Deutsche Tageszeitung - "Letzte Verteidigungswelle": Weitere Durchsuchungen bei rechtsextremer Zelle

"Letzte Verteidigungswelle": Weitere Durchsuchungen bei rechtsextremer Zelle


"Letzte Verteidigungswelle": Weitere Durchsuchungen bei rechtsextremer Zelle
"Letzte Verteidigungswelle": Weitere Durchsuchungen bei rechtsextremer Zelle / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Zehn Monate nach der Zerschlagung einer mutmaßlichen Zelle von jugendlichen Rechtsextremisten hat die Bundesanwaltschaft am Dienstag Wohnungen weiterer Beschuldigter durchsuchen lassen. Die Razzia in Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein richtet sich gegen zehn mutmaßliche Mitglieder der "Letzten Verteidigungswelle", wie die Behörde in Karlsruhe mitteilte. Eine weibliche Beschuldigte soll eine Führungsfigur der Gruppe sein.

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Die "Letzte Verteidigungswelle" soll potenziell tödliche Anschläge auf Linke und Geflüchtete verübt und weitere bereits geplant haben. Im Mai vergangenen Jahres flog die Gruppe auf. Spezialeinheiten und andere Einsatzkräfte der Polizei nahmen bei koordinierten Razzien mehrere Beschuldigte fest, andere waren bereits zuvor festgenommen worden und befanden sich schon in Haft. Es handelte sich um Jugendliche und Heranwachsende, sie waren zwischen 14 und 21 Jahre alt.

Im April 2024 sollen sie sich zusammengeschlossen haben, um politisch motivierte Gewalttaten in Form von Brand- und Bombenanschlägen zu verüben. Die Gruppierung habe "durch Gewalttaten vornehmlich gegen Migranten und politische Gegner einen Zusammenbruch des demokratischen Systems" herbeiführen wollen, hieß es von der Bundesanwaltschaft. Sie habe sich "als letzte Instanz zur Verteidigung der 'Deutschen Nation'" verstanden.

Verletzte oder gar Tote gab es zwar nicht, was der Behörde zufolge aber teils nur Zufällen zu verdanken war. In Hamburg begann Anfang des Monats der Prozess gegen acht mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer. Sie müssen sich vor dem Oberlandesgericht unter anderem wegen versuchten Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation verantworten.

Zu den angeklagten Taten gehört ein nächtlicher Brandanschlag auf ein Kulturzentrum in Altdöbern in Brandenburg im Oktober 2024. Neben dem Anschlag in Altdöbern sollen einige der Beschuldigten laut Anklage im Januar 2025 nachts Feuerwerkskörper in eine Flüchtlingsunterkunft im thüringischen Schmölln geschossen haben. Am Tatort hinterließen sie demnach nationalsozialistische Symbole.

Mehrere Beschuldigte sollen darüber hinaus Überfälle auf Menschen verübt haben, die sie als "pädophil" einstuften. Diese wurden durch Täuschung zu Treffen gelotst, bei denen sie geschlagen und getreten wurden.

Auch zwei der nun Beschuldigten, deren Wohnungen am Dienstag durchsucht wurden, sollen sich an solchen Angriffen beteiligt haben. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Allen zehn wird Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen, der mutmaßlichen Führungsfigur auch Rädelsführerschaft. Sie sollen sich der Gruppe zwischen April 2024 und Dezember 2024 als Jugendliche oder Heranwachsende angeschlossen haben.

Bei der neuen Razzia gab es keine Festnahmen. "Die heutigen Durchsuchungen dienen dazu, die bestehenden Verdachtsmomente zu objektivieren", erklärte die Bundesanwaltschaft. Durchsuchungen fanden demnach in Mecklenburg-Vorpommern in Rostock und dem Landkreis Rostock, dem Landkreis Nordwestmecklenburg und Wismar statt.

In Nordrhein-Westfalen gab es eine Razzia im Kreis Herford, in Sachsen Durchsuchungen in Dresden, dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, dem Vogtlandkreis und dem Landkreis Zwickau. In Sachsen-Anhalt war die Razzia im Burgenlandkreis und in Schleswig-Holstein in Lübeck. Beamte des Bundeskriminalamts und der Polizei der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt waren im Einsatz.

(O.Zhukova--DTZ)

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