Deutsche Tageszeitung - Israel startet "gezielten Bodeneinsatz" im Südlibanon - Merz nennt Offensive "Fehler"

Israel startet "gezielten Bodeneinsatz" im Südlibanon - Merz nennt Offensive "Fehler"


Israel startet "gezielten Bodeneinsatz" im Südlibanon - Merz nennt Offensive "Fehler"
Israel startet "gezielten Bodeneinsatz" im Südlibanon - Merz nennt Offensive "Fehler" / Foto: © AFP

Israel hat nach eigenen Angaben einen "gezielten Bodeneinsatz" gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Südlibanon gestartet. Soldaten der 91. Division der israelischen Streitkräfte (IDF) hätten "in den vergangenen Tagen" das Vorgehen "gegen wichtige Stellungen der Hisbollah im Südlibanon eingeleitet", erklärte die israelische Armee am Montag. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte deutliche Kritik am Vorgehen Israels und bezeichnete eine Bodenoffensive im Libanon als "Fehler".

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Die israelische Armee erklärte, der Einsatz sei Teil "umfassender Verteidigungsbemühungen zum Aufbau und zur Stärkung einer vorwärtsgerichteten Verteidigungsposition". Dazu gehörten "auch die Zerschlagung terroristischer Infrastruktureinrichtungen und die Ausschaltung der in diesem Gebiet operierenden Terroristen", um "Bedrohungen zu beseitigen und den Bewohnern Nordisraels zusätzliche Sicherheit zu bieten".

Vor dem Einmarsch der Bodentruppen hätten Luftwaffe und Artillerie "Angriffe gegen zahlreiche terroristische Ziele" ausgeführt, um "die Bedrohungen im Einsatzgebiet zu verringern", erklärte die israelische Armee weiter.

Nach dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar hatte die vom Iran finanzierte Hisbollah den Norden Israels unter Beschuss genommen. Seither nimmt die israelische Armee Ziele im Libanon ins Visier, insbesondere in Gebieten, die als Hisbollah-Hochburgen gelten. Dazu zählen der Süden des Landes, die südlichen Vororte der Hauptstadt Beirut und die ostlibanesische Bekaa-Ebene.

Bei den israelischen Angriffen wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums 886 Menschen getötet und mehr als 2100 weitere verletzt. Mehr als eine Million Menschen seien seit dem Wiederaufflammen des Konflikts zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon vertrieben worden, erklärten die libanesischen Behörden am Montag.

Die Bundesregierung äußerte sich kritisch zum Vorgehen der israelischen Armee. "Wir verfolgen mit ziemlicher Sorge die israelische Bodenoffensive", sagte Merz in Berlin. Eine solche Offensive würde die ohnehin "hoch angespannte humanitäre Lage und das dramatische Fluchtgeschehen weiter verschärfen", fügte er hinzu. "Deshalb fordern wir unsere israelischen Freunde eindringlich auf: Schlagt diesen Weg nicht ein. Es wäre ein Fehler."

"Wir verurteilen scharf, dass die Hisbollah auf Seiten Irans jetzt in den Kampf gegen Israel eingetreten ist", sagte Merz. Die Miliz müsse ihre Angriffe sofort beenden und die Waffen niederlegen. "Wir unterstützen auch jede Anstrengung, die Gespräche zwischen Israel und Libanon in Gang setzen kann." Zugleich fordere die Bundesregierung die israelische Armee auf, "zivile Ziele und die Unifil-Mission der Vereinten Nationen nicht anzugreifen."

Bereits während des Gaza-Kriegs nach dem Hamas-Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte die Hisbollah den Norden Israels unter Beschuss genommen. Daraufhin verließen in Israel 60.000 Menschen infolge einer Evakuierungsaufforderung der Behörden ihre Häuser. Dieses Mal sollen solche Evakuierungen vermieden werden.

Ein Sprecher der israelischen Armee begründete die Ausweitung des Bodeneinsatzes im Libanon mit der Lage der israelischen Bürger im Grenzgebiet. Die "begrenzten Bodeneinsätze" im Südlibanon in "neuen Gebieten" richteten sich "gegen ausgewählte Ziele", erklärte der für die internationale Kommunikation zuständige Sprecher Nadav Shoshani. Diese befänden sich an "Orten, an denen wir glauben, dass die Hisbollah eine Bedrohung für unsere Zivilbevölkerung darstellt".

Die Hisbollah hatte nach Shoshanis Angaben zuvor konkrete Vorbereitungen getroffen, um ihre Attacken auf Israel auszuweiten. "Wir haben festgestellt, dass die Hisbollah beabsichtigt, ihre Operationen auszuweiten", erklärte er. Ziel der Miliz sei es, "täglich hunderte Raketen" in Richtung Israel abzufeuern. Zudem seien "hunderte Terroristen" der Hisbollah-Eliteeinheit Al-Radwan in den Südlibanon entsandt worden.

Die Hisbollah meldete derweil neue Angriffe auf Israel. Sie habe mehrere Raketen und Drohnen auf die Stadt Naharija im Norden Israels abgefeuert, erklärte die Miliz. Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom wurde ein Mann bei den Angriffen verletzt.

(W.Novokshonov--DTZ)

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