Deutsche Tageszeitung - Verbände warnen: Grundsicherung verschärft soziale Not und Wohnungslosigkeit

Verbände warnen: Grundsicherung verschärft soziale Not und Wohnungslosigkeit


Verbände warnen: Grundsicherung verschärft soziale Not und Wohnungslosigkeit
Verbände warnen: Grundsicherung verschärft soziale Not und Wohnungslosigkeit / Foto: © AFP/Archiv

Anlässlich der Bundestagsdebatte zur neuen Grundsicherung haben Gewerkschaften sowie Wohlfahrts- und Sozialverbände die Reform scharf kritisiert. Die von der Koalition geplanten Verschärfungen brächten kaum Einsparungen, könnten Betroffene im schlimmsten Fall aber ihr Zuhause kosten, kritisierten die Verbände in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung. Anstatt Einsparungen im Sozialbereich vorzunehmen, müsse die Regierung vielmehr den "organisierten Steuerbetrug" in den Blick nehmen, der den Staat jährlich rund 100 Milliarden Euro koste.

Textgröße ändern:

Die Unterzeichner appellierten an die Bundestagsabgeordneten, den Gesetzentwurf im weiteren Verfahren zu korrigieren. "Verschärfte Sanktionen treiben Menschen in existenzielle Not, schlimmstenfalls in die Wohnungslosigkeit", warnte Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch. "Wer Menschen dauerhaft in Arbeit bringen und öffentliche Kassen entlasten will, sollte stattdessen in gute Arbeitsförderung und verlässliche Begleitung investieren."

Am Donnerstag debattiert der Bundestag erstmals über eines der Kernvorhaben der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Das bisherige Bürgergeld soll durch eine neue Grundsicherung ersetzt werden.

Ziel des neuen Gesetzes ist nach Angaben der Bundesregierung, mehr Menschen in Arbeit zu bringen und den Missbrauch von Sozialleistungen zu unterbinden. Sanktionen für so genannte Arbeitsverweigerer sollen verschärft werden, ihre Bezüge können ganz gestrichen werden. Mitwirkungspflichten sollen stärker eingefordert werden. Bei Verstößen drohen auch hier Sanktionen.

Die Sozialverbände kritisierten das. "Die verschärften Sanktionen der neuen Grundsicherung treffen Millionen Kinder und ihre Familien – und sie treffen Menschen, die zum Beispiel aufgrund von chronischen Erkrankungen ohnehin kaum Chancen auf soziale Teilhabe haben", erklärte AWO-Vorstandsmitglied Marvin Deversi.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Bürgergeldreform als "sozialen Rückschritt". Die neue Grundsicherung bringe "nicht einen Menschen in existenzsichernde Arbeit, sondern verschärft stattdessen Existenzängste und soziale Härten", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. "Die versprochenen Einsparungen sind reine Luftbuchungen. Der Haushalt lässt sich nicht auf dem Rücken der Ärmsten sanieren."

Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, warnte vor drastischen Folgen: "Die Kürzungen bei den Mietkosten würden auch Rentnerinnen und Rentner sowie Erwerbsgeminderte in der Grundsicherung treffen. Hier droht eine neue Dimension von Armut und Obdachlosigkeit."

Unterzeichnet wurde die Erklärung von AWO, Deutschem Gewerkschaftsbund, Deutschem Mieterbund, Diakonie Deutschland, Paritätischem Gesamtverband, Sozialverband Deutschland (SoVD), Sozialverband VdK, Verdi und Volkssolidarität.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Ministerpräsident Rhein will Tankrabatt bis ins Jahr 2027 laufen lassen

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) will den Tankrabatt über den Jahreswechsel hinaus bis ins Jahr 2027 laufen lassen. "Die Spritpreisbremse ist richtig, aber wir werden sie natürlich auch nach den drei Monaten brauchen", sagte Rhein dem Magazin "stern" laut einer Meldung vom Sonntag. "Wir müssen die Lebenshaltungskosten begrenzen."

Dröge plädiert für Dreierbündnis aus Grünen und SPD sowie Linken auf Bundesebene

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hat sich für eine Dreierkoalition ihrer Partei mit der SPD und den Linken auf Bundesebene ausgesprochen. "Grün-Rot-Rot wäre sich in vielen sozialen Fragen und hoffentlich auch beim Klimaschutz einig", sagte Dröge in einem Interview mit der "Zeit" laut Vorabmeldung vom Sonntag. "Wir könnten hier viel hinbekommen, und ein großer Teil des Landes würde sagen: Cool, endlich tut sich was."

Kanzler zu Besuch in Kiew: Unterstützung für die Ukraine trotz Drohungen aus Moskau

Massive deutsche Unterstützung für Kiew trotz neuer Drohungen aus Moskau: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist am Sonntag überraschend zu einem Besuch in der Ukraine eingetroffen. Merz, der von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) begleitet wurde, sicherte der Ukraine bei seiner Ankunft in Kiew "all unsere Unterstützung" zu. "Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns", warnte er. Erst am Vortag hatte Moskau Ausländer und Diplomaten davor gewarnt, die ukrainische Hauptstadt zu besuchen. Am Sonntag wurde nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko erneut eine Brücke in Kiew angegriffen.

Wahlen in Bosnien und Herzegowina haben begonnen

In Bosnien und Herzegowina haben am Sonntagmorgen die Wahlen begonnen. Die Bürgerinnen und Bürger des in einen serbischen und einen kroatisch-muslimischen Teilstaat geteilten Landes bestimmen das zentrale Parlament und die beiden regionalen Parlamente neu. Zudem wählen sie die Präsidenten der Teilrepubliken und das dreiköpfige Staatspräsidium des Zentralstaats. Die Präsidentschaft ist mit einem Kroaten, einem bosnischen Muslim und einem Serben besetzt.

Textgröße ändern: