35 Menschen erschossen hatte.

(O.Tatarinov--DTZ)

Empfohlen

Zusammenstöße bei Protesten gegen Olympische Spiele und US-Behörde ICE in Mailand

"Weniger ICE, mehr Gletscher": In Mailand haben tausende Menschen gegen die Umweltauswirkungen der Olympischen Winterspiele in Norditalien sowie gegen die Anwesenheit von ICE-Bediensteten aus den USA während der Spiele protestiert. Dabei kam es am Samstagabend zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei, als einige Teilnehmer Feuerwerkskörper zündeten und Steine auf die Einsatzkräfte warfen. Die Polizei trieb die Menge mit Wasserwerfern auseinander.

Stärkung des Sozialstaats: SPD startet Arbeit an neuem Grundsatzprogramm

Mit einem Bekenntnis zur Bewahrung und Stärkung des Sozialstaats will die SPD ihr politisches Profil schärfen. In einer zweitägigen Klausur in der Berliner Parteizentrale leitete der SPD-Vorstand am Wochenende die Arbeit an einem neuen Grundsatzprogramm ein - und verabschiedete Positionspapiere zur Gesundheits-, Steuer- und Außenpolitik. Unter anderem fordert die SPD einen Paradigmenwechsel zur Finanzierung des Gesundheitssystems, um den Kreis der Einzahler zu erhöhen.

Selenskyj: Nächste Gespräche mit Russland in den USA geplant

Die US-Regierung will nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj den Krieg in der Ukraine bis zum Sommer beenden und lädt in der kommenden Woche zu einer neuen Gesprächsrunde mit Russland ein - dieses Mal in den Vereinigten Staaten. Washington habe "erstmals vorgeschlagen", dass sich die ukrainischen und russischen Unterhändler in den USA treffen, teilte Selenskyj am Samstag mit. Der russische Geheimdienst meldete indes eine Festnahme nach einem am Freitag erfolgten Schusswaffenangriff auf einen russischen General.

Wahlhelfer der AfD in Baden-Württemberg bedrängt und mit Reizgas attackiert

In Tübingen in Baden-Württemberg sind zwei Wahlhelfer der AfD mit Reizgas attackiert und leicht verletzt worden. Sie wurden in der Nacht zu Sonntag beim Aufhängen von Wahlplakaten der Partei von einer achtköpfigen Gruppe bedrängt, wie die Polizei in Reutlingen mitteilte. Nach einem kurzen Wortwechsel seien die beiden Wahlhelfer im Alter von 21 Jahren und 54 Jahren aus der Gruppe heraus mit Pfefferspray besprüht worden.

Textgröße ändern: