Deutsche Tageszeitung - Olympia: Ukrainischer Sportler will Gedenkhelm trotz IOC-Verbots tragen

Olympia: Ukrainischer Sportler will Gedenkhelm trotz IOC-Verbots tragen


Olympia: Ukrainischer Sportler will Gedenkhelm trotz IOC-Verbots tragen
Olympia: Ukrainischer Sportler will Gedenkhelm trotz IOC-Verbots tragen / Foto: © AFP

Der Helm eines ukrainischen Athleten mit den Porträts von im russischen Angriffskrieg getöteten Sportlern seines Landes sorgt für heftigen Streit bei Olympia: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbot Wladislaw Heraskewytsch am Dienstag das Tragen des Helmes und begründete dies mit den Richtlinien zu "politischen Symbolen". Der Skeleton-Fahrer kündigte dessen ungeachtet am Abend an, den Helm im Wettkampf tragen zu wollen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verteidigte den Athleten.

Textgröße ändern:

Der Skeleton-Fahrer hatte den Gedenkhelm während eines Trainings in Cortina d'Ampezzo auf und wollte ihn bei den Winterspielen in Italien weiterhin tragen, um an den seit bald vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg gegen sein Land zu erinnern. Auf dem Helm sind Porträts ukrainischer Athleten zu sehen, die seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 getötet wurden.

IOC-Sprecher Mark Adams erklärte aber am Dienstag, dass der Helm gegen die Richtlinien zu "politischen Symbolen" bei den Olympischen Spiele verstoße. Zugleich wolle das IOC aber eine Ausnahme machen und Heraskewytsch erlauben, eine schwarze Armbinde zu tragen. Das IOC habe versucht, "mit Mitgefühl und Verständnis" auf Heraskewytschs Wünsche einzugehen, sagte Adams. "Wir werden ihn nicht abhalten, sich bei Pressekonferenzen (...) und anderswo zu äußern, und wir halten dies für einen guten Kompromiss in dieser Situation."

Heraskewytsch war neben der Eisschnellläuferin Jelysaweta Sydorko der Fahnenträger seines Landes beim traditionellen Einlaufen der Mannschaften bei der Olympia-Eröffnung. Der 27-Jährige erklärte zunächst, das Verbot breche ihm das Herz. Auf einer Pressekonferenz am Abend kündigte er dann an, auch im Wettkampf mit dem umstrittenen Helm anzutreten.

"Ich habe ihn bei den Testfahrten genutzt, ich habe ihn gestern genutzt, ich habe ihn heute genutzt, ich werde ihn morgen nutzen und ich werde ihn am Renntag nutzen", sagte Heraskewytsch in Cortina d'Ampezzo. Der Skeleton-Wettbewerb findet am Donnerstag und Freitag statt.

Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte den Athleten seines Landes zuvor in Schutz genommen. "Ich danke dem Fahnenträger unserer Nationalmannschaft bei den Olympischen Winterspielen, Wladislaw Heraskewytsch, dafür, dass er die Welt an den Preis unseres Kampfes erinnert hat", erklärte er im Onlinedienst X. "Diese Wahrheit kann nicht unbequem oder unangemessen sein oder als 'politische Demonstration bei einer Sportveranstaltung' bezeichnet werden. Sie ist eine Erinnerung für die ganze Welt daran, was das moderne Russland ist."

Nach Angaben des ukrainischen Sportministers Matwyj Bidnyj wurden in der Ukraine "mehr als 650 Sportler und Trainer" im Krieg getötet.

Bei Olympia sind politische Gesten an Wettkampfstätten oder auf dem Medaillenpodest verboten. Sportler dürfen jedoch ihre Meinung in Pressekonferenzen und in Onlinediensten äußern.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

Spaniens Ministerpräsident weist Korruptionsvorwurf zurück - und lehnt Neuwahlen ab

Nach einer Reihe von Justizverfahren in seinem persönlichen und politischen Umfeld hat Spaniens Ministerpräsident Vorwürfe "weit verbreiteter" Korruption zurückgewiesen. "Bestimmte politische und mediale Akteure versuchen, alles zu vermischen, alles gleichzusetzen und damit die Menschen zu verwirren, um den Eindruck einer weit verbreiteten Korruption zu erzeugen", kritisierte Sánchez am Mittwoch in einer Ansprache vor dem Parlament in Madrid. Forderungen der rechten Oppositionsparteien nach Neuwahlen lehnte er ab.

Mögliche Sabotagepläne für deutsche Gasversorgung: Razzia in Zusammenhang mit Gazprom

Wegen möglicher Sabotagepläne für die deutsche Gasversorgung ermittelt der Generalbundesanwalt. Am Mittwoch wurden in dem Zusammenhang nach Angaben der Karlsruher Behörde Räumlichkeiten in Berlin und Frankfurt am Main durchsucht. Der Verdacht hängt mit der früheren Berliner Gazprom-Tochter zusammen.

Ölpreis sinkt weiter - Schiffsverkehr durch Straße von Hormus legt zu

Immer mehr Schiffe durchqueren die Straße von Hormus, in der Folge sinken auch die Ölpreise. Am Mittwoch fiel der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent erstmals seit dem US-israelischen Angriff auf den Iran Ende Februar auf unter 75 Dollar. Die Zahl der Schiffspassagen durch die Straße von Hormus ist seit der Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran gestiegen, auch wenn das Verkehrsaufkommen laut Daten des Dienstleisters Kpler weiterhin unter dem Vorkriegsniveau liegt.

Ukrainische Angriffe treffen erneut Krim und russische Regionen - Stromausfall in Sewastopol

Die Ukraine hat erneut heftige Angriffe auf die von Russland annektierte Krim geflogen. In Sewastopol, der größten Stadt der Schwarzmeer-Halbinsel, fiel infolge der Attacken der Strom aus. Laut dem ukrainischen Geheimdienst SBU richteten sich die Angriffe gegen Luftabwehrsysteme und Militärflugplätze. Bei ukrainischen Drohnenangriffen auf mehrere russische Regionen wurden nach Behördenangaben vom Mittwoch zudem drei Menschen getötet.

Textgröße ändern: