Deutsche Tageszeitung - Vor erwarteter Grenzöffnung: Tote bei israelischen Angriffen im Gazastreifen

Vor erwarteter Grenzöffnung: Tote bei israelischen Angriffen im Gazastreifen


Vor erwarteter Grenzöffnung: Tote bei israelischen Angriffen im Gazastreifen
Vor erwarteter Grenzöffnung: Tote bei israelischen Angriffen im Gazastreifen / Foto: © AFP

Vor der erwarteten Wiedereröffnung des Grenzübergangs Rafah sind bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen nach Hamas-Angaben mindestens 32 Menschen getötet worden. Die meisten Toten seien Frauen und Kinder, teilte die von der radikalislamischen Palästinenserorganisation kontrollierte Zivilschutzbehörde am Samstag mit. Ägypten und Katar, die im Gaza-Krieg zwischen Israel und der Hamas vermittelt hatten, verurteilten die Angriffe und warnten vor weiteren Verstößen gegen die seit Oktober geltende Waffenruhe.

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Bei den israelischen Angriffen seien Wohnhäuser, Zelte, Notunterkünfte und eine Polizeistation getroffen worden, erklärte der Sprecher der Hamas-Zivilschutzbehörde, Mahmud Bassal. Dies sei eine "humanitäre Katastrophe". Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, wurde bei einem Angriff in der Stadt Gaza eine Wohnung in einem Haus im Stadtteil Rimal vollständig zerstört. Unter den Toten seien drei Mädchen, die in der Wohnung geschlafen hätten, sagte Samer al-Atbasch, ein Verwandter der Familie.

Auch eine Polizeistation in Gaza wurde getroffen. Dabei wurden der Polizeidirektion zufolge sieben Menschen getötet, neben Polizeibeamten und anderen Beschäftigten auch Zivilisten. Bei einem anderen israelischen Angriff wurde eine Notunterkunft in Al-Mawasi im Süden des Palästinensergebietes getroffen, wo zehntausende vertriebene Palästinenser in Zelten leben, wie ein AFP-Journalist berichtete. Über der Zeltstadt stiegen dichte Rauchwolken auf.

Die israelische Armee teilte mit, sie habe die Angriffe als Reaktion auf "Verstöße der Hamas gegen das Waffenruhe-Abkommen" geflogen. Konkret verwies Israel auf einen Vorfall am Freitag, bei dem acht militante Palästinenser aus einem Tunnel in Rafah im südlichen Gazastreifen gekommen seien. Bei den Luftangriffen am Samstag seien "vier Kommandeure und weitere Terroristen" der Hamas und des verbündeten Islamischen Dschihad getötet worden.

Seit dem 10. Oktober gilt im Gazastreifen eine fragile Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel. Beide Seiten werfen sich jedoch immer wieder Verstöße gegen die Vereinbarung vor. Israel pocht auf eine Entwaffnung der Hamas und die Zerstörung des von den Islamisten genutzten Tunnelsystems in dem Palästinensergebiet.

Nach Angaben der Hamas sind seit dem Inkrafttreten der Waffenruhe mehr als 500 Menschen bei israelischen Angriffen getötet worden. Die israelische Armee gibt die Zahl der in diesem Zeitraum im Gazastreifen getöteten israelischen Soldaten mit vier an.

Am Freitag hatte Israel angekündigt, den Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten am Sonntag eingeschränkt wieder zu öffnen. Die Ein- und Ausreise soll nach israelischen Angaben in beide Richtungen möglich sein, allerdings nur für den Personenverkehr und nach einer vorherigen Sicherheitsüberprüfung durch Israel.

Die Öffnung des seit Mai 2024 geschlossenen Grenzübergangs ist Teil des Waffenruhe-Abkommens. Rafah ist der einzige Grenzübergang aus dem Gazastreifen, der nicht nach Israel führt, und war früher auch für viele Hilfslieferungen genutzt worden. Die UNO und Hilfsorganisationen hatten schon seit langem eine Wiedereröffnung des Grenzübergangs gefordert, allerdings umfassender als nun von Israel angekündigt.

Wie AFP am Samstag an der Grenze erfuhr, sollen am Sonntag zunächst nur Verletzte über Rafah aus dem Gazastreifen ausreisen können. Nach weiteren Vorbereitungen und der Klärung logistischer Fragen ist eine reguläre Öffnung des Grenzübergangs demnach erst am Montag zu erwarten.

Ägypten und Katar verurteilten die israelischen Angriffe kurz vor der erwarteten Öffnung des Grenzübergangs. Das ägyptische Außenministerium kritisierte am Samstag "wiederholte Verstöße" Israels gegen die Waffenruhe und forderte die Konfliktparteien zu "äußerster Zurückhaltung" in dieser "heiklen Phase" auf. Katars Außenministerium kritisierte "wiederholte israelische Verstöße" gegen die Waffenruhe als "gefährliche Eskalation", was die internationalen Bemühungen "zur Festigung des Waffenruhe" untergrabe.

(M.Dorokhin--DTZ)

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