Deutsche Tageszeitung - Epstein-Affäre: Britische Polizei nimmt ehemaligen Botschafter Mandelson fest 

Epstein-Affäre: Britische Polizei nimmt ehemaligen Botschafter Mandelson fest 


Epstein-Affäre: Britische Polizei nimmt ehemaligen Botschafter Mandelson fest 

Nach dem früheren britischen Prinzen Andrew ist nun auch der Ex-Minister und ehemalige Botschafter in den USA, Peter Mandelson, im Rahmen von Ermittlungen im Epstein-Skandal von der britischen Polizei festgenommen worden. "Beamte haben den 72-jährigen Mann wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauchs festgenommen", erklärte die Polizei am Montag, ohne Mandelsons Namen zu nennen. Mandelson wird die Weitergabe vertraulicher Regierungsinformationen an Epstein zur Last gelegt.

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Die Sender BBC und Sky News zeigten Aufnahmen, wie Mandelson, der mit dem US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befreundet war, in Begleitung von zwei Polizisten in Zivil, einem Mann und einer Frau, von seinem Wohnsitz im Norden Londons weggefahren wurde. Mandelson sei an einer Adresse im Londoner Stadtteil Camden festgenommen und zur Vernehmung auf eine Polizeiwache gebracht worden, hieß es von der Polizei weiter.

Anfang Februar hatte die Polizei mitgeteilt, dass sie zwei Wohnhäuser von Mandelson im noblen Londoner Stadtteil Regent's Park und in Wiltshire im Südwesten Englands durchsucht habe.

Dem früheren britischen Botschafter in Washington wird vorgeworfen, vertrauliche Regierungsinformationen an den Finanzinvestor Epstein weitergegeben und Geld von ihm angenommen zu haben.

Die zuletzt neu veröffentlichten Epstein-Akten förderten zu Tage, dass Mandelson, als er von 2008 bis 2010 Minister unter Premier Gordon Brown war, vertrauliche Finanzdaten der damaligen Labour-Regierung an Epstein weitergegeben haben soll.

Die Polizei hatte Anfang Februar Ermittlungen eingeleitet. Der Fall bringt auch den jetzigen britischen Premierminister Keir Starmer zunehmend in Bedrängnis, der Mandelson Anfang vergangenen Jahres zum US-Botschafter ernannt hatte - obwohl Starmer damals wusste, dass Mandelson nach Epsteins Verurteilung 2008 weiterhin Kontakt zu dem Sexualstraftäter hielt.

Starmer selbst lehnte einen Rücktritt nach den neuen Epstein-Enthüllungen ab. Er entschuldigte sich bei den Missbrauchsopfern Epsteins dafür, Mandelson als Botschafter in den USA ernannt zu haben. Mandelson warf er vor, im Überprüfungsprozess vor seiner Ernennung über das Ausmaß seiner Verbindungen zu Epstein gelogen zu haben.

Zwei von Starmers engsten Beratern hingegen - Kabinettschef Morgan McSweeney und der Kabinettssekretär und Leiter des öffentlichen Dienstes, Chris Wormald - traten im Zuge der Enthüllungen von ihren Posten zurück.

Erst am Donnerstag war der ehemalige britische Prinz Andrew infolge der Epstein-Enthüllungen festgenommen und mehrere Stunden lang festgehalten worden. Auch er soll als Handelsgesandter Großbritanniens vertrauliche Berichte an den verurteilten Sexualstraftäter Epstein weitergegeben haben. Gegen den Bruder von König Charles III. wird wegen des Verdachts auf Fehlverhalten in einer offiziellen Funktion ermittelt. Zudem gab es Vorwürfe einer Frau gegen ihn, sie als Minderjährige sexuell missbraucht zu haben.

Die britische Regierung hat sich inzwischen verpflichtet, alle Dokumente im Zusammenhang mit der Ernennung und Entlassung von Mandelson zu veröffentlichen. Ein erster Teil der Akten soll Anfang März veröffentlicht werden, teilte ein Regierungsvertreter am Montag mit. Laut BBC handelt es sich um mehr als 100.000 Dokumente, darunter auch E-Mail-Korrespondenz zwischen dem ehemaligen Botschafter und Mitgliedern der Exekutive.

Ein Teil der Dokumente, der für die nationale Sicherheit des Landes potenziell sensibel ist, werde zuvor von einer parlamentarischen Kommission geprüft, erklärte der Regierungsvertreter. Die Kommission werde dann entscheiden, ob sie die Dokumente veröffentlicht oder nicht.

Mandelson hat sich seit Beginn der Ermittlungen nicht öffentlich geäußert. Ein Sprecher hatte Anfang Februar gesagt, dass Mandelson "es bis zu seinem letzten Atemzug bedauert und bedauern wird, dass er Epsteins Lügen über dessen kriminelle Handlungen geglaubt hat". Zudem habe er die Wahrheit über Epstein erst nach dessen Tod 2019 erfahren. Es täte Mandelson "zutiefst leid, dass wehr- und schutzlose Frauen und Mädchen nicht den Schutz erhalten haben, den sie verdient hätten", sagte der Sprecher.

Epstein stand unter Verdacht, mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen sexuell missbraucht und teils an Prominente wie Andrew vermittelt zu haben. Er wurde 2008 erstmals verurteilt, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals aber nur eine 18-monatige Haftstrafe.

Einen Monat nachdem Epstein 2019 unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen worden war, wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben beging er Suizid.

(B.Izyumov--DTZ)

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