Deutsche Tageszeitung - Junta in Myanmar lässt am Unabhängigkeitstag Hunderte Gefangene frei

Junta in Myanmar lässt am Unabhängigkeitstag Hunderte Gefangene frei


Junta in Myanmar lässt am Unabhängigkeitstag Hunderte Gefangene frei
Junta in Myanmar lässt am Unabhängigkeitstag Hunderte Gefangene frei / Foto: © AFP

Die Militärregierung in Myanmar hat am Sonntag anlässlich des 78. Jahrestages der Unabhängigkeit von Großbritannien hunderte Gefängnisinsassen freigelassen. Dutzende Busse verließen am Sonntagmorgen das berüchtigte Insein-Gefängnis in Yangon und wurden teilweise von Angehörigen empfangen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Die Militärjunta hatte zuvor angekündigt, insgesamt 6134 Gefangene, darunter 52 Ausländer, zu begnadigen. Amnestien dieser Art sind an Feiertagen wie dem Unabhängigkeitstag in Myanmar üblich.

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Die Begnadigung vom 4. Januar geschehe aus Humanität und Mitgefühl, hatte die Militärregierung mitgeteilt. Der 35-jährige Yazar Tun, der vor dem Insein-Gefängnis eines seiner Kinder im Arm hielt, sagte AFP, er habe acht Monate wegen "Herumlungerns" eingesessen. Auch das prominente Model Nang Mwe San wurde freigelassen. Die ehemalige Ärztin war 2022 wegen "Schädigung der Kultur und Würde" festgenommen worden, weil sie Fotos veröffentlichte, welche die Regierung als zu aufreizend einstufte.

Die Militärregierung in Myanmar lässt derzeit in drei Phasen ein neues Parlament wählen. Nach dem ersten Wahltag am vergangenen Sonntag erklärte die Junta-nahe Partei USDP, mehr als 90 Prozent der Stimmen bekommen zu haben. Am 11. und 25. Januar wird in dem südostasiatischen Land erneut gewählt.

Juntachef Min Aung Hlaing hatte angekündigt, mit den Wahlen in dem Bürgerkriegsland zur Demokratie zurückkehren zu wollen und für nationale Aussöhnung zu sorgen. Experten stufen die USDP jedoch als zivilen Arm des Militärs ein, frühere Armeevertreter bekleiden zahlreiche hohe Posten in der Partei.

Beobachter kritisierten den Urnengang bereits im Vorfeld als "Scheinwahl". Die Opposition ist weitestgehend von der Wahl ausgeschlossen. In zahlreichen Gebieten, die von bewaffneten Rebellen kontrolliert werden, findet die Abstimmung zudem gar nicht statt.

Die Armee hatte sich 2021 an die Macht geputscht und die im Jahr zuvor mit großer Mehrheit gewählte demokratische Regierung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt. In einem von Menschenrechtsgruppen als Schauprozess verurteilten Verfahren wurde Suu Kyi zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Militärputsch löste einen Bürgerkrieg aus, der bis heute andauert.

Die damalige britische Kolonie Myanmar hatte am 4. Januar 1948 ihre Unabhängigkeit von der britischen Krone erklärt. Dem war ein langer Befreiungskampf unter General Aung San, dem Vater der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, vorausgegangen.

(A.Nikiforov--DTZ)

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