Deutsche Tageszeitung - Ex-US-Präsident Bill Clinton sagt vor Kongress über Beziehung zu Epstein aus

Ex-US-Präsident Bill Clinton sagt vor Kongress über Beziehung zu Epstein aus


Ex-US-Präsident Bill Clinton sagt vor Kongress über Beziehung zu Epstein aus
Ex-US-Präsident Bill Clinton sagt vor Kongress über Beziehung zu Epstein aus / Foto: © AFP

Der frühere US-Präsident Bill Clinton soll am Freitag erstmals vor dem US-Kongress über seine Verbindung zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aussagen. Die Republikaner im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses fordern Aufklärung über die Rolle des 79-Jährigen, der auf mehreren Fotos aus den sogenannten Epstein-Akten zu sehen ist. Am Donnerstag war die frühere Außenministerin Hillary Clinton, die Ehefrau des Ex-Präsidenten, verhört worden. Im Anschluss nahm sie ihren Mann in Schutz.

Textgröße ändern:

Die Anhörung Bill Clintons ist für einen früheren Präsidenten außergewöhnlich. Sie findet in einem Kulturzentrum in Chappaqua im Bundesstaat New York statt, dem Wohnort der Clintons. Dutzende Journalisten reisten in die Ortschaft.

Die Clintons hatten sich zunächst gegen die Vorladung gewehrt und gaben erst nach, als die Republikaner mit einem Verfahren wegen Missachtung des Kongresses drohten. Die oppositionellen Demokraten sehen in der Vorladung der Clintons ein politisches Manöver, um von der Verstrickung von US-Präsident Donald Trump in den Epstein-Skandal abzulenken.

Später drängten Bill wie Hillary Clinton darauf, dass die Anhörungen öffentlich stattfinden - was der Ausschuss jedoch ablehnte. Bill Clinton verglich die Anhörung daraufhin mit einem "Scheingericht".

Viele Fotos aus den Epstein-Akten zeigen den von 1993 bis 2001 im Weißen Haus amtierenden Politiker der Demokraten. Auf einem Bild liegt dieser in einem Whirlpool, auf einem anderen schwimmt er neben einer dunkelhaarigen Frau, womöglich Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell.

Clinton selbst bestätigte, zu Beginn der 2000er Jahre mehrmals in Epsteins Privatflugzeug mitgereist zu sein. Dies sei jedoch im Zusammenhang mit der Arbeit für seine humanitäre Stiftung geschehen. Epsteins berüchtigte Privatinsel besuchte Clinton nach eigenen Angaben nie.

Trump hatte sich im vergangenen Jahr monatelang gegen die Veröffentlichung der Epstein-Akten gewehrt, bevor der Kongress auch mit den Stimmen seiner Republikaner deren Freigabe erzwang. Bisher veröffentlichte Fotos und Dokumente legen eine enge Beziehung zwischen Epstein und Trump nahe. Weder ihm noch Bill Clinton konnte bisher allerdings ein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Beide erklärten, bereits vor Epsteins Verurteilung wegen sexueller Gewalt in einem Prozess in Florida im Jahr 2008 mit ihm gebrochen zu haben.

Der Vorsitzende des Aufsichtsausschusses, der Republikaner, James Comer, sagte zur Befragung Bill Clintons, es gebe "jede Menge Fragen" an den Ex-Präsidenten. Ziel der gesamten Ermittlungen sei es, "vieles über Epstein zu verstehen". Bei der Befragung Hillary Clintons am Donnerstag seien die Ausschussmitglieder "nicht zufrieden" mit den Antworten auf "zahlreiche Fragen" gewesen.

Nach ihrer Befragung nahm die frühere Außenministerin vor Journalisten ihren Ehemann in Schutz. Auf die Frage, ob sie sicher sei, dass ihr Ehemann nichts von Epsteins Verbrechen gewusst habe, antwortete sie: "Das bin ich." Die Verbindung, die ihr Ehemann zu Epstein gehabt habe, "endete mehrere Jahre bevor irgendetwas über Epsteins kriminelle Aktivitäten bekannt wurde", sagte Clinton weiter.

Ihre Anhörung vor dem Kongressausschuss bezeichnete die ehemalige Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin als "lang und von vielen Wiederholungen geprägt". "Ich weiß nicht, wie oft ich sagen musste, dass ich Jeffrey Epstein nicht gekannt habe", sagte sie.

Clinton forderte zudem eine Kongressanhörung Trumps. Der Aufsichtsausschuss solle den US-Präsidenten "unter Eid zu den zehntausenden Malen befragen, die er in den Epstein-Akten auftaucht".

Epstein stand unter Verdacht, mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen sexuell missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er wurde 2008 erstmals verurteilt, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Nach einem umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft musste er damals aber nur 13 Monate im Gefängnis absitzen.

Einen Monat, nachdem Epstein 2019 unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen worden war, wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Grüne fordern Koalition zu Rücknahme von Heizungsgesetz auf - vor Anhörung im Bundestag

Vor der Expertenanhörung im Bundestag zum neuen Heizungsgesetz haben die Grünen die Koalition zur Umkehr aufgefordert. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, verwies am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP auf zwei Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts des Bundestags, wonach die Vorlage grundgesetzwidrig sein könnte. Der Entwurf sei eine "konzeptlose Mogelpackung", sagte Kellner. "Die Stellungnahmen der Sachverständigen sind verheerend für Union und SPD."

Proteste nach Wahlsieg von rechtem Hardliner bei Präsidentschaftswahl in Kolumbien

Nach dem Wahlsieg des Rechtsaußen-Kandidaten Abelardo de la Espriella bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien ist es in dem südamerikanischen Land zu Protesten und Ausschreitungen gekommen. In Kolumbiens drittgrößter Stadt Cali setzten Demonstranten am Sonntagabend US-Fahnen in Brand und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, einige Protestierer warfen Steine.

USA und Iran richten Kommunikationskanal zur Straße von Hormus ein

Die USA und der Iran haben sich bei ihren Gesprächen in der Schweiz auf die Einrichtung eines Kommunikationskanals zur Straße von Hormus verständigt. Damit sollten "Vorfälle und Kommunikationspannen" verhindert und eine sichere Schifffahrt in der Meerenge ermöglicht werden, erklärten die Vermittlerstaaten Pakistan und Katar in der Nacht auf Montag nach einer ersten Verhandlungsrunde.

US-Diplomat: Verhandlungen mit iranischer Delegation in der Schweiz gehen weiter

Die Gespräche zwischen Delegationen der USA und des Iran in der Schweiz gehen nach US-Angaben trotz eines Streits um Äußerungen von Präsident Donald Trump weiter. Ein US-Diplomat sagte in der Nacht auf Montag, die iranische Delegation befinde sich nach wie vor im Luxushotel Bürgenstock. Es werde erwartet, dass die Gespräche die Nacht über fortgesetzt würden.

Textgröße ändern: