Deutsche Tageszeitung - Merz warnt vor Reise nach China vor "Illusionen"

Merz warnt vor Reise nach China vor "Illusionen"


Merz warnt vor Reise nach China vor "Illusionen"
Merz warnt vor Reise nach China vor "Illusionen" / Foto: © AFP

Vor seiner Reise nach China in der kommenden Woche hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor falschen Erwartungen an die Beziehungen zu Peking gewarnt. "Machen wir uns bitte auch keine Illusionen", sagte Merz beim CDU-Parteitag am Freitag in Stuttgart. China sei ein wichtiger Wirtschaftspartner, erhebe aber den Anspruch, "eine neue multilaterale Ordnung nach eigenen Regeln zu definieren". Meinungs-, Religions- und Pressefreiheit kämen "in diesem Verständnis nicht vor".

Textgröße ändern:

"Der Einsatz für die universelle Geltung der Menschenrechte wird dort als Einmischung in die inneren Angelegenheiten zurückgewiesen", sagte Merz. Er warb deshalb auch dafür, weiter mit den USA auf der Basis gemeinsamer Werte dieser Haltung "etwas Besseres entgegenzusetzen".

Fast zehn Monate nach seinem Amtsantritt reist Merz am Dienstag zu einem dreitägigen Besuch nach China. "China ist ein wichtiger Handelspartner für uns", sagte er. Deshalb werde er auch von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet. Unter ihnen sind auch Vertreter wichtiger deutscher Autobauer, die auf dem chinesischen Markt zunehmend unter Druck geraten, während Chinas Hersteller insbesondere von E-Autos massiv auf den europäischen Markt drängen.

Außenpolitik sei heute auch "Außenwirtschaftspolitik", betonte der Kanzler. "Wir brauchen Wirtschaftsbeziehungen in die ganze Welt. Und dazu zählt natürlich auch ein Land wie China." Er habe deshalb auch kein Problem damit, wenn er voraussichtlich wegen der China-Reise in Zeitungen wieder als "Außenkanzler" bezeichnet werde. "Das ist ein Kompliment", sagte Merz. Er lasse sich dadurch "nicht irritieren".

Der Kanzler soll in Peking zunächst am Mittwoch von Ministerpräsident Li Qiang empfangen werden, kündigte Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin an. Danach sei ein Gespräch und Abendessen mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping geplant. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen laut Hille "die bilateralen Beziehungen sowie wirtschaftliche und sicherheitspolitische Fragen".

Dabei werde Merz voraussichtlich auch den Einfluss Chinas auf Russland ansprechen, sagte Hille. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes ergänzte: "Wir erwarten, dass China grundsätzlich seinen Einfluss dahingehend geltend macht, dass Russland in eine schlechtere Lage versetzt wird, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetzen zu können."

Auch das Thema Menschenrechte in China werde sicherlich zur Sprache kommen, sagte Hille weiter. Zu der "ganzen Bandbreite der Themen" bei Merz' China-Besuch gehöre "natürlich auch die Menschenrechtslage".

Im Rahmen seiner Reise besucht Merz den Angaben der Bundesregierung zufolge auch die Verbotene Stadt in Peking. Zudem ist in der Hauptstadt ein Besuch bei Mercedes Benz geplant, in die Provinz Hangzhou anschließend bei Siemens Energy und dem Robotik-Unternehmen Unitree. Der Kanzler wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. China hatte im vergangenen Jahr die USA als wichtigster Handelspartner Deutschlands abgelöst.

Merz hatte bereits im Herbst einen China-Besuch für das erste Quartal 2026 angekündigt. Zwischen Deutschland und China bestehen Differenzen unter anderem in der Handelspolitik sowie hinsichtlich des russischen Angriffskrieges in der Ukraine.

(A.Stefanowych--DTZ)

Empfohlen

Kriminalbeamtenbund: Besuch von Clanchef bei Linken-Party "Schlag ins Gesicht"

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hat den Besuch von Clanchef Issa Remmo bei einer Wahlparty der Berliner Linken scharf kritisiert. "Nach allem, was bislang bekannt ist, war die Wahlparty öffentlich zugänglich und Issa Remmo nach Angaben der Linken nicht eingeladen", sagte Verbandschef Dirk Peglow den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Dienstag. "Trotzdem ist ein solcher Auftritt problematisch."

Geldstrafe für Zeitsoldat wegen homophober Äußerungen in Hamburg

Das Amtsgericht Hamburg-Wandsbek hat einen Zeitsoldaten wegen homophober und rassistischer Äußerungen zu einer Geldstrafe verurteilt. Er soll 4500 Euro zahlen, wie eine Gerichtssprecherin am Dienstag mitteilte. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich der 28-Jährige zwischen Oktober 2022 und Juni 2024 auf dem Gelände der Universität der Bundeswehr in Hamburg homophob und rassistisch geäußert hatte.

Venezuelas Übergangspräsidentin in New York eingetroffen - Treffen mit Trump

Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez ist in New York eingetroffen, wo sie an der Generaldebatte der UN-Vollversammlung teilnehmen und am Dienstag erstmals mit US-Präsident Donald Trump zusammentreffen wird. Rodríguez wurde am Sitz der Vereinten Nationen von UN-Generalsekretär António Guterres begrüßt, wie das venezolanische Staatsfernsehen meldete.

Iranischer Außenminister Araghtschi zur UN-Generaldebatte in New York eingetroffen

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi ist kurz vor Beginn der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York eingetroffen. Er telefonierte nach seiner Ankunft am Montag (Ortszeit) mit UN-Generalsekretär António Guterres, wie das iranische Staatsfernsehen berichtete. In New York wollten die iranischen Vertreter "die Rechte und die Interessen des iranischen Volkes verteidigen", sagte er demnach vor Journalisten. Nach Angaben von Ministeriumssprecher Esmaeil Bakaei plant Araghtschi vor Ort Gespräche mit "zahlreichen" Amtsträgern und Außenministern.

Textgröße ändern: