Deutsche Tageszeitung - Iran-Krieg: Iranische Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern

Iran-Krieg: Iranische Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern


Iran-Krieg: Iranische Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern
Iran-Krieg: Iranische Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern / Foto: © Ministry of Defence (United Kingdom)/AFP/Archiv

In einer Ausweitung des Iran-Kriegs ist auf einem britischen Militärstützpunkt auf Zypern eine iranische Drohne eingeschlagen. Die Drohne vom Typ Schahed habe in der Nacht die Basis Akrotiri im Süden der Insel getroffen und dort "geringen Sachschaden" angerichtet, erklärte der zyprische Präsident Nikos Christodoulides am Montag. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sicherte dem Mitgliedstaat Zypern die Solidarität der Europäischen Union zu.

Textgröße ändern:

Die Drohne habe "kurz nach Mitternacht" (Ortszeit, 23.00 Uhr MEZ) die Basis Akrotiri getroffen, erklärte Christodoulides. Eine Sprecherin der zyprischen EU-Ratspräsidentschaft teilte mit, die "genaue Herkunft" der Drohne werde noch überprüft. Es sei aber bestätigt worden, dass Zypern "nicht das Ziel eines Angriffs war".

Bei den Militärstützpunkten Akrotiri im Süden und Dekelia im Südosten Zyperns handelt es sich um britische Überseegebiete.

Die britische Außenministerin Yvette Cooper erklärte, im nahe der bei Touristen beliebten Großstadt Limassol gelegenen Akrotiri sei eine Landebahn des Flughafens getroffen worden. Es sei derzeit nicht möglich, "weitere und detailliertere Angaben zu machen". Großbritannien hatte am Sonntag den USA erlaubt, seine Stützpunkte für "defensive" Militärmaßnahmen zu nutzen.

Der britische Staatssekretär für den Nahen Osten, Hamish Falconer, betonte, Großbritannien befinde sich "nicht im Krieg". London habe sich "bewusst dafür entschieden", sich nicht an den Angriffen Israels und der USA zu beteiligen, fügte er hinzu. Angesichts der "rücksichtslosen" Angriffe des Iran auf mehrere Verbündete der Region habe Großbritannien sich jedoch entschieden, der Bitte Washingtons um Nutzung britischer Stützpunkte stattzugeben.

Israel und die USA hatten am Samstagmorgen massive Luftangriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurde das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Als Reaktion greift der Iran seit Samstag Israel sowie US-Einrichtungen in der Golfregion an.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen verurteilte "aufs Schärfste" die "rücksichtslosen und wahllosen Angriffe des Iran und seiner Stellvertreter gegen souveräne Gebiete in der gesamten Region" und sicherte Zypern die Solidarität der Union zu. "Auch wenn die Republik Zypern nicht betroffen war, möchte ich klarstellen: Wir stehen gemeinsam, entschlossen und unmissverständlich an der Seite unserer Mitgliedstaaten", erklärte sie im Onlinedienst X nach einem Gespräch mit dem zyprischen Präsidenten Christodoulides.

Von der Leyen hat für den späten Montagmittag eine Sondersitzung der Kommission angesetzt, um über die Entwicklungen im Iran zu beraten. Diplomatenangaben zufolge will die EU angesichts des Iran-Krieges ihre Marinemission "Aspides" im Roten Meer verstärken. Ein für Montag und Dienstag geplantes Treffen der EU-Europaminister in Nikosia wurde wegen des Drohnenvorfalls verschoben.

Christodoulides erklärte, Zypern befinde sich "in einer von besonderer geopolitischer Instabilität geprägten Region", die eine "beispiellose Krise" erlebe. Die im äußersten Osten des Mittelmeers gelegene Insel Zypern liegt nur rund 160 Kilometer von der Küste des Libanon und gut 200 Kilometer Luftlinie von Israel entfernt.

(O.Tatarinov--DTZ)

Empfohlen

Libanon-Konflikt belastet Auftakt US-iranischer Verhandlungen über dauerhaften Frieden

Die Konfrontation zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon hat den Auftakt der Verhandlungen über eine dauerhafte Beilegung des Iran-Kriegs schwer belastet. Kurz nach Beginn der Gespräche am Sonntag in der Schweiz drohte US-Präsident Donald Trump dem Iran mit neuen Militärangriffen, sollte dieser die Hisbollah nicht zügeln. Die iranische Delegation verließ daraufhin laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna das Hotel, wo die Verhandlungen stattfanden. Irna nannte Trumps Onlinebotschaft "beleidigend".

Staatsmedien: Nach Trumps Drohung verlässt Irans Delegation Verhandlungsort

Nach den neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit Militärangriffen auf den Iran hat die iranische Delegation laut Staatsmedien am Sonntag den Ort der Verhandlungen mit der US-Seite in der Schweiz verlassen. Die iranischen Unterhändler hätten das Hotel verlassen, wo die Gespräche stattfanden, meldete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna. Die Agentur verwies in diesem Zusammenhang auf die Onlinebotschaft Trumps vom Sonntag - dieser hatte Teheran mit Blick auf den Konflikt im Libanon mit neuen Angriffen gedroht.

Regierungspartei von Ministerpräsident Abiy gewinnt Parlamentswahl in Äthiopien

Drei Wochen nach der Parlamentswahl in Äthiopien hat die Wahlkommission des ostafrikanischen Landes die regierende Wohlstands-Partei PP von Ministerpräsident Abiy Ahmed zum klaren Sieger erklärt. Nach der Auszählung aller Stimmen sicherte sich die PP rund 90 Prozent der Sitze im Parlament in Addis Abeba, wie die Wahlkommission am Sonntag mitteilte. Demnach entfielen auf die PP 438 der insgesamt 486 Parlamentssitze.

Pistorius: Trump hat "Korken in die Straße von Hormus gedrückt"

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat US-Präsident Donald Trump die Verantwortung für die anhaltende Krise um die strategisch wichtige Meerenge von Hormus zugewiesen. Letztlich habe Trump "den Korken in die Straße von Hormus reingedrückt", sagte Pistorius am Sonntag in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". "Aber wir haben ein Interesse daran, ihn wieder rauszuholen", fügte er hinzu. Voraussetzung für einen Bundeswehr-Einsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der Meerenge sei unter anderem aber die Zustimmung der Anrainerstaaten Iran und Oman.

Textgröße ändern: