Deutsche Tageszeitung - Frankreichs Haushalt kurz vor der Verabschiedung

Frankreichs Haushalt kurz vor der Verabschiedung


Frankreichs Haushalt kurz vor der Verabschiedung
Frankreichs Haushalt kurz vor der Verabschiedung / Foto: © AFP/Archiv

Nach vier Monaten heftiger Debatten könnte Frankreich am Montag seinen Haushalt für das laufende Jahr bekommen. Wenn die Regierung wie erwartet in der Nationalversammlung zwei Misstrauensvoten übersteht, ist das Gesetz verabschiedet. Das Budget sieht erhöhte Verteidigungsausgaben vor und soll das Defizit auf unter fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken.

Textgröße ändern:

Premierminister Sébastien Lecornu hatte am Freitag die Verabschiedung des Haushalts ohne abschließende Abstimmung mit Hilfe des Verfassungsparagrafen 49.3 eingeleitet. Ursprünglich hatte er sich verpflichtet, auf dieses Verfahren zu verzichten. Als sich nach monatelangen Verhandlungen kein Kompromiss abzeichnete, griff er dennoch auf den Paragrafen 49.3 zurück. Dieser ermöglicht die Verabschiedung, wenn die Regierung anschließende Misstrauensvoten übersteht.

Um den Sturz der Regierung zu verhindern, hatte Lecornu den Sozialisten mehrere Zugeständnisse gemacht. Damit hatte er erreicht, dass die Sozialisten, auf deren Stimmen es angekommen wäre, die Misstrauensanträge nicht unterstützten.

Sowohl das linke Lager - ohne die Sozialisten - als auch die rechtspopulistische Fraktion des Rassemblement National (RN) hatten am Freitag je einen Misstrauensantrag eingereicht. Darüber debattiert die Nationalversammlung ab 17.00 Uhr. Mit einer Abstimmung wird am Abend gerechnet. Wenn die Anträge wie erwartet nicht die Mehrheit von 289 Stimmen erreichen, ist das Haushaltsgesetz damit verabschiedet.

RN-Regierungschefin Marine Le Pen warf dem Regierungschef vor, "die Sozialisten gekauft" zu haben und damit das Defizit weiter zu verschlimmern. Der Chef des Rechnungshofs, Pierre Moscovici, zeigte sich "erleichtert", dass Frankreich endlich einen Haushalt bekomme. Dieser werde allerdings nicht schnell genug zu einer Verringerung des Defizits führen, warnte er.

Lecornu hatte das Haushaltsdefizit ursprünglich auf 4,7 Prozent verringern wollen, nach der jüngsten Fassung liegt das Ziel bei unter fünf Prozent, aber immer noch deutlich über der EU-Obergrenze von drei Prozent. 2025 hatte das Defizit bei 5,4 Prozent gelegen.

Als Zugeständnis an die Sozialisten gilt das Beibehalten einer Sondersteuer für große Unternehmen, die Lecornu eigentlich abschaffen wollte. Zudem soll Mensa-Essen weiter subventioniert werden, so dass alle Studierenden Mahlzeiten für einen Euro erhalten können.

Frankreich steht angesichts einer Rekordverschuldung von 117 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) unter Druck, seine Staatsfinanzen zu sanieren.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Modschtaba Chamenei: Der Iran hat den Krieg "nicht gesucht"

Der oberste iranische Führer Modschtaba Chamenei hat in einer ihm zugeschriebenen schriftlichen Botschaft erklärt, der Iran wolle keinen Krieg gegen Israel und die USA. "Wir haben den Krieg nicht gesucht und wir wollen ihn nicht", hieß es in der am Donnerstag im iranischen Staatsfernsehen verlesenen Erklärung. "Aber wir werden in keinem Fall auf unsere legitimen Rechte verzichten", fügte Chamenei hinzu.

Kreise: Israel und Libanon wollen nächste Woche in Washington verhandeln

Israel und der Libanon wollen in der kommenden Woche in Washington Gespräche unter Vermittlung der USA führen. Ein Mitarbeiter des US-Außenministeriums bestätigte am Donnerstag, dass es ein Treffen geben werde, "um die laufenden Waffenruheverhandlungen mit Israel und dem Libanon zu erörtern". Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte direkte Gespräche mit dem Libanon in Aussicht gestellt.

Selenskyj: Ukraine ist bereit für Oster-Feuerpause

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat die Bereitschaft seines Landes für eine vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigte Feuerpause in der Ukraine für die orthodoxen Ostertage signalisiert. "Die Ukraine hat wiederholt deutlich gemacht, dass wir bereit sind, Gegenmaßnahmen zu ergreifen", erklärte Selenskyj am Donnerstag in Onlinediensten. Kiew habe eine solche Feuerpause für die Ostertage vorgeschlagen und werde "entsprechend handeln".

Ausnahmeregelung: Genehmigungspflicht für Auslandsreisen soll wegfallen

Keine Genehmigungspflicht mehr für Auslandsreisen: Das Bundesverteidigungsministerium hat am Donnerstagabend "klarstellende Regelungen" zu der im neuen Wehrdienst-Gesetz festgeschriebenen Regelung angekündigt. Damit werde "auch formal klar geregelt: Jeder Mann darf frei reisen", erklärte das Ministerium. Dies werde mittels Allgemeinverfügung im Bundesanzeiger und interner Verwaltungsvorschrift klargestellt.

Textgröße ändern: