Deutsche Tageszeitung - Trump will Grönland nicht mit Gewalt einnehmen - fordert aber Kaufverhandlungen

Trump will Grönland nicht mit Gewalt einnehmen - fordert aber Kaufverhandlungen


Trump will Grönland nicht mit Gewalt einnehmen - fordert aber Kaufverhandlungen
Trump will Grönland nicht mit Gewalt einnehmen - fordert aber Kaufverhandlungen / Foto: © AFP

Im Streit um Grönland hat US-Präsident Donald Trump den Einsatz militärischer Gewalt zur Übernahme der Arktisinsel erstmals ausgeschlossen, zugleich aber den sofortigen Beginn von Verhandlungen zum "Kauf" Grönlands durch die USA gefordert. In seiner Rede vor dem Weltwirtschaftsforum am Mittwoch im schweizerischen Davos übte der US-Präsident darüber hinaus scharfe Kritik an Europa. Dänemarks Außenminister Lars Lökke Rasmussen bezeichnete Trumps Zusage des Gewaltverzichts als "positiv". Die US-Forderungen nach einer Einverleibung Grönlands spalten die Nato und dominieren in diesem Jahr das Weltwirtschaftsforum in Davos - Trump nahm erstmals seit 2020 wieder an dem Treffen teil.

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"Ich muss keine Gewalt anwenden, ich will keine Gewalt anwenden, ich werde keine Gewalt anwenden", sagte Trump in Davos mit Blick auf Grönland. In den vergangenen Wochen hatte er dagegen nicht ausgeschlossen, sich das zum Nato- und EU-Mitglied Dänemark gehörende autonome Gebiet notfalls mit Gewalt zu "nehmen".

Die USA mit ihrer "unaufhaltbaren Kraft" seien die einzigen, die Grönland ausreichend schützen könnten und bräuchten die Insel aus Gründen der nationalen und internationalen Sicherheit, sagte der US-Präsident in seiner Rede. Er fordere daher sofortige Verhandlungen, "um erneut über den Kauf Grönlands durch die Vereinigten Staaten zu diskutieren". Grönlands Schutzmacht Dänemark habe "die Wahl", drohte Trump: "Sie können Ja sagen, und wir werden das zu schätzen wissen. Oder Sie können Nein sagen, und das werden wir uns merken."

Dänemarks Außenminister Lars Lökke Rasmussen bezeichnete den von Trump verkündeten Gewaltverzicht im Anschluss als "positives Zeichen". Dennoch sei nach der Rede des US-Präsidenten klar, "dass die Ambitionen des Präsidenten unverändert bestehen bleiben", den USA Grönland einzuverleiben, sagte Rasmussen in Davos.

Die grönländische Regierung stellte indes am Mittwoch eine Broschüre vor, die der Bevölkerung Ratschläge für den Fall einer "Krise" gibt. Das Dokument sei "eine Sicherheitsvorkehrung" sagte Grönlands Selbstversorgungsminister Peter Borg nach Trumps Rede bei einer Pressekonferenz in Nuuk.

Trump hatte in den vergangenen Wochen immer wieder Anspruch auf Grönland erhoben. Acht europäischen Staaten einschließlich Deutschlands, die er als Gegner seiner Forderungen ausgemacht hat, drohte er Strafzölle an. Die Europäer hoffen, Trump mit Verhandlungen von seiner Zolldrohung abzubringen, zugleich bereitet die EU Gegenzölle vor. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen am Donnerstag bei einem Sondergipfel in Brüssel über das weitere Vorgehen beraten.

Mit Blick auf Europa sagte Trump bei seiner Rede in Davos, dieses entwickele sich "nicht in die richtige Richtung". Dies liege unter anderem an "unkontrollierter Massenmigration und endlosen Importen aus dem Ausland", sagte er. Europa sei "nicht wiederzuerkennen". Der US-Präsident bescheinigte Europa zudem einen "katastrophalen Zusammenbruch" der Energieversorgung. Dafür machte er allerdings nicht den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verantwortlich, sondern den Ausbau der Windkraft und anderer erneuerbarer Energien.

Deutschland etwa produziere dadurch deutlich weniger Strom als noch 2017, und die Energiepreise seien massiv gestiegen, sagte Trump weiter. Das sei allerdings "nicht die Schuld des derzeitigen Kanzlers" Friedrich Merz (CDU), betonte Trump: "Er löst das Problem."

Der Klimaschutz sei der "größte Betrug der Geschichte", bekräftigte der US-Präsident. Die USA hingegen seien in seinem ersten Amtsjahr wieder zur weltweiten Führungsmacht aufgestiegen: "Die USA sind der Wirtschafts-Motor des Planeten. Und wenn Amerika boomt, boomt die ganze Welt", sagte der US-Präsident.

Der Ukraine-Krieg rückte in Davos angesichts des Streits um Grönland in den Hintergrund. Trump sagte in seiner Rede, es sei Aufgabe der Nato und Europas, sich "um die Ukraine zu kümmern" - und nicht Aufgabe der USA. Die USA seien "sehr weit entfernt, ein großer und schöner Ozean trennt uns. Wir haben damit nichts zu tun", erklärte der US-Präsident. Für Donnerstag kündigte Trump ein Treffen mit mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Davos an. Zuvor hatte Trump von einem geplanten Treffen am Mittwoch gesprochen, was Kiew jedoch dementierte.

(B.Izyumov--DTZ)

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