Deutsche Tageszeitung - SPD fordert von Merz klare Worte bei China-Reise

SPD fordert von Merz klare Worte bei China-Reise


SPD fordert von Merz klare Worte bei China-Reise
SPD fordert von Merz klare Worte bei China-Reise / Foto: © AFP/Archiv

Hohe Erwartungen an den China-Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): Außenexpertinnen und -experten der Bundestagsfraktionen haben den Kanzler aufgefordert, bei seinem Antrittsbesuch in der Volksrepublik offen die wirtschaftspolitischen Spannungen anzusprechen. "Die mitunter aggressive Handelspolitik Chinas ist Teil unserer aktuellen wirtschaftspolitischen Herausforderungen", sagte SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstagsausgabe). Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour bezeichnete China als "Diktatur", die andere Länder gezielt in die Abhängigkeit treibe.

Textgröße ändern:

Der SPD-Abgeordnete Limbacher, der zugleich stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe ist, gab dem Kanzler eine Reihe von Forderungen mit auf den Weg: "Der Dumpingverdacht bei Stahl und im Automobilsektor muss ebenso adressiert werden wie die hohe Rohstoffabhängigkeit, beispielsweise bei Seltenen Erden, und das damit einhergehende politische Drohpotenzial", sagte er.

"Wir wollen und brauchen gute Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zu China", betonte Limbacher. Diese seien in gegenseitigem Interesse, zumal China 2025 Deutschlands wichtigster Handelspartner gewesen sei. Gleichzeitig müsse der Bundeskanzler akzeptieren, dass sich eine klare Mehrheit der Menschen in Deutschland für mehr "Made in Europe" ausspreche, erklärte Limbacher. "Diese Erkenntnis sollte im Hinterkopf mitreisen", sagte er.

Am Dienstagabend bricht Merz zu seinem Antrittsbesuch nach China auf. Am Mittwoch wird der Kanzler in Peking mit militärischen Ehren von Ministerpräsident Li Qiang empfangen. Danach folgt ein Gespräch und ein Abendessen mit Staatspräsident Xi Jinping.

Zentrale Themen des Besuchs sind die Abhängigkeit deutscher Unternehmen von Rohstoffen und seltenen Erden aus China sowie die Frage fairer Wettbewerbsbedingungen auf dem chinesischen Markt. Merz wird von einer 30-köpfigen Wirtschaftsdelegation begleitet.

Es wird erwartet, dass mehrere Abkommen unterzeichnet werden. Auch der Ukraine-Krieg und weitere Konflikte dürften in den politischen Gesprächen eine Rolle spielen. Am Donnerstag beendet Merz seinen Besuch in der Technologie-Metropole Hangzhou.

Vertreter von Grünen und Linken im Bundestag begrüßten es grundsätzlich, dass Merz in die Volksrepublik reist. Der Grünen-Außenexperte Nouripour verwies gegenüber Welt TV darauf, dass China ein wichtiger Unterstützer Russlands im Ukraine-Krieg sei. "Es ist nicht nur so, dass China den Krieg nicht verurteilt, sondern China trägt aktiv dazu bei - durch sehr viele Exporte, durch Unterstützung der Russischen Föderation", sagte er. Darüber müsse Merz in Peking sprechen.

Wichtige Aufgabe für die Bundesregierung sei, die wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands von China zu verringern. "Wir müssen alles dafür tun, damit wir Abhängigkeiten abbauen", sagte Nouripour. "Gerade am Jahrestag des Beginns der Invasion Russlands in der Ukraine muss man sich doch erinnern, dass diese Abhängigkeiten fatale Folgen haben können. Hatten wir beim Thema Energie, beim Thema Russland. Und haben wir jetzt bei Seltenen Erden, bei China."

Der Parteichef der Linken, Jan van Aken, forderte Kanzler Merz auf, China für die Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland zu gewinnen. "Wenn Xi Jinping ruft, würde Putin kommen", sagte van Aken dem Nachrichtenportal t-online. "Genau dieses besondere Verhältnis ist in den Bemühungen um den Frieden in der Ukraine ein Gewinn und keine Bürde; das muss Merz endlich begreifen."

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Kallas dringt auf Aufrechterhalten von EU-Sanktionen gegen Russland

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat die EU-Mitgliedstaaten zu einem Aufrechterhalten ihrer Sanktionen gegen Russland aufgefordert. "Wir brauchen diese Stabilität, dass die Sanktionen für längere Zeit bestehen bleiben", sagte Kallas am Montagabend vor Journalisten in New York. EU-Diplomaten hatten zuvor mitgeteilt, dass die EU es vorerst nicht geschafft habe, eine grundsätzliche Einigung auf die Aufhebung ihrer Sanktionen gegen zwei russische Oligarchen zu bestätigen.

Nach Trumps "Sabotage"-Vorwurf: UNO überprüft Rolltreppe und Teleprompter

Nach wütenden Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über eine angebliche technische "Sabotage" seines Auftritts bei der UN-Generaldebatte im vergangenen Jahr wollen die Vereinten Nationen ein neuerliches Debakel verhindern: Vor Trumps Rede am Dienstag sei eine Rolltreppe im New Yorker UN-Hauptsitz "überprüft und noch einmal überprüft worden", sagte der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, am Montag.

Mecklenburg-Vorpommern: CDU-Chef Peters tritt zurück - SPD kündigt Sondierungen an

Nach dem Ausscheiden der CDU aus dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat Spitzenkandidat Daniel Peters seinen Rücktritt vom Vorsitz der Landespartei erklärt. Er ziehe damit persönlich die Konsequenzen "aus der krachenden Niederlage", sagte der 45-Jährige am Montag nach einer Sitzung des CDU-Landesvorstands in Schwerin. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kündigte derweil Sondierungsgespräche zur Bildung einer neuen Landesregierung mit der Linken und den Grünen an.

USA, Dänemark und Grönland unterzeichnen am Dienstag ihr Sicherheitsabkommen

Dänemark, die USA und Grönland wollen am Dienstag am Rande der UN-Generaldebatte in New York ihr angekündigtes Sicherheitsabkommen unterzeichnen. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen werde die Vereinbarung zusammen mit US-Präsident Donald Trump und dem grönländischen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen bei einer Zeremonie im UN-Gebäude um 10.30 Uhr (Ortszeit, 16.30 MESZ) in Kraft setzen, erklärte Frederiksens Büro am Montag.

Textgröße ändern: