Deutsche Tageszeitung - Hochrechnungen: Grüne gewinnen Landtagswahl in Baden-Württemberg vor CDU

Hochrechnungen: Grüne gewinnen Landtagswahl in Baden-Württemberg vor CDU


Hochrechnungen: Grüne gewinnen Landtagswahl in Baden-Württemberg vor CDU
Hochrechnungen: Grüne gewinnen Landtagswahl in Baden-Württemberg vor CDU / Foto: © AFP

Die Grünen haben die Landtagswahl in Baden-Württemberg vom Sonntag ersten Hochrechnungen zufolge vor der CDU gewonnen. Auf dem dritten Platz folgt die AfD, die im Vergleich zur vorherigen Wahl massive Gewinne verbucht. Die SPD rutscht auf ein historisches Tief und liegt nur knapp über der Fünfprozenthürde, FDP und Linke müssen um den Landtagseinzug bangen.

Textgröße ändern:

Für die Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Cem Özdemir, die derzeit in einer Koalition mit der CDU regieren, stimmten den Hochrechnungen von ARD und ZDF zufolge 31,7 bis 31,8 Prozent. Die CDU mit ihrem Spitzenkandidat Manuel Hagel kommt dahinter auf 29,6 bis 30,3 Prozent.

Auf die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier entfallen 17,7 bis 17,9 Prozent, womit sie Ergebnis von der Landtagswahl 2021 nahezu verdoppelt. Die Grünen liegen dagegen etwa im Bereich ihres Ergebnisses von 2021, die CDU würde sich deutlich verbessern.

Die SPD mit Spitzenkandidat Andreas Stoch rutscht laut Hochrechnungen auf 5,4 bis 5,5 Prozent ab und fährt damit ihr bislang schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg und bundesweit bei Landtagswahlen ein.

Die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Hans-Ulrich-Rülke muss mit 4,4 bis 4,5 Prozent um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Sollte sie an der Fünfprozenthürde scheitern, wäre es das erste Mal, dass die Liberalen nicht im Stuttgarter Landesparlament vertreten sind. Die bisher nicht im Landtag vertretene Linke liegt den Hochrechnungen zufolge bei ebenfalls 4,4 bis 4,5 Prozent und würde den Einzug in den Landtag verpassen.

Die Grünen können laut Hochrechnungen auf 44 bis 58 Sitze im neuen Landtag hoffen, während auf die CDU 43 bis 54 Mandate entfielen. 25 bis 32 Sitze gingen an die AfD sowie acht bis zehn Mandate an die SPD.

Die Möglichkeiten zur Regierungsbildung sind damit begrenzt. Abseits von Bündnissen mit der AfD wäre nur eine Fortsetzung der Koalition aus Grünen und CDU möglich, die bereits seit der Wahl 2021 besteht.

Grünen-Spitzenkandidat Özdemir äußere sich zunächst zurückhaltend. "Es ist noch zu früh, um final etwas zu sagen", sagte er vor jubelnden Anhängerinnen und Anhängern. "Was wir aber schon wissen, darüber kann man sich freuen", fügte er hinzu. Mit Blick auf das Abschneiden der Grünen sprach Özdemir von einer "fulminanten Aufholjagd". In Umfragen hatte die CDU zunächst lange vorn gelegen.

Auch CDU-Spitzenkandidat Hagel rief seine Anhänger auf, zunächst weitere Ergebnisse abzuwarten. "Es kann ein langer Abend werden", sagte er. Zugleich übernahm Hagel die Verantwortung für das Abschneiden seiner Partei. Er trage "für alle Entscheidungen, die wir getroffen haben, und ja, für dieses Ergebnis die Verantwortung".

AfD-Bundeschef Tino Chrupalla zeigte sich zufrieden. Die AfD sei nun auch "in Baden-Württemberg stärkste Oppositionspartei", sagte er im ZDF. Dies sei "ein Riesenerfolg - wir sind der Gewinner des Abends". Spitzenkandidat Frohnmaier äußerte sich "stolz". Die AfD habe sich als "die relevante Oppositionskraft im Südwesten etabliert".

Die Landtagswahl vor fünf Jahren hatten die Grünen mit dem scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann an der Spitze mit 32,6 Prozent gewonnen. Sie gingen danach eine Koalition mit der CDU ein, die 24,1 Prozent erreichte. Die SPD landete damals bei 11,0 Prozent vor der FDP mit 10,5 Prozent und der AfD mit 9,7 Prozent.

Die Wahlbeteiligung betrug vor fünf Jahren 63,8 Prozent - nun lag sie laut ZDF bei 69,5 Prozent. Das Wahlalter wurde von bisher 18 Jahren auf 16 Jahre abgesenkt. Erstmals gab es bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg wie bei der Bundestagswahl zudem eine Erst- und eine Zweitstimme.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Freigabe von Öl-Notreserven: G7-Staaten "noch nicht soweit"

Die G7-Staaten haben eine Freigabe ihrer Ölreserven angesichts der steigenden Energiepreise infolge des Iran-Kriegs vorerst abgelehnt. "Wir sind noch nicht so weit", sagte der französische Finanzminister Roland Lescure am Montag nach einer Videokonferenz mit seinen Amtskollegen aus Deutschland, den USA, Japan, Kanada, Großbritannien und Italien. In den kommenden Wochen sei eine Freigabe aber denkbar.

Trump: Australien wird iranischen Fußballerinnen Asyl gewähren

Aus Sorge um fünf iranische Fußballspielerinnen, die vor einem Spiel in Australien nicht die iranische Hymne gesungen haben, wird Australien nach den Worten von US-Präsident Donald Trump den Frauen Asyl gewähren. Er habe gerade mit dem australischen Premier Anthony Albanese über die iranische Frauen-Nationalmannschaft gesprochen, erklärte Trump am Montag auf seiner Onlineplattform Truth Social. "Er ist dran. Um fünf kümmern sie sich bereits", fügte er hinzu.

Israelisches Außenministerium: Chamenei-Sohn "weiterer Tyrann" an Spitze des Iran

In einer ersten Reaktion auf die Ernennung des neuen obersten Anführers im Iran hat Israel den Nachfolger des vor gut einer Woche bei US-israelischen Luftangriffen getöteten Ayatollah Ali Chamenei als "Tyrann" bezeichnet. Modschtaba Chamenei sei "ein weiterer Tyrann, der die Brutalität des iranischen Regimes fortsetzt", kommentierte das israelische Außenministerium am Montag im Onlinedienst X die Wahl des 56-jährigen Chamenei-Sohnes als neuer mächtigster Mann im Iran.

Iran-Krieg: Wadephul zu politischen Gesprächen nach Zypern gereist

Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges ist Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Montag nach Zypern gereist. Wadephul werde dort noch am Abend politische Gespräche mit dem Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Abdullah bin Sajed Al Nahjan, führen, teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin mit.

Textgröße ändern: