Deutsche Tageszeitung - Trumps Forderung nach Nato-Beteiligung in Straße von Hormus stößt international auf Ablehnung

Trumps Forderung nach Nato-Beteiligung in Straße von Hormus stößt international auf Ablehnung


Trumps Forderung nach Nato-Beteiligung in Straße von Hormus stößt international auf Ablehnung
Trumps Forderung nach Nato-Beteiligung in Straße von Hormus stößt international auf Ablehnung / Foto: © AFP/Archiv

Die Forderung von US-Präsident Donald Trump nach einem Nato-Einsatz in der Straße von Hormus vor dem Hintergrund des Iran-Krieges ist international auch bei engen Verbündeten auf Ablehnung gestoßen. Der britische Premierminister Keir Starmer sagte am Montag: "Es wird keine Nato-Mission sein, und es war auch nie als eine Nato-Mission vorgesehen." Die Bundesregierung zeigte sich ebenfalls ablehnend. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi kündigte an, den Krieg nach den Angriffen der USA und Israels "so weit wie nötig" weiterzuführen.

Textgröße ändern:

Trump hatte in einem Interview mit der britischen "Financial Times" gesagt, eine ausbleibende Unterstützung durch Nato-Verbündete zur Sicherung der Straße von Hormus wäre "sehr schlecht" für die Zukunft des Verteidigungsbündnisses. Damit erhöhte er den Druck auf die Nato-Partner. Zunächst hatte er angekündigt, die US-Kriegsmarine werde mit der Eskortierung von Tankern durch die Meerenge beginnen. Am Samstag schwenkte er dann um und drängte andere Länder zur Entsendung von Kriegsschiffen.

Trump erklärte, "viele Länder" würden sich beteiligen, und nannte China, Frankreich, Japan, Südkorea und Großbritannien. Am Montag sagte Trump, seine Regierung sei mit "etwa sieben" Ländern im Gespräch. Es sei "nur angemessen, dass diejenigen, die von der Straße profitieren, auch dazu beitragen, sicherzustellen, dass dort nichts Schlimmes passiert", sagte er.

Der britische Premierminister Starmer erteilte Trumps Forderungen nach einem Gespräch mit dem US-Präsidenten eine Abfuhr. Für eine Absicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus sei ein Bündnis von Partnern "in Europa, am Persischen Golf und mit den USA" nötig, sagte Starmer.

Auch die japanische Regierung schloss eine Beteiligung an einem Marineeinsatz aus. Regierungschefin Sanae Takaichi erklärte, jeder maritime Sicherheitseinsatz wäre "rechtlich außerordentlich schwierig". Der Einsatz der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte im Ausland ist im offiziell pazifistischen Japan politisch heikel. Auch die australische Regierung lehnte eine Beteiligung ab.

Die Bundesregierung äußerte sich ebenfalls ablehnend angesichts von Trumps Äußerungen. "Das ist nicht der Krieg der Nato", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. "Die Nato ist ein Bündnis zur Verteidigung des Bündnisgebietes."

Durch die Straße von Hormus verläuft rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Seit Beginn des Iran-Krieges durch Angriffe der USA und Israels auf den Iran Ende Februar ist die Meerenge durch die iranische Seite de facto gesperrt. Zudem beschoss der Iran Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker. Diese Entwicklungen ließen die Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen.

Irans Außenminister Araghtschi sagte vor Medienvertretern, die Islamische Republik werde nicht zögern, sich zu verteidigen. Sein Land sei bereit, "den Krieg, wohin er auch führen mag, fortzusetzen".

In Jerusalem war laut AFP-Reportern eine Explosion zu hören. Die iranischen Revolutionsgarden teilten mit, sie hätten die israelische Metropole Tel Aviv und den Ben-Gurion-Flughafen ins Visier genommen, außerdem von den USA genutzte Militärstützpunkte in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.

In einem Außenbezirk von Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde ein Palästinenser nach Behördenangaben von einer Rakete getötet. Nach einem neuerlichen Drohnenangriff auf das Ölindustriegebiet Fudschaira brach laut örtlichen Behörden ein "großer" Brand aus. Es seien keine Verletzten gemeldet worden. Der internationale Flughafen von Dubai setzte seinen Betrieb nach einem Drohnenvorfall und einem Brand an einem Treibstofftank vorübergehend aus. Später wurde der Flugverkehr nach Angaben des Betreibers in Teilen wieder aufgenommen.

Die saudiarabischen Streitkräfte fingen seit Montag um Mitternacht mehr als 60 Drohnen ab, wie das Verteidigungsministerium in Riad im Onliedienst X mitteilte. In der Hauptstadt von Katar, Doha, waren nach Angaben von AFP-Journalisten Explosionen zu hören. Das Verteidigungsministerium des Golfemirats teilte im Onlinedienst X mit, die Streitkräfte hätten einen Raketenangriff abgewehrt.

Israel gab derweil neue Angriffe auf die iranische Hauptstadt Teheran, auf Schiras im Süden und auf Täbris im Nordwesten an. Die Armee habe eine "umfassende Welle von Angriffen" gestartet, die "auf die Infrastruktur des iranischen Terrorregimes" in den drei Städten ziele, hieß es in einer Erklärung des Militärs. Bereits in der Nacht waren in Teheran heftige Explosionen zu hören gewesen. Dort wurde die Luftabwehr aktiviert.

Die Außenministerinnen und Außenminister der EU berieten am Montag in Brüssel über die Lage im Nahen Osten. Thema sollte auch eine mögliche Ausweitung der EU-Marinemission Aspides im Roten Meer zum Schutz der Seewege in der Straße von Hormus sein.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Abgeordnetenhauswahl in Berlin: CDU und Linkspartei in neuer Umfrage gleichauf

Knapp eine Woche vor der Abgeordnetenhauswahl in Berlin sieht eine weitere Umfrage ein enges Rennen zwischen der regierenden CDU und der oppositionellen Linkspartei. Der am Montag veröffentlichten Erhebung des Instituts Insa für die "Bild"-Zeitung zufolge kommen sowohl die Christdemokraten von Spitzenkandidat Stefan Evers als auch die Linke um Spitzenkandidatin Elif Eralp auf 20 Prozent.

Huthi-Miliz im Jemen greift erneut Ziele in Saudi-Arabien an

Die pro-iranische Huthi-Miliz im Jemen hat nach eigenen Angaben erneut Ziele im benachbarten Saudi-Arabien angegriffen. Als Vergeltung für Angriffe Riads habe die Miliz "Hangars für Kampfflugzeuge, Radare, Start- und Landebahnen sowie Munitionslager" auf dem Luftwaffenstützpunkt König Chalid in der saudiarabischen Stadt Chamis Muschait attackiert, erklärte der Huthi-Sprecher Jahja Saree am Montag. Die iranische Regierung wies derweil jede Verwicklung in den Krieg im Jemen zurück. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die "unerbittlichen Angriffe durch Stellvertreter des Iran".

MAD: Hybride Bedrohungslage in Deutschland weiter verschärft

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) sieht Deutschland in einem wachsenden Ausmaß von hybrider Kriegsführung betroffen. Die hybride Bedrohungslage habe sich "weiter verschärft", heißt es im Jahresbericht des Militärnachrichtendienstes, der am Montag veröffentlicht wurde. So sei es im vergangenen Jahr im Bereich der hybriden Kriegsführung wiederholt zu Sabotageverdachtsfällen gekommen, "die mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Russland initiiert worden sind". Zu hybrider Kriegsführung gehörten auch Einflussnahme und Desinformation.

Trump: Ukraine und Russland wollen keine Energieanlagen mehr angreifen

Die Ukraine und Russland wollen nach Angaben von US-Präsident Donald Trump keine Energieanlagen im jeweils anderen Land mehr angreifen. "Die Ukraine hat zugestimmt, keine russischen Energieziele mehr anzugreifen", schrieb Trump am Montag in seinem Onlinedienst Truth Social. "Russland hat zugestimmt, ebenso zu handeln!", fügte er hinzu. Eine Bestätigung aus Kiew und Moskau für die Angaben lag zunächst nicht vor.

Textgröße ändern: