Deutsche Tageszeitung - Afghanistan: Mindestens 18 Tote bei pakistanischen Luftangriffen

Afghanistan: Mindestens 18 Tote bei pakistanischen Luftangriffen


Afghanistan: Mindestens 18 Tote bei pakistanischen Luftangriffen
Afghanistan: Mindestens 18 Tote bei pakistanischen Luftangriffen / Foto: © AFP

Bei Luftangriffen der pakistanischen Armee im Grenzgebiet zu Afghanistan sind nach afghanischen Angaben mindestens 18 Menschen getötet worden. Bei den nächtlichen Angriffen sei das Haus einer Familie im Bezirk Bihsud getroffen und zerstört worden, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die pakistanische Regierung erklärte dagegen, die Angriffe hätten sich gegen die pakistanischen Taliban und ihre Verbündeten gerichtet.

Textgröße ändern:

Pakistan wirft dem Nachbarland Afghanistan schon seit langem vor, Milizen Schutz zu gewähren, die Angriffe in Pakistan verüben. Die Taliban-Regierung in Kabul bestreitet dies.

In der Nacht zum Sonntag griff Pakistan nach Angaben aus Islamabad sieben Ziele in der Grenzregion aus der Luft an. Die auf Geheimdienstinformationen basierenden Angriffe hätten sich gegen die pakistanischen Taliban und ihre Verbündeten gerichtet, erklärte das pakistanische Informationsministerium. Auch eine mit der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verbündete Gruppe sei angegriffen worden.

Ein Sprecher der afghanischen Taliban-Regierung erklärte dagegen, die Angriffe hätten sich gegen zivile Ziele gerichtet. "Die Häuser der Menschen wurden zerstört", sagte der Sprecher Sabihullah Mudschahid. Betroffen seien die Regionen Nangarhar und Paktika.

Die Polizei in Nangarhar erklärte, die Angriffe hätten kurz nach Mitternacht in insgesamt drei Bezirken begonnen. Alle Getöteten befanden sich demnach im Haus eines Mannes im Bezirk Bihsud. "23 Mitglieder seiner Familie wurden unter den Trümmern begraben, 18 von ihnen wurden getötet und fünf verletzt", sagte der Polizeisprecher Sajed Tajib Hammad.

"Das Haus wurde völlig zerstört. Meine Kinder und meine Angehörigen waren dort. Mein Vater und meine Söhne waren dort. Sie wurden alle getötet", sagte der 35-jährige Sasabat, ein Bauer aus Bihsud. Anwohner suchten in den Trümmern nach weiteren Opfern und bestatteten die Toten in einem Sammelgrab, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Bei Angriffen an anderen Orten in Nangarhar wurden zwei weitere Menschen verletzt. In Paktika sah ein AFP-Journalist ein zerstörtes Gästehaus, es gab dort zunächst aber keine Berichte über Opfer.

Aus Islamabad hieß es, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in der Hauptstadt und weitere Anschläge im Nordwesten Pakistans. Der IS hatte den Anschlag auf die Moschee in Islamabad vor zwei Wochen, bei dem 31 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden waren, für sich reklamiert.

Das afghanische Verteidigungsministerium kündigte am Sonntag eine "angemessene" Reaktion auf die pakistanischen Luftangriffe an.

Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan kommt es immer wieder zu tödlicher Gewalt. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan im August 2021 haben sich die Konflikte verschärft.

Bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet waren im Oktober nach UN-Angaben mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Die beiden Nachbarländer vereinbarten schließlich unter Vermittlung Katars und der Türkei eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf Details einer dauerhaften Vereinbarung einigen.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

UN-Generaldebatte beginnt: Trump spricht vor Staats- und Regierungschefs

Bei den Vereinten Nationen in New York beginnt am Dienstag die Generaldebatte der Staats- und Regierungschefs (15.00 Uhr MESZ). Als einer der ersten Redner will sich US-Präsident Donald Trump an die Vertreter der insgesamt 193 UN-Mitgliedstaaten richten. Vergangenes Jahr hatte Trump die UNO frontal angegriffen und ihr unter anderem Versagen bei der Friedensstiftung unterstellt.

Selenskyj trifft Trump in New York

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will sich am Dienstag mit US-Präsident Donald Trump in New York treffen. Die Begegnung soll am Nachmittag am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung stattfinden. Selenskyj hatte am Sonntag mit Trump telefoniert und anschließend erklärt, es gebe eine "diplomatische Dynamik" in den Bemühungen um eine Beendigung des Ukraine-Kriegs.

Große US-Sender schränken aus Protest gegen CNN-Hausverbot Trump-Berichterstattung ein

Aus Protest gegen die Hausverbote für den US-Sender CNN und andere Medien im Weißen Haus haben vier große Fernsehsender ihre Berichterstattung über Präsident Donald Trump vorerst eingeschränkt. Die Sender ABC, CBS, Fox News und NBC erklärten am Montag gemeinsam mit CNN, sie würden vorerst nicht mehr über Trump-Auftritte berichten. Das Weiße Haus startete derweil einen eigenen Streamingkanal namens Trump TV.

Macron: Gespräch mit Trump über Lage in Ukraine und im Roten Meer "konstruktiv"

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat nach eigenen Worten ein "konstruktives" Gespräche mit US-Präsident Donald Trump über die Lage in der Ukraine geführt. "Ein weiteres Thema, über das wir sprachen, war die Lage im Roten Meer", sagte Macron am Montag nach dem Treffen mit Trump in New York Journalisten. "Wir hatten eine sehr gute Unterredung. Sie war sehr konstruktiv."

Textgröße ändern: