Deutsche Tageszeitung - Studie: Deutschland wahrscheinlich Hauptziel von Iran-Flüchtenden

Studie: Deutschland wahrscheinlich Hauptziel von Iran-Flüchtenden


Studie: Deutschland wahrscheinlich Hauptziel von Iran-Flüchtenden
Studie: Deutschland wahrscheinlich Hauptziel von Iran-Flüchtenden / Foto: © AFP

Sollte es im Zuge des Kriegs im Nahen Osten zu Fluchtbewegungen kommen, dürfte Deutschland das Hauptzielland für Menschen aus dem Iran sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts Rockwool Foundation (RF) Berlin, die dem "Münchner Merkur" (Freitagsausgabe) vorlag.

Textgröße ändern:

Migrationsmuster bauten in der Regel auf bestehenden Verbindungen zwischen Herkunfts- und Zielländern auf, sagte RF-Berlin-Direktor Christian Dustmann. "Dies unterstreicht die Bedeutung von Diaspora-Netzwerken, die die Kosten und Risiken von Migration verringern", sagte der Professor für Wirtschaftswissenschaften am University College London und Mitautor der Studie.

Laut einer repräsentativen Umfrage vom Meinungsfoschungsinstitut Gallup von 2024 gaben 28 Prozent der damals befragten Iranerinnen und Iraner Deutschland als wahrscheinlichstes Zielland an, gefolgt von Kanada mit 13 Prozent, der Türkei mit zehn Prozent, dem Vereinigten Königreich mit sechs Prozent und Frankreich mit sechs Prozent. Von 1007 befragten Iranerinnen und Iraner gaben 252 seinerzeit an, auswandern zu wollen. Die Migrationsabsichten stimmen weitgehend mit den tatsächlichen Ansiedlungsmustern jüngerer Geflüchteter aus beiden Ländern überein, heißt es in der Studie der Rockwool Foundation. Demnach lebten bis Ende 2025 29 Prozent der iranischen Geflüchteten in Deutschland.

Die geografische Verteilung der Migrationsabsichten spiegele stark die geografische Verteilung bestehender Flüchtlingsgemeinschaften wider, sagte auch Tommaso Frattini, stellvertretender Direktor des Zentrums für Migrationsforschung (CReAM) bei RF Berlin. "Das deutet darauf hin, dass Migration im Falle zunehmender Vertreibung in der aktuellen Krise wahrscheinlich den bereits bestehenden Migrationskorridoren folgen wird", so der Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mailand.

Migrationsabsichten führten jedoch nicht automatisch zu tatsächlichen Migrationsbewegungen. "Praktische Einschränkungen können die tatsächlichen Migrationsbewegungen insbesondere in den frühen Phasen einer Krise beeinflussen", erklärte Christian Dustmann. Weiter entfernte Ziele wie Kanada, Australien und die USA seien schwieriger zu erreichen. "Es ist daher wahrscheinlich, dass Europa und insbesondere Deutschland zum wichtigsten Ziel möglicher Flüchtlingsbewegungen wird, falls die Vertreibung infolge des Krieges zunimmt."

Angesichts des Iran-Krieges wächst in Deutschland die Sorge hinsichtlich einer möglichen Massenflucht aus der Region. Politiker aus Koalition und Opposition forderten, Deutschland und Europa müssten sich gegen eine mögliche Fluchtbewegung wappnen. Die Polizeibehörden warnten vor Gefahren für die innere Sicherheit und mahnten ein abgestimmtes Vorgehen an.

Die USA und Israel hatten am 28. Februar gemeinsame Luftangriffe auf den Iran begonnen. Am ersten Kriegstag wurden der obersten Führer des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, und weitere Mitglieder der iranischen Führung bei US-israelischen Luftangriffen in Teheran getötet. Der Iran greift seitdem mit Raketen- und Drohnen Israel sowie mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion an.

(U.Kabuchyn--DTZ)

Empfohlen

Nicaraguas Präsident Ortega schließt Wahlen aus

Nicaraguas Langzeitpräsident Daniel Ortega hat Wahlen ausgeschlossen, um die Opposition von einem Machtwechsel abzuhalten. "Sie können es vergessen, hier in Nicaragua wird es keine Wahlen mehr geben, bei denen sie versuchen könnten, die Regierung zu übernehmen und die Macht an sich zu reißen", sagte Ortega am Sonntag (Ortszeit) in der Hauptstadt Managua mit Blick auf seine politischen Gegner.

Ministerpräsident Schulze erleichtert über Spahn-Rücktritt

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat sich erleichtert über den bevorstehenden Wechsel an der Spitze der Unions-Bundestagsfraktion gezeigt. Die Debatte um den zurückgetretenen Fraktionschef Jens Spahn "sei nicht hilfreich", sondern schade dem Wahlkampf, sagte Schulze am Montag dem Nachrichtenradio MDR Aktuell. Deshalb sei es wichtig gewesen, "dass es jetzt abgearbeitet wurde".

US-Armee greift erneut den Iran an - Revolutionsgarden stoppen Schiffe in Straße von Hormus

Als Reaktion auf die zuletzt im Iran-Krieg getöteten US-Soldaten haben die Vereinigten Staaten die neunte Nacht in Folge Angriffe auf die Islamische Republik ausgeführt. Das US-Militär erklärte am Sonntag (Ortszeit), mit den Angriffen auf Militäranlagen sollten iranische Attacken auf Schiffe in der Straße von Hormus verhindert werden. Außenminister Marco Rubio forderte andere Länder in diesem Zusammenhang zu mehr Unterstützung der USA auf. Die iranischen Revolutionsgarden stoppten laut Staatsmedien unter anderem zwei Schiffe im Bereich der Meerenge.

Bundesaußenminister Wadephul beginnt Afrika-Reise - Erste Station Mauretanien

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) beginnt am Montag eine mehrtägige Afrika-Reise. Er wird dabei im Verlauf der Woche Mauretanien, Nigeria und Südafrika besuchen. Im westafrikanischen Mauretanien sind unter anderem Gespräche mit Staatschef Mohamed Ould Ghazouani und Außenminister Mohamed Salem Ould Merzoug geplant. Außerdem wird Wadephul ein UN-Projekt zu Extremismusprävention und Deradikalisierung besuchen.

Textgröße ändern: