Deutsche Tageszeitung - Ifo-Präsident Fuest warnt vor staatlichen Eingriffen zur Senkung der Spritpreise

Ifo-Präsident Fuest warnt vor staatlichen Eingriffen zur Senkung der Spritpreise


Ifo-Präsident Fuest warnt vor staatlichen Eingriffen zur Senkung der Spritpreise
Ifo-Präsident Fuest warnt vor staatlichen Eingriffen zur Senkung der Spritpreise / Foto: © AFP

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat eindringlich vor staatlichen Eingriffen zur Senkung der Öl- und Gaspreise für Verbraucher gewarnt. "Preissignale über Rabatte oder Steuersenkungen auszuschalten, ist volkswirtschaftlich schädlich", erklärte Fuest am Mittwoch. Zudem: "Bei jeder Belastung nach dem Staat zu rufen, lässt in Vergessenheit geraten, dass unsere Wirtschaft auf Dauer ohne ein gewisses Maß an Eigenverantwortung nicht funktioniert."

Textgröße ändern:

Für die Weltwirtschaft wirke ein höherer Ölpreis wie eine zusätzliche Steuer, erläuterte Fuest: "Energie, Transport und viele Güter werden teurer, was Inflation erhöht und das Wachstum dämpfen kann."

Deutschland könne die Weltmarktpreise für Öl oder Gas nicht beeinflussen. Es könnte nur den Preis beeinflussen, den Konsumenten in Deutschland für Öl und Gas zahlen, denn in diesen Preisen sind heimische Steuern enthalten, wie der Ifo-Präsident erklärte. So könnte die Bundesregierung die Mineralöl- oder die Mehrwertsteuer auf Öl und Gas senken.

"Das führt aber nicht dazu, dass die volkswirtschaftlichen Kosten für diese Energieträger sinken", erläuterte Fuest. Würden die Steuern an dieser Stelle gesenkt, müssten sie entweder über andere Steuern oder über verminderte staatliche Leistungen gegenfinanziert werden.

Er plädierte stattdessen dafür, das "wichtige Preissignal" wirken zu lassen: "Wenn Öl und Gas knapp sind und damit zeitweise teurer werden, ist das ein wichtiges Preissignal für Konsumenten, weniger davon zu verbrauchen, wenn sie können." Es sei "eine der großen Stärken der Marktwirtschaft", dass Preisänderungen Anreize setzen, das Kaufverhalten anzupassen.

Fuest räumte ein, dass diejenigen, die am meisten fossile Energie verbrauchen und nicht ausweichen können, am stärksten von den Preissteigerungen betroffen seien. "Vor allem für ärmere Menschen können daraus schmerzhafte Belastungen erwachsen." Allgemeine Senkungen von Energiesteuern seien aber kein zielgenaues Instrument, um Bedürftigen zu helfen.

Die Preise für Benzin und Diesel sind in Deutschland seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar sehr stark gestiegen. In der Politik wird deshalb seit Tagen über Entlastungen für Verbraucherinnen und Verbraucher diskutiert.

Die Energieexpertin Claudia Kemfert plädierte für eine "gezielte Entlastung" für Menschen mit geringeren Einkommen über ein Klima- und Energiegeld. Vor allem aber müsse die Regierung "die Mobilitätsalternativen stärken", sagte sie am Mittwoch im Inforadio des RBB. "In der letzten Krise haben wir gesehen, dass das Neun-Euro-Ticket besonders gut funktioniert hat und da könnte man über ein günstigeres Deutschlandticket rangehen."

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

"Geplanter Anschlag": Deutsche in Russland mit Bombe im Rucksack festgenommen

Im Süden Russlands haben die Behörden eine Deutsche mit einer selbstgebauten Bombe in ihrem Rucksack festgenommen. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB erklärte am Montag, er habe "einen vom Kiewer Regime geplanten Terroranschlag auf eine Einrichtung der Strafverfolgungsbehörden in der Region Stawropol vereitelt, an dem eine 1969 geborene deutsche Staatsbürgerin beteiligt war". Die Identität der Deutschen wurde zunächst nicht bekanntgegeben.

Bulgarien: Bündnis von russlandfreundlichem Ex-Präsidenten Radew gewinnt Parlamentswahl

Das Mitte-links-Bündnis des russlandfreundlichen Ex-Präsidenten Rumen Radew hat nach Angaben der Wahlkommission die Parlamentswahl in Bulgarien gewonnen. Nach Auszählung fast aller Stimmen konnte Radews Bündnis Progressives Bulgarien einen deutlichen Sieg für sich verbuchen, wie die zentrale Wahlkommission am Montag auf ihrer Webseite mitteilte. Radew strebt einen Dialog mit Russland an und lehnt Waffenlieferungen an die Ukraine ab, will entsprechende EU-Beschlüsse aber nicht blockieren. Der Urnengang am Sonntag war die achte Parlamentswahl in Bulgarien in fünf Jahren.

Früherer FDP-Chef Lindner kämpft mit Doppelbelastung durch Job und Familie

Der frühere FDP-Vorsitzende und Bundesfinanzminister Christian Lindner kämpft mit der Doppelbelastung durch Job und Familie. "Wer behauptet, Baby plus Business sei problemlos vereinbar, macht den Leuten ein X für ein U vor", sagte Lindner der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) laut Meldung vom Montag.

Iran lehnt Verhandlungen mit den USA ab - US-Armee greift iranischen Frachter an

Wenige Tage vor dem Auslaufen der zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg hat Teheran einer neuen Verhandlungsrunde mit den USA vorerst eine Absage erteilt. "Es gibt derzeit keine Pläne, an der nächsten Runde der Gespräche zwischen dem Iran und den USA teilzunehmen", berichtete der staatliche TV-Sender Irib am Sonntag unter Berufung auf iranische Quellen. US-Präsident Donald Trump erklärte, die US-Armee habe einen iranischen Frachter im Golf von Oman beschossen und unter ihre Kontrolle gebracht. Teheran kündigte daraufhin Vergeltung an.

Textgröße ändern: