Deutsche Tageszeitung - Anschlag auf Berliner Stromnetz: Vermutlich Linksextremisten verantwortlich

Anschlag auf Berliner Stromnetz: Vermutlich Linksextremisten verantwortlich


Anschlag auf Berliner Stromnetz: Vermutlich Linksextremisten verantwortlich
Anschlag auf Berliner Stromnetz: Vermutlich Linksextremisten verantwortlich / Foto: © AFP

Der Stromausfall in Teilen Berlins mit zehntausenden betroffenen Haushalten ist nach Erkenntnissen der Behörden vorsätzlich mit Brandsätzen verursacht worden. Die betroffene Kabelbrücke am Teltowkanal sei "mit Brandsätzen versehen worden", sagte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) am Sonntag in der Bundeshauptstadt. Die Polizei stufte ein Bekennerschreiben einer linksextremistischen Gruppierung namens Vulkangruppe als glaubhaft ein.

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Es handle sich "eindeutig" um eine "Vorsatzhandlung", sagte Giffey. Insgesamt seien fünf Hochspannungs- und zehn Mittelspannungskabel "durch mehrere Brandsätze" zerstört oder beschädigt worden.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Anschlag aller Wahrscheinlichkeit nach von Linksextremisten verübt wurde. Ein Bekennerschreiben der sogenannten Vulkangruppe sei nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen als "authentisch" einzuschätzen, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittlungen zum Tathintergrund liefen aber weiter. Die Vulkangruppe hatte sich unter anderem auch im März 2024 zu einem Brandanschlag auf das Tesla-Werk im brandenburgischen Grünheide bekannt.

Durch den infolge des Brands verursachten Stromausfall im Südwesten der Bundeshauptstadt waren seit Samstagfrüh insgesamt 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbeeinheiten von der Stromversorgung abgeschnitten. Bis Sonntagvormittag konnten nach Angaben von Giffey rund zehntausend Haushalte wieder an das Netz angeschlossen werden. Auch mindestens 150 Gewerbebetriebe hatten wieder Strom.

Mit der kompletten Wiederherstellung der Stromversorgung rechnete der Energieversorger Stromnetz Berlin aber erst bis Donnerstagnachmittag. Als Grund dafür nannte Giffey die kalte Witterung, die hohe Zahl der beschädigten Kabel und die komplexen Bedingungen für die Reparatur. So müsse an den Hochspannungskabeln bei Plusgraden gearbeitet werden, was unter anderem beheizte Baustellen erfordere.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach am Sonntag von einem "schweren, schweren Anschlag auf unsere kritische Infrastruktur". Die Krisenstäbe arbeiteten "mit Hochdruck" daran, die Menschen wieder mit Strom und Wärme zu versorgen. Es müsse darüber gesprochen werden, wie etwa Stromnetze "künftig noch besser" geschützt werden könnten.

Betroffen von dem Stromausfall waren demnach die südwestlichen Berliner Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Die Behörden richteten drei Notunterkünfte und mehrere Anlaufstellen für Bürgerinnen und Bürger zum Aufwärmen und Aufladen von Handys ein. Die Polizei war auch am Sonntag mit rund 330 Beamten in den betroffenen Bereichen im Einsatz und richtete mobile Wachen ein.

In dem betroffenen Gebiet liegen auch Pflegeeinrichtungen, Schulen und Krankenhäuser. Die Kliniken waren am Sonntag nach Angaben von Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) wieder überwiegend am Netz, so dass keine Patienten verlegt werden mussten. Die betroffenen Schulen werden laut Innensenatorin Iris Spranger (SPD) "höchstwahrscheinlich" zunächst geschlossen bleiben.

Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) warnte vor den Folgen des Stromausfalls, der nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für tausende Unternehmen "extreme Belastungen" bedeute. "Wir rechnen mit Schäden in Millionenhöhe an Anlagen und Maschinen und durch hohe Umsatzausfälle", erklärte UVB-Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp am Sonntag. Der Stromausfall zeige, "dass unsere Infrastruktur nicht ausreichend und zeitgemäß gegen Angriffe und Unfälle geschützt ist".

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) forderte "eine umfassende und praxistaugliche Neubewertung bestehender Transparenzpflichten". Strom- und Gasnetzbetreiber seien derzeit rechtlich verpflichtet, ihre Infrastruktur in der Öffentlichkeit für jedermann "quasi auf dem Silbertablett" zu präsentieren, erklärte Verbandschefin Kerstin Andreae. Diese Regelungen sollten dort eingeschränkt oder angepasst werden, wo sie die Sicherheit kritischer Infrastrukturen gefährden könnten.

(V.Sørensen--DTZ)

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