Deutsche Tageszeitung - Verfechterin von Frauenrechten: Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben

Verfechterin von Frauenrechten: Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben


Verfechterin von Frauenrechten: Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben

Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) ist tot. Sie starb am Sonntag im Alter von 88 Jahren, wie der Deutsche Bundestag mitteilte. Die CDU-Politikerin galt als engagierte Katholikin und Verfechterin von Frauenrechten. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) würdigte sie als "eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik". Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte Süssmuth eine "große Politikerin" und einen "Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen".

Textgröße ändern:

Süssmuth habe sich "lebenslang für Deutschland engagiert", erklärte Merz in Berlin. Das Land verdanke ihr viel. Als Bundesministerin und Präsidentin des Deutschen Bundestags sei sie "Vorbild und auch Vorkämpferin, nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen" gewesen. Sie habe "beispielhaft" für eine moderne und offene Gesellschaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt, betonte Merz.

Die in Wuppertal geborene Süssmuth kam als Seiteneinsteigerin in die Politik. Erst 1981 trat die damals 44-jährige Professorin für Erziehungswissenschaft in die CDU ein. Bereits 1985 wurde sie dann überraschend Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit im Kabinett von CDU-Kanzler Helmut Kohl. In dem 1986 um den Bereich Frauen erweiterten Ressort machte sie schnell durch eine liberale Linie in der Frauen- und Abtreibungspolitik von sich reden.

"Als Parlamentarierin und Bundesministerin war Rita Süssmuth eine leidenschaftliche Vordenkerin in der Frauen- und Familienpolitik und trieb die Gleichberechtigung von Frauen voran", erklärte Klöckner. Bis zuletzt habe sich Süssmuth "mit scheinbar unbegrenzter Energie" für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten eingesetzt. "Ihr Elan und ihre Beharrlichkeit haben zahllose Menschen in Deutschland beeindruckt - und auch inspiriert", betonte Klöckner.

Von 1988 bis 1998 war Süssmuth Präsidentin des Deutschen Bundestages - als erst zweite Frau in diesem Amt. Klöckner erklärte, in dieser Position habe Süssmuth den deutschen Einigungsprozess mitgestaltet. Von 1987 bis 1998 war Süssmuth Mitglied im Präsidium der CDU.

Nicht nur in politischen Funktionen, auch beim Umgang mit der damals gerade aufkommenden Immunschwächekrankheit Aids setzte Süssmuth eigene Akzente. Leidenschaftlich kämpfte sie gegen die Ausgrenzung der Erkrankten. Sie war seit langem Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung.

Klöckner erklärte am Sonntag, Süssmuths Politik gegen die Immunschwächekrankheit Aids sei "bahnbrechend" gewesen. Süssmuth habe sich entschieden gegen jede Form der Ausgrenzung gewandt und die Grundlage für die erfolgreiche HIV-Prävention in Deutschland gelegt.

Heftige Vorwürfe aus den eigenen Reihen brachte Süssmuth ein, dass sie im Jahr 2000 unter der rot-grünen Bundesregierung von Gerhard Schröder den Vorsitz der nach ihr benannten Süssmuth-Kommission zur Zuwanderung übernahm. Die von ihr mitentwickelten Ideen zur Migationspolitik und Vorschläge unter anderem für Zuwanderung aus demografischen Gründen aber nie vollständig umgesetzt.

In den vergangenen Jahren setzte sie sich Süssmuth weiterhin öffentlich für die Belange von Frauen ein und für ein Ende des Krieges in der Ukraine.

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Stichwahlen um kommunale Spitzenposten in Niedersachsen

Zwei Wochen nach der Kommunalwahl in Niedersachsen finden am Sonntag (08.00 Uhr) Stichwahlen um Oberbürgermeisterposten und andere Spitzenämter statt. In der Landeshauptstadt Hannover tritt Grünen-Amtsinhaber Belit Onay gegen SPD-Kandidat Axel von der Ohe an. In der Stichwahl zum Präsidenten der Region Hannover treffen SPD-Bewerberin Eva Bender und CDU-Kandidat Oliver Junk aufeinander. Onay und Bender siegten in der ersten Runde jeweils klar, verpassten aber absolute Mehrheiten.

Papst Leo XIV. besucht Pilgerort Lourdes - Treffen mit Missbrauchsopfern

Am dritten Tag seiner Frankreich-Reise besucht Papst Leo XIV. am Sonntag den Pilgerort Lourdes. Dort wird er auch mit sieben Menschen zusammentreffen, die in ihrer Kindheit Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester oder Lehrer an katholischen Schulen wurden (18.00 Uhr). Die katholische Kirche in Frankreich bemüht sich seit Jahren um die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, deren Zahl eine unabhängige Kommission seit 1950 auf 330.000 geschätzt hat.

Schweizer stimmen über Stärkung der Neutralität ab

Die Wähler in der Schweiz stimmen am Sonntag in einem Volksentscheid über den Vorschlag einer Initiative ab, die eine strengere Definition des Schweizer Neutralitätsgrundsatzes durchsetzen will. Zwar ist die Neutralität bereits in der Schweizer Verfassung verankert, die Initiative "Wahrung der Schweizer Neutralität" beklagt aber, dass Bern seinen Nichteinmischungsgrundsatz durch die Übernahme der EU-Sanktionen gegen Russland aufgeweicht habe.

Hessischer Ministerpräsident Rhein fordert Fortsetzung der "Stadtbild"-Debatte

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat nach den jüngsten Wahlerfolgen der AfD eine Fortsetzung der von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angestoßenen "Stadtbild"-Debatte gefordert. "Da sind wir wieder bei einem Thema - und das ist das Stadtbild", sagte Rhein der "Bild am Sonntag". Die von Merz angestoßene Debatte sei "richtig" gewesen. "Doch, wir müssen es diskutieren und wir müssen dann am Ende auch Lehren daraus ziehen."

Textgröße ändern: