Deutsche Tageszeitung - Deutschland und Italien drängen auf drastischen Bürokratieabbau in der EU

Deutschland und Italien drängen auf drastischen Bürokratieabbau in der EU


Deutschland und Italien drängen auf drastischen Bürokratieabbau in der EU
Deutschland und Italien drängen auf drastischen Bürokratieabbau in der EU / Foto: © AFP/Archiv

Vor den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen am Freitag in Rom haben sich Deutschland und Italien auf einen gemeinsamen Einsatz für mehr Wettbewerbsfähigkeit und deutlichen Bürokratieabbau in der EU geeinigt. Wie aus einem Positionspapier hervorgeht, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, fordern die Regierungen unter anderem eine drastische Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren und den Abbau von Hindernissen für den Handel zwischen den Mitgliedstaaten.

Textgröße ändern:

"Wir brauchen eine ehrgeizige Verringerung der regulatorischen Belastung für unsere Unternehmen", heißt es in dem englischsprachigen Papier. Berlin und Rom drängen demnach darauf, bei der Klausurtagung der EU-Staats- und Regierungschefs im Februar und dem EU-Gipfel im März eine Einigung auf eine "eindeutige Agenda und konkrete Verpflichtungen zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit" zu erzielen.

Unternehmen und Bürger in der EU sollten nach Ansicht Deutschlands und Italiens künftig kurzfristig verbindliche Verwaltungsentscheidungen erhalten. Bleibe eine Entscheidung einer Behörde aus, müsse ein Antrag künftig grundsätzlich automatisch als genehmigt gelten. Dies solle zum "neuen Standard" in Europa werden.

Von der EU-Kommission fordern Berlin und Rom künftig einen "strikten Grundsatz der Diskontinuität": in einer Legislatur begonnene Gesetzgebungsverfahren sollen daher automatisch mit dem Ende der Wahlperiode verfallen. Im deutschen Bundestag gilt dieser Grundsatz bereits, auf EU-Ebene nicht.

Gesetzesinitiativen, die nicht mehr den aktuellen politischen Zielen entsprächen, dürften nicht länger im EU-Gesetzgebungsverfahren verharren, heißt es in dem Positionspapier. Diese sogenannten "Zombie-Initiativen" müssten zurückgezogen werden. Zudem fordern Berlin und Rom die Möglichkeit einer "Notbremse" auf EU-Ebene, falls Gesetze die Gefahr einer zusätzlichen Belastung für Behörden oder Unternehmen mit sich brächten.

Insgesamt sehen beide Regierungen nach eigenen Angaben viel Spielraum nach oben im europäischen Binnenmarkt. Interne Handelshemmnisse wirkten laut Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) wie Zölle von 44 Prozent im Warenhandel und sogar mehr als 110 Prozent im Dienstleistungssektor, heißt es in dem Positionspapier.

Auch in der Wettbewerbspolitik drängen Deutschland und Italien auf Kursänderungen. Unternehmenszusammenschlüsse müssten stärker im globalen Kontext bewertet werden, um "europäische Champions" im internationalen Wettbewerb zu ermöglichen - ohne dabei jedoch den Verbraucherschutz auszuhöhlen.

Am Freitag reist Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gemeinsam mit mehreren Bundesministerinnen und -ministern zu den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen nach Rom; neben einem bilateralen Treffen mit Regierungschefin Giorgia Meloni ist eine gemeinsame Kabinettssitzung geplant. Neben Merz reisen unter anderen Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), Außenminister Johann Wadephul (CDU), Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sowie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in die italienische Hauptstadt.

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Vor erwarteten Friedensverhandlungen in Pakistan: USA und Iran erhöhen den Druck

Vor dem erwarteten Beginn der Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran in Pakistan haben beide Seiten den Druck erhöht. Der US-Vizepräsident und designierte Verhandlungsführer JD Vance warnte Teheran am Freitag vor seiner Abreise davor, "Spielchen zu spielen". Auf iranischer Seite bestand Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf darauf, dass noch vor Beginn der Gespräche ein Waffenstillstand im Libanon in Kraft treten und eingefrorene iranische Vermögenswerte freigegeben werden müssten.

Handfester Koalitionskrach um Entlastungen - Merz zählt Reiche an

Der Streit um Lösungen in der Energiepreiskrise hat sich zu einem handfesten Koalitionskrach ausgewachsen. Nachdem Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) offen auf Konfrontationskurs zu Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) gegangen war, wurde sie von Kanzler Friedrich Merz (CDU) angezählt. Merz sei "befremdet" über den Streit und mahne Reiche zur Zurückhaltung, wie aus seinem Umfeld verlautete. Die SPD warf Reiche koalitionsschädigendes Verhalten vor.

Streit um Energiepolitik: Merz kritisiert Reiche

Im Koalitionsstreit um die Energiepolitik hat Bundeskanzler Friedrich Merz Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (beide CDU) zur Zurückhaltung aufgefordert. Der Kanzler sei "befremdet" über den öffentlichen Schlagabtausch, hieß es am Freitag aus dem Umfeld des Bundeskanzlers. Merz mahne die Koalitionäre zur Geschlossenheit. Es gehe jetzt um das Land, nicht um Parteibefindlichkeiten.

Vance zu Iran-Friedensgesprächen nach Pakistan aufgebrochen

US-Vizepräsident JD Vance hat die USA am Freitag in Richtung Pakistan verlassen, wo er mit Vertretern aus Teheran über eine Friedenslösung im Iran-Krieg verhandeln will. "Wir werden versuchen, positive Verhandlungen zu führen", sagte Vance vor seinem Abflug vom Luftwaffenstützpunkt Joint Base Andrews vor den Toren der US-Hauptstadt Washington.

Textgröße ändern: