Deutsche Tageszeitung - Karlspreis geht in diesem Jahr an früheren EZB-Chef Mario Draghi

Karlspreis geht in diesem Jahr an früheren EZB-Chef Mario Draghi


Karlspreis geht in diesem Jahr an früheren EZB-Chef Mario Draghi
Karlspreis geht in diesem Jahr an früheren EZB-Chef Mario Draghi / Foto: © AFP/Archiv

Der Karlspreis geht in diesem Jahr an den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) und Ex-Ministerpräsidenten Italiens, Mario Draghi. Das Karlspreis-Direktorium würdigte den 78-Jährigen mit dem Preis für sein Lebenswerk und seine Verdienste um Europa. Zugleich verband der Vorsitzende des Gremiums, der frühere nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), damit am Samstag auch einen Appell zur Umsetzung des "Draghi-Reports" zur Zukunft der Europäischen Union.

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"Mario Draghi hat in einer dramatischen Situation den Euro gerettet", sagte Laschet in Aachen. Der Preisträger habe zudem "Italien in einer Krisensituation stabilisiert und reformiert".

Der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums ging in seiner Begründung vor allem auf Draghis berühmte "Whatever it takes"-Worte während der Schuldenkrise 2012 ein. Mit seiner Aussage "Die Europäische Zentralbank wird alles tun, was nötig ist, um den Euro zu schützen" hatte der damalige EZB-Präsident die Finanzmärkte beruhigt.

"Sein Wort 'Whatever it takes' gilt heute mehr denn je", sagte Laschet. Es sei deshalb der Appell des Karlspreis-Direktoriums an die Regierungschefs Europas und die EU-Kommission: "Überwindet das Kleinklein, whatever it takes gilt jetzt für Wettbewerbsfähigkeit und Handlungsfähigkeit Europas." Diese müssten nun das umsetzen, was Draghi in seinem im Auftrag der EU erstellten Report gefordert habe.

Draghi hatte seinen Bericht 2024 an die EU-Kommission übergeben. Er fordert die EU darin zu massiven Investitionen in Wirtschaft, Verteidigung und Klimaschutz auf. Ohne höhere Produktivität könne Europa nicht "führend bei neuen Technologien, Leuchtturm der Klimaverantwortung und unabhängiger Akteur auf der Weltbühne", schreibt der Ex-EZB-Präsident in seinem Report.

Die Auszeichnung sei "ein unmissverständlicher Weckruf an die politischen Entscheidungsträger des Kontinents", erklärte das Karlspreis-Direktorium. "Europa muss in dieser Welt handlungsfähig sein, stark und souverän", betonte Laschet. Dazu brauche es sowohl Verteidigungsfähigkeit als auch wirtschaftliche Stärke. Die Frage der Wettbewerbsfähigkeit Europas sei deshalb "die entscheidende Frage in diesem Jahr 2026".

Draghi zeigte sich in einer Videobotschaft "sehr geehrt". Er forderte Europa auf, näher zusammenzurücken als je zuvor. "Wir müssen unsere inneren Konflikte und Schwächen überwinden und wirtschaftlich, militärisch und politisch stärker werden."

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) würdigte Draghi als "einen herausragenden Europäer und überzeugten Weltbürger". Ihn habe stets die Überzeugung geleitet, "dass nur ein wettbewerbsfähiges Europa sich den Herausforderungen der Zeit als selbstbewusster Akteur stellen kann", erklärte Wüst.

Draghi wurde 1947 in Rom geboren. Von 2011 bis 2019 war er Präsident der Europäischen Zentralbank, von 2021 bis 2022 italienischer Ministerpräsident. Zuvor war er unter anderem Wirtschaftsprofessor und Chef der italienischen Zentralbank.

Verliehen wurde der Karlspreis noch nicht. Dies erfolgt traditionell am Himmelfahrtstag und damit in diesem Jahr am 14. Mai, bei einem Festakt im historischen Aachener Rathaus.

Mit dem Karlspreis werden seit 1950 Persönlichkeiten oder Institutionen ausgezeichnet, die sich um Europa verdient machten. Zu den prominentesten Preisträgern zählen etwa der verstorbene Papst Franziskus, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Mit dem Preis ist seit vergangenem Jahr ein Preisgeld in Höhe von einer Million Euro verbunden, gestiftet von einem Aachener Unternehmer-Ehepaar. Unter Einbezug der Preisträger sollen mit dem Geld europäische Projekte unterstützt werden.

(P.Hansen--DTZ)

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