Deutsche Tageszeitung - Rechnungshof sieht Milliardenverschwendung bei Gesetz für schnellere Arzttermine

Rechnungshof sieht Milliardenverschwendung bei Gesetz für schnellere Arzttermine


Rechnungshof sieht Milliardenverschwendung bei Gesetz für schnellere Arzttermine
Rechnungshof sieht Milliardenverschwendung bei Gesetz für schnellere Arzttermine / Foto: © AFP/Archiv

Der Bundesrechnungshof hat eine Milliardenverschwedung bei Vergütungsregelungen gerügt, die für schnellere Arzttermine sorgen sollten. Das 2019 eingeführte Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) habe für Mehrausgaben bei der gesetzlichen Krankenversicherung von 2,9 Milliarden Euro bis Mitte 2024 gesorgt, heißt es in einem am Donnerstag bekannt gewordenen Bericht des Rechnungshofs. Die Wartezeiten für gesetzlich Versicherte hätten sich aber nicht verkürzt, das Gesetz habe damit sein Ziel "verfehlt".

Textgröße ändern:

Mit dem TSVG wurde Ärztinnen und Ärzten in bestimmten Fällen eine zusätzliche extrabudgetäre Vergütung gewährt. Dies sollte den Zugang gesetzlich Versicherter zur ambulanten Versorgung verbessern und Wartezeiten reduzieren. Ein verbesserter Zugang sei aber "nicht erkennbar", kritisieren die Rechnungsprüfer in ihrem Bericht an den Bundestags-Haushaltsausschuss vom Donnerstag.

Zudem sei die durchschnittliche Wartezeit für einen Facharzttermin für gesetzlich Versicherte von 33 Tagen 2019 auf 42 Tage im Jahr 2024 gestiegen. Krankenkassen müssten zugleich "mit zunehmender Doppelfinanzierung und Mehrausgaben rechnen".

Der Bundesrechnungshof empfiehlt deshalb, "die bestehenden TSVG-Vergütungsregelungen ersatzlos zu streichen". Das Bundesgesundheitsministerium will die Regelungen laut Bericht erst mit Einführung des Primärarztsystems überprüfen. Das ist dem Rechnungshof jedoch zu spät: "Ein weiteres Abwarten ist nicht hinnehmbar", heißt es im Bericht.

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Paula Piechotta nannte das gerügte Terminservice- und Versorgungsgesetz "ein weiteres Beispiel für die kurzsichtige Gesundheitspolitik aus der Amtszeit von Jens Spahn". Piechotta fügte hinzu: "In einer Phase guter Kassenlage wurden unüberlegte Regelungen beschlossen, die heute Milliarden an Beitragsgeldern verschlungen haben."

Spahn habe mit dem Gesetz "den Patienten nicht geholfen, sondern ihre Wege länger gemacht und Milliarden Kassengeld ohne Mehrwert zum Fenster rausgeworfen", kritisierte Piechotta. Unionsfraktionschef Spahn (CDU) war 2019 Bundesgesundheitsminister. Aktuelle Amtsinhaberin ist Nina Warken (CDU).

Diese will die ambulante Versorgung der Patientinnen und Patienten mit einem Primärarztsystem verbessern. Der Hausarzt soll demnach künftig die erste Anlaufstation sein, auch vor dem Facharztbesuch. Einen ersten Gesetzentwurf dazu will Warken bis zum Sommer vorlegen.

(W.Budayev--DTZ)

Empfohlen

Trump: Brauche Wahlsiege "für mein Ego"

Wahlsiege dienen US-Präsident Donald Trump nach eigenen Worten zur Selbstbestätigung. Er brauche sie für sein "Ego", sagte Trump am Donnerstag bei einer Rede in Washington. Er wiederholte zudem seine wahrheitswidrige Behauptung, der Demokrat Joe Biden sei 2020 unrechtmäßig Präsident geworden.

Ukraine-Gespräche in Abu Dhabi: USA und Russland nehmen Militärdialog wieder auf

Nach mehr als vier Jahren Pause haben die USA und Russland eine Wiederaufnahme ihres Militärdialogs vereinbart. Ein solcher Austausch zwischen den Armeen befördere "mehr Transparenz und Deeskalation", teilte das Europäische Kommando der US-Streitkräfte am Donnerstag mit, nachdem sich Vertreter Washingtons und Moskaus bei den Ukraine-Gesprächen in Abu Dhabi darauf geeinigt hatten. Über mögliche Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau wurde indes bis auf einen weiteren vereinbarten Gefangenenaustausch nichts bekannt.

"Deutschlandtrend": SPD legt auf 15 Prozent zu - Union weiter vorne

Die Union verliert im neuen "Deutschlandtrend" der ARD zwei Prozentpunkte, der Koalitionspartner SPD kann zugleich zwei Punkte zulegen. Vorne liegen CDU und CSU in der am Donnerstagabend veröffentlichten Umfrage mit 26 Prozent aber immer noch. Dahinter folgt mit 24 Prozent weiterhin die AfD, die allerdings im Vergleich zum "Deutschlandtrend" im Januar einen Punkt verliert.

Merz würdigt Golfstaaten bei Reise als "zuverlässige Kooperationspartner"

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Golfstaaten bei seiner Reise in die Region als "zuverlässige Kooperationspartner" gewürdigt und eine engere Rüstungskooperation in Aussicht gestellt. Merz sagte am Donnerstag in Katars Hauptstadt Doha, Länder wie Katar und Saudi-Arabien könnten sich "darauf verlassen, dass wir auch in der Rüstungszusammenarbeit etwas intensiver arbeiten als in den letzten Jahren". Das liege im "gegenseitigen Interesse".

Textgröße ändern: