Deutsche Tageszeitung - Deutschland verbessert sich in Korruptions-Index - Kritik an "Bürokratieabbau"

Deutschland verbessert sich in Korruptions-Index - Kritik an "Bürokratieabbau"


Deutschland verbessert sich in Korruptions-Index - Kritik an "Bürokratieabbau"
Deutschland verbessert sich in Korruptions-Index - Kritik an "Bürokratieabbau" / Foto: © AFP/Archiv

Deutschland hat sich im jährlichen Korruptionsindex von Transparency International im globalen Vergleich verbessert - vor allem aber deshalb, weil andere Länder abstiegen. Die Bundesrepublik liegt in dem am Dienstag veröffentlichten Ranking zur Korruptionswahrnehmung 2025 auf Platz 10 von 182 erfassten Staaten. Im Vergleich zum Vorjahr ging es damit um fünf Ränge aufwärts. Auf Platz eins liegt weiterhin Dänemark mit der geringsten wahrgenommen Korruption.

Textgröße ändern:

Die Nichtregierungsorganisation nannte die Verbesserung Deutschlands "auf den ersten Blick begrüßenswert". Es sei "jedoch kein Grund, sich zurückzulehnen". Denn der Aufstieg erkläre sich in erster Line aus dem Abstieg anderer Länder wie Australien, Irland, und Uruguay. Der Zehnjahresvergleich zeige auch, dass die Bundesrepublik in der Korruptionsbekämpfung zurückfalle: Hier ging es in der Transparency-Punktewertung von 81 Punkten 2016 auf 77 im Jahr 2025 runter.

"Für Deutschland muss sogar ein weiterer Abwärtstrend befürchtet werden", erklärte die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Alexandra Herzog. "Unter dem Schlagwort vom 'Bürokratieabbau' werden hier teilweise zentrale Kontrollmechanismen gegen Korruption abgebaut." Das zeigt sich vor allem beim Vergaberecht, das durch ein beschlossenes Gesetze zur Beschaffungsbeschleunigung der Bundeswehr und das geplante Vergabebeschleunigungsgesetz stark beschnitten werde.

Herzog betonte: "Dabei wäre in Anbetracht der in den vergangenen Jahren beschlossenen Sondervermögen ein Mehr an Transparenz (und Rechenschaft) notwendig, um Korruption, Günstlings- und Misswirtschaft wirksam zu beschränken, Wettbewerb zu ermöglichen und Schutzmechanismen zu stärken."

Auf den obersten Rängen des Rankings sind Staaten aus Nord- und Mitteleuropa besonders stark vertreten. Auf das erstplatzierte Dänemark folgen Finnland, Singapur, Neuseeland, Norwegen, Schweden, die Schweiz, Luxemburg, Niederlande - und dann auf Platz 10 Deutschland.

Am Ende stehen Länder, die von einem Zerfall der staatlichen Institutionen, von Krieg und Konflikten geprägt sind. Schlusslicht ist der Südsudan. Davor liegen Somalia, Venezuela, Jemen, Libyen, Eritrea und Sudan.

Insgesamt zieht Transparency aber ein negatives Fazit: "Korruption nimmt weltweit zu", urteilte die Organisation. So habe es vor zehn Jahren noch zwölf Länder mit über 80 Punkten gegeben, heute seien es nur noch fünf. Der globale Durchschnitt habe mit 42 Punkten nun den tiefsten Wert seit über zehn Jahren erreicht.

"Besonders beunruhigend ist, dass von diesem negativen Trend auch gefestigte Demokratien, also Länder mit eigentlich robusten Antikorruptionsstrukturen betroffen sind", erklärte Herzog dazu. "In Ländern, in denen Rechtsextreme und populistische Parteien an die Macht gekommen sind, werden Schutzmechanismen gegen Korruption meist massiv abgebaut."

Dort, wo der Rechtsstaat geschwächt, die Freiheit der Medien und der Zivilgesellschaft beschnitten würden, breite sich Korruption aufgrund fehlender Kontrollinstanzen rasch aus. Das zeigt sich besonders deutlich in Ungarn, betonte Herzog. Das Land sei im Ranking weiter abgestiegen - auf die bisher niedrigste Punktzahl innerhalb der EU.

Der Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International ist der weltweit bekannteste Korruptionsindikator. Er umfasst 182 Staaten und Gebiete und bewertet den Grad der in Politik und Verwaltung wahrgenommenen Korruption. Der Index beruht auf der Einschätzung von Expertinnen und Experten sowie Führungskräften.

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Für Schutz von Jill Biden zuständiger Secret-Service-Beamter schießt sich ins Bein

Ein für den Schutz der ehemaligen US-First Lady Jill Biden zuständiger Mitarbeiter des Secret Service hat sich bei einem Einsatz versehentlich selbst ins Bein geschossen. Das Unglück ereignete sich, als der Secret-Service-Beamter die Frau von Ex-Präsident Joe Biden durch den Internationalen Flughafen von Philadelphia eskortierte, wie ein mit dem Vorfall vertrauter Beamter der Nachrichtenagentur AFP am Freitag mitteilte.

Rubio äußert sich nach G7-Treffen nur verhalten zur US-Strategie

Die G7-Außenminister haben einen sofortigen Stopp der Angriffe auf die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur im Iran-Krieg gefordert. Nichts rechtfertigte es, Zivilisten ins Visier zu nehmen oder diplomatische Einrichtungen anzugreifen, betonten die Minister, darunter auch US-Außenminister Marco Rubio, am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung nach einem Treffen bei Paris. Es war Rubios erste Auslandsreise seit Beginn des Krieges vor rund einem Monat. Der US-Außenminister stellte dabei ein Ende des Iran-Kriegs in "den nächsten Wochen" in Aussicht.

Iran-Krieg: Teheran droht mit Angriffen auf Hotels von US-Soldaten

Rund einen Monat nach Kriegsbeginn hat der Iran mit weiteren Angriffen auf US-Ziele in der Golfregion gedroht. Die iranischen Revolutionsgarden riefen Zivilisten in der Region am Freitag auf, sich von US-Einrichtungen fernzuhalten. Die Armee drohte mit Angriffen auf Hotels, die US-Soldaten beherbergen. Die G7-Außenminister forderten unterdessen ein Ende von Angriffen auf Zivilisten. Israel griff unterdessen zwei Atomanlagen im Iran an.

Wahl in Baden-Württemberg: Amtliches Ergebnis bringt keine Änderungen mehr

Knapp drei Wochen nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg steht das amtliche Endergebnis fest. Änderungen gegenüber dem vorläufigem Ergebnis gab bei den Zweitstimmenanteilen nach Feststellungen der Wahlausschüsse in den 70 Wahlkreisen nicht, wie Landeswahleiterin Cornelia Nesch am Freitag in Stuttgart mitteilte. Die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir gewannen mit 30,2 Prozent vor der CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel, die bei dem Urnengang am 8. März auf 29,7 Prozent kam.

Textgröße ändern: