Deutsche Tageszeitung - Kiew boykottiert Paralympics wegen russischer Sportler unter russischer Flagge

Kiew boykottiert Paralympics wegen russischer Sportler unter russischer Flagge


Kiew boykottiert Paralympics wegen russischer Sportler unter russischer Flagge
Kiew boykottiert Paralympics wegen russischer Sportler unter russischer Flagge / Foto: © AFP/Archiv

Wegen der Starterlaubnis für russische Athleten unter russischer Flagge bei den Paralympics will die ukrainische Regierung das Sport-Großereignis im März boykottieren. "Wir werden nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen", erklärte der ukrainische Sportminister Matwiy Bidny am Mittwoch. "Wir werden an keinen anderen offiziellen paralympischen Veranstaltungen mitwirken." Die Entscheidung der Organisatoren der Paralympics, "Mördern und ihren Komplizen die Teilnahme an den Paralympischen Spielen unter nationaler Flagge" zu gestatten, sei "sowohl enttäuschend als auch empörend".

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Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief zudem andere Staaten auf, der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele der Sportlerinnen und Sportler mit körperlicher Behinderung am 6. März in Italien fernzubleiben. Der für Sport zuständige EU-Kommissar Glenn Micallef erklärte bereits, nicht an der Eröffnungsfeier teilzunehmen. "Ich tue das mit Respekt für die Athleten, aber mit Klarheit über die Prinzipien, die auf dem Spiel stehen", erklärte Micallef im Kurzbotschaftendienst X. Während der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine weitergehen, dürften nicht nationale Symbole, Fahnen und Nationalhymnen wieder zugelassen werden, die "untrennbar mit diesem Konflikt" verbunden seien.

Zuvor hatte das Internationale Paralympische Komitee (IPC) mitgeteilt, dass sechs russische Sportlerinnen und Sportler bei den Paralympics unter russischer Flagge antreten dürfen. Dies war russischen Athleten wegen des Angriffskriegs in der Ukraine zuletzt nicht erlaubt.

Hintergrund ist eine Entscheidung der IPC-Generalversammlung: Sie hatte im September vergangenen Jahres überraschend die Suspendierung gegen Russland aufgehoben - damit dürfen russische Sportlerinnen und Sportler bei den Paralympics in Norditalien unter eigener Flagge starten. Nun erhielten sechs russische Sportlerinnen und Sportler das Startrecht für die vom 6. bis 15. März stattfindenden Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo. Auch vier belarussische Athleten dürfen unter der Fahne ihres Landes antreten.

Russland und Belarus - ein enger Verbündeter Russlands - waren seit den Winterspielen 2022 in Peking ausgeschlossen gewesen. Bei den derzeit laufenden Olympischen Spielen in Italien nehmen Sportler der beiden Länder nur als neutrale Athleten und ohne Landesflagge teil.

Bei den Paralympics werden nun vier Russen und zwei Russinnen unter russischer Flagge teilnehmen. Nach Informationen des ukrainischen Senders Suspilne ist keiner dieser sechs russischen Sportler ein früherer Soldat.

Die Führung des Paralympischen Komitees der Ukraine hat trotz des Streits um die Teilnahme der russischen Athleten einen Boykott der Winterspiele ausgeschlossen. Es wird also lediglich einen politischen und keinen sportlichen Boykott geben. Die Ukraine erzielt bei den Paralympics häufig sehr gute Ergebnisse.

Der Ukraine-Krieg hat wiederholt einen Schatten auf die derzeit laufenden Olympischen Winterspiele geworfen. So wurde der ukrainische Skeleton-Fahrer Wladislaw Heraskewytsch ausgeschlossen, weil er einen Helm mit Porträts von ukrainischen Sportlerinnen und Sportlern tragen wollte, die seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine getötet wurden.

Zuletzt wurde zudem bekannt, dass eine russische Staatsbürgerin bei der Eröffnungsfeier am 6. Februar das Länderschild der Ukraine getragen hatte. Das ukrainische Außenministerium verurteilte dies am Mittwoch als "schändlich" und verlangte eine Entschuldigung vom Internationalen Olympischen Komitee. Medienberichten zufolge lebt die Russin, die das Ukraine-Schild trug, schon seit Jahren in Mailand.

(A.Nikiforov--DTZ)

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