Deutsche Tageszeitung - DGB kündigt Widerstand gegen Sozialreformen an - und eigene Rentenkommission

DGB kündigt Widerstand gegen Sozialreformen an - und eigene Rentenkommission


DGB kündigt Widerstand gegen Sozialreformen an - und eigene Rentenkommission
DGB kündigt Widerstand gegen Sozialreformen an - und eigene Rentenkommission / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat Widerstand gegen die geplanten Sozialreformen der Bundesregierung angekündigt. DGB-Chefin Yasmin Fahimi warf der Regierung am Dienstag vor, eine "vergiftete Debatte über unseren Sozialstaat" losgetreten zu haben. Sie kündigte die Einberufung einer eigenen Rentenkommission an, die - in Konkurrenz zu der von der Bundesregierung einberufenen Kommission - bis zum Sommer eigene Vorschläge für eine Sicherung der Altersvorsorge vorlegen soll.

Textgröße ändern:

Fahimi zog bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz des DGB in Berlin ein kritisches Fazit der bisherigen Arbeit der Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): "Diese Bundesregierung setzt die falschen Prioritäten." Das von Merz formulierte Ziel einer Belebung der Wirtschaft lasse sich so nicht erreichen.

"Allerlei vermeintliche Erleichterung für die Wirtschaft durch Deregulierung und gleichzeitig zunehmend geforderte Erschwernisse und Kosten für die Beschäftigten sind kein Zukunftsprogramm und werden kein Wirtschaftswachstum schaffen", sagte Fahimi. "Die Debatten über die Lohnfortzahlung bei Krankheit, über längere Arbeitszeiten und ein höheres Rentenalter: Nichts davon hilft, die Auftragslage in der Wirtschaft zu verbessern und die Auftragsbücher wieder zu füllen."

Fahimi warf der Bundesregierung vor, falsche Schlüsse aus der aktuellen Wirtschaftsschwäche zu ziehen. "Die Beschäftigten sind nicht schuld an der Krise, Arbeitsrechte und der Sozialstaat sind nicht Ursache für die Wachstumsschwäche", sagte die DGB-Chefin. "Die Menschen spüren, dass sie zu Sündenböcken gemacht werden sollen, und sie sind es leid."

Mit seiner eigenen Rentenkommission wolle der DGB in der Debatte um Sozialreformen konkrete Alternativen aufzeigen. Die Kommission sei hochrangig besetzt und bestehe aus 13 Vertretern von Gewerkschaften, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und parteipolitischen Vertretern, sagte Fahimi.

"Die Zukunft der Alterssicherung darf nicht länger als technisches Rechenproblem behandelt werden", sagte die DGB-Chefin. "Sie ist eine zentrale Frage von sozialer Gerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt."

Die Kommission solle ein "überzeugendes Zukunftskonzept" ausarbeiten, "das einen Gegenpol setzt zur permanenten Krisen- und Verzichtserzählung in der Rentendebatte", sagte Fahimi. Im Sommer werde sie Vorschläge "für ein verständliches und tragfähiges Gesamtkonzept vorlegen - für eine auskömmliche Rente, solidarisch finanziert".

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Zweites Treffen: Rot-Grün-Rot in Berlin verständigt sich auf "gemeinsamen Weg"

Die Berliner Landesverbände von Linken, Grünen und SPD haben sich bei einem zweiten Treffen nach der Wahl "auf einen weiteren gemeinsamen Weg verständigt". Dies geht aus einer gleichlautenden Erklärung hervor, welche die drei Parteien am Samstag verbreiteten. "In der kommenden Woche werden wir die aktuellen Gespräche zu einem Ergebnis führen", hieß es darin weiter.

Bilanz mit pessimistischen Untertönen: Steinmeier warnt vor Gefahr für Demokratie

Besorgte Mahnungen zum Ende einer langen Amtszeit: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat wenige Monate vor seinem Ausscheiden aus dem Amt vor einer ernsthaften Gefährdung für Demokratie und Zusammenhalt in Deutschland gewarnt. In seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit beklagte Steinmeier am Samstag in Bremen eine "unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte", die an den Grundfesten des Staates rüttle. Er rief die Bundesregierung auf, trotz allen Widerstands ihren Reformkurs fortzusetzen.

Lettland wählt neues Parlament unter dem Eindruck russischer Bedrohung

In Lettland haben die Bürger am Samstag unter dem Eindruck der russischen Bedrohung und wachsender wirtschaftlicher Sorgen ein neues Parlament gewählt. Sicherheit und Verteidigung prägten den Wahlkampf in dem baltischen Staat ebenso wie steigende Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und Probleme im Gesundheitssystem. Die ersten Teilergebnisse wurden für Samstagabend erwartet, das vorläufige amtliche Ergebnis für Sonntag.

Grünen-Fraktionschefinnen erklären bisherige Strategie gegen AfD für gescheitert

Die Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion haben die bisherige Strategie ihrer Partei gegen die AfD für gescheitert erklärt und eine Kurskorrektur gefordert. "Alle bisherigen Versuche, der AfD etwas entgegenzusetzen, haben nicht gereicht", schrieben die Fraktionschefinnen Katharina Dröge und Britta Haßelmann in einem "Impulspapier", aus dem der "Spiegel" am Samstag zitierte. Für das Erstarken der in Teilen rechtsextremen AfD trügen alle demokratischen Parteien, auch die Grünen, Verantwortung.

Textgröße ändern: